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Autoreifen für ein Kinderlachen

Lichtenhagen Autoreifen für ein Kinderlachen

Die Teile für den Bus einer Hilfsorganisation sollen das Leid der kranken Kinder von Belaja Zerkow lindern.

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Marscha (11, v. l.) Maxim (11), Margarita (12) und Nikolaj Daskjevich (46) freuen sich über die Spende von Frank Bigge (46, 2.v.l.)

Quelle: Karsten Wilke

Lichtenhagen. Vier neue Autoreifen sollen helfen, das Leid der Kinder aus Belaja Zerkow bei Tschernobyl zu lindern. 27 Jahre nach dem Reaktorunglück ist das Elend durch die Spätfolgen des ukrainischen Reaktorunglücks größer denn je. Die vom Tüv Nord gespendeten Reifen sind für den Bus der Hilfsorganisation „Fonds der Freunde der Kinder von Tschernobyl“, die sich um die Strahlenopfer kümmert.

Es war der 26. April 1986, als der Block vier des Kernkraftwerks im ukrainischen Tschernobyl explodierte und seinen todbringenden Inhalt über das Land verteilte. Die Folgeschäden durch die atomare Strahlung sind bis heute immens. „Derzeit haben wir 130 krebskranke Kinder alleine in Belaja Zerkow“, erklärt Nikolaj Daskjevich (61), Leiter der Hilfsorganisation. Damit ist die Erkrankungsrate in der nur 180 Kilometer vom Reaktor entfernten 120 000 Einwohner-Stadt acht Mal höher als vor dem Zwischenfall. Und die Zahl der Neuerkrankungen steigt stetig. „Das Problem ist, dass der Boden verseucht ist und die Menschen die Strahlung mit ihrer Nahrung aufnehmen. Besonders die Kinder leiden darunter. Die Hauptkrebsart ist Leukämie“, berichtet Daskjevich. Aber auch Fehlbildungen bei Neugeborenen und Gebärmutterhalskrebs bei den Müttern gehören zu den Folgen.

Für die betroffenen Familien ist die Erkrankung eines Familienmitglieds oft auch ein finanzieller Ruin. „Sie müssen alles verkaufen, was sie besitzen, um die Arztkosten und Operationskosten zu bezahlen. In der Ukraine gibt es kein Versicherungssystem, wie in Deutschland“, erklärt Daskjevich. Die Kosten sind gigantisch. So kostet eine OP in Kiew 150 000 Dollar, in Deutschland sogar noch mehr. Mit seiner Hilfsorganisation bildet er auch Kinder im Tanzen aus. Einmal im Jahr gehen sie auf Tour durch Mecklenburg-Vorpommern und werben so um Spenden für das Hilfsprojekt. Der Bus, für den die Reifen bestimmt sind, ist ebenfalls eine Spende. „Mit ihm fahren wir Kinder zu Operationen nach Kiew oder auch nach Deutschland“, sagt er. Nach 70 000 Kilometern sind die alten Reifen jedoch verschlissen.

„Als ich davon hörte, habe ich sofort zugesagt, neue zu spenden“, sagt Frank Bigge (46), Regionalleiter des Tüv-Nord. Er kennt das Leid der Opfer von Tschernobyl. „In meiner Kirchgemeinde betreuen wir ein ähnliches Projekt, daher habe ich nicht gezögert. Vor zwei Jahren haben wir den alten Bus schon einmal nach einem schweren Unfall wieder flottgemacht“, erzählt er.

Die 28 Kinder des Ensembles „Roc“, die für ihre kranken Landsleute tanzen, sind während ihres Deutschlandaufenthaltes bei Rostocker Gastfamilien untergebracht. Und so ist die Tanztour nicht nur Hilfe in Not, sondern auch ein Beitrag zur internationalen Verständigung. „Mein Gastmädchen Martha ist für mich wie eine kleine Schwester“, erzählt Rike Balk (14), die mit ihrer Familie eines der Kinder aufgenommen hat.

Programm des Tanzensembles in der Region
Die Kinder des Tanzensembles „Roc“ der Hilfsorganisation „Fonds der Freunde der Kinder von Tschernobyl tanzen“ sind diese Woche noch auf Tour durch die Region.

Heute

15 bis 16 Uhr: Kühlungsborn-Bühne Konzertgarten Ost, Kühlungsborn

Donnerstag

14.30 bis 15.30 Uhr: Rostocker Zoo - Sommerfest des Marineamtes Rostock

Freitag

19 bis 20 Uhr: Benefizauftritt in der Heiligen Geist Kirche am Margaretenplatz Rostock

Sonnabend

12 bis 13 Uhr und 15 bis 16 Uhr: Stromfest am Warnemünder Leuchtturm, Rostock


Die OSTSEE-ZEITUNG spendete im vergangenen Jahr 4330 Euro aus dem Erlös der beliebten Kunstbörse an den Verein „Ferien für die Kinder von Tschernobyl“. Bei der Kunstbörse werden in jedem Jahr Kunstwerke von namhaften Künstlern zu wohltätigen Zwecken versteigert. Seit der Gründung 1992 kamen rund 850 Gemälde unter den Hammer.

 

Karsten Wilke

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