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Rostock Autos in Flammen: Wo war die Feuerwehr?
Mecklenburg Rostock Autos in Flammen: Wo war die Feuerwehr?
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03:46 05.09.2013
Flammenmeer auf dem Parkplatz: Insgesamt vier Autos brannten gestern in der Südstadt aus, ein weiteres ist beschädigt. Quelle: Fotos: Stefan Tretropp
Südstadt

Brennende Autos in der Rostocker Südstadt — und die Feuerwehr rückt durch die ganze Stadt aus Lütten Klein an. Rund 15 Minuten dauerte es, bis die Berufsfeuerwehr gestern zum Einsatz eintraf, während die Freiwilligen in der Stadtmitte nicht alarmiert wurden. Nach dem Zwist der Vorwochen mit dem Ehrenamtler-Streik baut sich neuer Frust auf.

Gestern Morgen gegen 4.20 Uhr in der Louis-Pasteur-Straße: Schon von weitem ist ein großer Feuerball zu erkennen, ein Auto brennt, die Flammen schlagen meterhoch aus dem Dach. In sicherer Entfernung stehen zwei Polizeibeamte, blicken Richtung Kreuzung. „Mensch, wo bleibt denn nur die Feuerwehr?“, fragt einer der Beamten. Dabei guckt er immer wieder auf die Uhr. Fünf, sieben, zehn Minuten vergehen — nichts passiert. „Habt ihr die Feuerwehr auch wirklich verständigt?“, fragt der Polizist über das Funkgerät in der Leitstelle nach. „Ja, das ist längst passiert“, schnarrt es.

Inzwischen sind weitere Polizisten eingetroffen. Ein lauter Knall, offenbar eine Explosion im Motorraum des brennenden Autos, schreckt die Beamten auf. Die Flammen haben auf einen Baum und zwei daneben geparkte Fahrzeuge übergegriffen. Dann, nach fast 15 Minuten, ertönt in der Ferne das Martinshorn und die Feuerwehr biegt um die Ecke. Sofort beginnen die Männer der Wache zwei aus Lütten Klein mit dem Löschen. Nach weiteren zehn Minuten sind die letzten Glutnester gelöscht. Doch die Frage bleibt: Warum kam die Feuerwehr so spät?

Das Problem: Es gibt zwei Einsätze binnen 15 Minuten. Während die Berufsfeuerwehr aus der Südstadt mit dem ersten Autobrand an der Stadthalle beschäftigt ist, geht bereits der nächste Notruf ein.

Nicht aber die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte, die mit ihrer Wache in der Fahnenstraße geografisch gesehen dichter am Brandort ist, wird alarmiert, sondern die viele Kilometer entfernte Berufsfeuerwehr aus Lütten Klein. „Gemäß Alarm- und Ausrückeordnung wurde auf der Grundlage der Duplizität der Ereignisse die Feuerwache zwei für den Leitstellendisponenten vorgeschlagen“, sagt Ulrich Kunze, Sprecher der Stadt.

Verwunderung bei der Freiwilligen Feuerwehr, die sich übergangen fühlt. „Wir waren einsatzbereit und wären gern ausgerückt", sagt Stadtwehrführer Steffen Grafe. David Eberhardt sagt: „Gerade jetzt nach dem Ausstand brennen wir alle darauf, endlich wieder helfen und Einsätze fahren zu können.“ Nach der Konfrontation von Ehrenamtlern und Berufswehr in den vergangenen Wochen sitzt bei einigen Kameraden der Frust tief. Kommentare bei Facebook: „Es geht nicht peinlicher“, so Stephan Sessner. Benjamin Vormeyer: „Da wird die nächste Feuerwache aus Bagdad geschickt, nur um sich nicht die Blöße zu geben, auf eine Freiwillige Feuerwehr angewiesen zu sein.“

Die Ehrenamtler hätten schneller in der Louis-Pasteur-Straße sein können, räumt Stadtsprecher Kunze ein: „Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte bis zu fünf Minuten vor der Feuerwache Lütten Klein eintrifft.“ In kritischen Fällen sollten die Retter binnen zehn Minuten da sein. Kunze: „Die Eintreffzeit der Feuerwache zwei nach Alarmierung ist mit 13 Minuten und 36 Sekunden hinterlegt.“

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Stefan Tretropp