Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Bald Haare fönen mit dänischem Strom
Mecklenburg Rostock Bald Haare fönen mit dänischem Strom
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:18 19.04.2018
Am Umspannwerk bei Rostock ist eine neue Umspannanlage im Bau, die über die deutschen Offshore-Windparks Baltic 1 und 2 sowie über den dänischen Windpark Kriegers Flak das deutsche und dänische Stromnetz miteinander verbindet. Quelle: Foto: Wüstneck/dpa
Bentwisch

Mit dänischem Strom aus der Steckdose die Haare fönen oder Batterien aufladen. Bentwischs Bürgermeisterin Susanne Strübing freut sich schon darauf, wie sie gestern beim Richtfest für die neue Konverter-Anlage auf dem Gelände des bestehenden Umspannwerks in Bentwisch verkündete. In ihrer Gemeinde entsteht eine Doppelkonverter-Anlage, Teil des deutsch-dänischen Kooperationsprojektes „Kriegers Flak – Combined Grid Solution“, das der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz zusammen mit dem dänischen Pendant Energinet.dk. realisiert.

Richtfest für die Konverter-Anlage am Umspannwerk Bentwisch / Stromaustausch zwischen Dänemark und Deutschland

„Zum ersten Mal werden Windparks auf See miteinander verbunden“, erläutert Dr. Frank Golletz, technischer Geschäftsführer bei 50 Hertz. Selbst bei Flaute fließe der Strom zwischen Deutschland und Dänemark, „Über einen ganz neuen Weg in der Ostsee“, sagt Golletz. 250 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, das den Angaben zufolge bisher weltweit einmalig ist. Die Hälfte der Mittel kommen von der EU, den Rest teilen sich die beiden beteiligten Netzbetreiber.

In Bentwisch sind nach dem Spatenstich vor knapp einem Jahr jetzt die Hallengerüste für die sogenannte Konverter-Kurzkupplung fertiggestellt. Traditionell wurde die Richtkrone in die stählerne Dachkonstruktion gehievt. In nächster Zeit wird das riesige Hallenkonstrukt von gut 100 mal 60 Metern geschlossen und dann mit sehr viel Technik bestückt. „Die Teile dafür werden in Deutschland, Schweden und anderswo in Europa gefertigt und im Seehafen zwischengelagert“, erklärt Teilprojektleiter Hans-Christian Seeliger. Während in den äußeren Drosselhallen je sechs Spulen mit großen Magnetfeldern installiert werden, „spielt in der Mitte die Musik“, so Seeliger. Dort werden die beiden Konverter – „Rücken an Rücken, Back-to-Back“ eingebaut. Die wandeln die Energie um, machen den Strom für das europäische Festland und Skandinavien kompatibel.

Torben Glaar Nielsen von Energinet.dk unterstreicht die „große Bedeutung“ des innovativen Projekts für Dänemark. „Damit können wir wesentlich zur Stromversorgung der Hauptstadt Kopenhagen und der Insel Sjaelland beitragen“, sagt er. Landrat Sebastian Constien (SPD) indes freut sich über diese Innovation mitten im Landkreis Rostock, die ein „weiteres starkes Argument für diesen Wirtschaftsstandort“ sei. „Die Errichtung des Konverters in Bentwisch zeigt, dass die Region Rostock eine entscheidende Rolle bei der umweltfreundlichen und zukunftsorientierten Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen spielt“, betont Constien.

Die Technologie für das Bentwischer Projekt liefert der Anlagenbauer ABB. Am 3. Januar 2019 soll die Konverter-Anlage vor den Toren der Rostocks in Betrieb gehen. Schon zum Jahresende, also in wenigen Monaten, soll die Testphase starten. „Ein ambitioniertes Ziel“, findet Frank Golletz vom Netzbetreiber und setzt auf den Anlagenbauer. „Danke für das Vertrauen“, reagiert ABB-Vorstandsmitglied Dr. Martin Schumacher. Der Termin sei eine große, sportliche Herausforderung, „die wir nur gemeinsam schaffen können.“ Doch dann fließt der Strom zwischen Deutschland und Dänemark via Bentwisch. Auch zum Haarefönen aus der Strübingschen Steckdose.

Stromaustausch über die Ostsee

Deutschland betreibt zwei Offshore-Parks in der Ostsee, Baltic 1 (48 MW) und Baltic 2 (288 MW). Dänemark baut derzeit die Netzanbindung der künftigen Offshore-Windparks Kriegers Flak (600 MW).

Die sind nur knapp 30 Kilometer von Baltic 2 entfernt und werden nun durch zwei Unterseekabel miteinander verbunden. Da aber die dänischen und deutschen Übertragungsnetze nicht synchron arbeiten, ist eine Anpassung nötig, die passiert in Bentwisch. Hier verwandelt ein Konverter den nordischen Drehstrom in Gleichstrom, der zweite Konverter diesen wiederum in kontinentaleuropäisch passenden Strom. Der Bau des Doppel-Konverters an Land ist wirtschaftlicher und erlaubt eine einfachere Wartung als der Betrieb einer Anlage auf einer Plattform. Der stetige Stromaustausch ist so möglich.

Bei starkem Wind wird der auf See erzeugte Strom über ein System in beide Netze eingespeist. Bei leichter Brise können Dänemark und Deutschland auf gleichem Weg Strom austauschen.

Doris Deutsch

Mehr zum Thema

Im Interview plädiert Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dafür, die Diskussion um den Ausbau der Ostsee-Pipeline nach Russland nicht unnötig anzuheizen. Bis zum Sommer soll der Bund zudem definitiv entschieden haben, ob die Darßbahn gebaut wird.

23.04.2018

Regierungs- chefin Manuela Schwesig (SPD) zeigt im Vorpommern- Interview mit der OZ Sympathie für Darßbahn und Nord Stream.

23.04.2018

Der Schweriner Jürgen Brähmer (39) spricht über seine Zukunft – als Boxer, Trainer und Geschäftsmann – und erklärt, warum er auf Millionen verzichtet hat.

23.04.2018

Die DGzRS hat ihre Aktion in der Nordlicht-Schule beendet / Beide Seiten profitieren

19.04.2018

Altstadtverein feiert 20-jähriges Bestehen und bedankt sich bei Sponsoren und Unterstützern

19.04.2018

Große Zustimmung für kombinierte Arena im Nordwesten / Hohe Betriebskosten sind ein Problem

19.04.2018