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Rostock Batmans Freunde fliegen auf Rostock
Mecklenburg Rostock Batmans Freunde fliegen auf Rostock
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00:00 23.03.2013
Tiersch�tzer Uwe Hermanns (54) begr��t die Teilnehmer der Bundesarbeitsgruppe (BAG) Fledermausschutz in Rostock. � Quelle: OVE ARSCHOLL
Stadtmitte

Sie kommen heraus, wenn es dunkel wird und flattern auf der Suche nach Opfern gespenstisch durch die Nacht: Um Fledermäuse ranken sich allerlei Mythen, nicht zuletzt in den Comics um Superheld Batman. Um Fakten geht es dagegen am Wochenende bei einer Tagung in Rostock: Experten aus ganz Deutschland tauschen aktuelle Forschungsergebnisse aus und diskutieren, wie die bedrohten Flugsäuger besser geschützt werden können.

Sorgen macht den Tierschützern derzeit vor allem die energetische Gebäudesanierung. „Wenn man an einem Haus alles dicht macht, damit keine Wärme entweicht, schließt man auch Spalten, in denen Fledermäuse leben oder durch die sie auf die Dachböden kommen“, sagt Uwe Hermanns, Fledermausexperte beim Rostocker Naturschutzamt.Gibt es dann keine Ausweichquartiere, fliegen die Tiere rein, wo sie können, was oft zu Konflikten mit den Bewohnern führt. In Rostock betraf das zwei der wichtigsten Lebensräume von Fledermäusen mit Kolonien von mehreren Tausend Tieren: das Landgericht und vor allem das Universitätsklinikum. „Es gab in der Vergangenheit Probleme, aber derzeit werden Maßnahmen umgesetzt, damit einerseits die Tiere geschützt werden und andererseits die Klinik uneingeschränkt arbeiten kann“, sagt Hermanns.

Probleme gibt es auch immer wieder bei Kirchen. Oft würden die Belange der Fledermäuse bei Baumaßnahmen nicht beachtet. „Rostock ist auch dabei eine positive Ausnahme“, so der Experte. Unter anderem in der Marien-, der Nikolai und der Heiligen-Geist-Kirche gab es Schutzprojekte, die auch seltenen Vögeln, wie Turmfalken, Dohlen und Mauerseglern nützen.

Auch rund um Rostock gibt es bedeutende Fledermausvorkommen, weiß Hermanns. „Im Swinskuhlewald beim Steinkohlekraftwerk lebt eine der größten Kolonien von großen Abendseglern in Deutschland mit rund 500 Tieren.“

In Graal-Müritz mussten die Fledermausfreunde 2002 einen herben Rückschlag hinnehmen, der weltweit für Entsetzen sorgte: „In einem ehemaligen Altersheim gab es eine Kolonien mit 5000 Mückenfledermäusen. Dann wurde das Gebäude mit Zustimmung der Naturschutzbehörde abgerissen. Danach fanden wir nur noch tote Tiere.“ Gespannt ist Hermanns, wie es mit der früheren Anker-Brennerei in Rostock weitergeht: „Dort leben zwar nur kleine Kolonien, aber immerhin von drei verschiedenen Fledermausarten.“

Besonders tragisch ist für Hermanns der Konflikt zwischen erneuerbaren Energien und Tierschutz. „Einer Studie zufolge kommen jedes Jahr 200 000 Fledermäuse durch Windkraftanlagen ums Leben“, sagt Hermanns.

Mit der Frage, wie dieser Konflikt gelöst werden kann, beschäftigt sich unter anderem das Institut für angewandte Ökosystemforschung in Neu Broderstorf. „Die Windenergiebranche arbeitet an verschiedenen Lösungen“, sagt Frank Wolf, Leiter des Bereichs Umwelt. „Man kann die Rufe der Fledermäuse aufnehmen und auswerten. Anhand der Ergebnisse können Zeiten bestimmt werden, wann Anlagen abgeschaltet werden.“ Ein anderer Weg sei, die Gondeln der Windräder so abzudichten, dass Fledermäuse bei Stillstand der Rotoren nicht mehr reinkriechen und dann beim Betrieb getötet werden. Ein weiteres Problem: Warnfarben oder -lichter, die Vögel abschrecken, nutzen bei Fledermäusen nichts, da sie Ultraschall navigieren. „Es gibt auch die Idee, Fledermäuse mit Warnrufen zu verscheuchen, aber die ist noch nicht marktreif“, sagt Wolf.

Vorkommen in der Region
Die größten Kolonien finden sich im Landgericht und im Uniklinikum: Dort leben mehrere Tausend Tiere.

Im Swinekuhlewald beim Steinkohlekraftwerk gibt es eine Kolonie mit rund 500 großen Abendseglern, eine der größten in Deutschland. In Graal-Müritz gab es eine Kolonie von bis zu 5000 Mückenfledermäusen. Sie wurde 2001/2002 beim Abriss eines Hauses zerstört. In der früheren Anker-Brennerei leben drei Arten.

Besondere Schutzprojekte gibt es unter anderem in der Marienkirche.

Was tun bei einer Fledermaus-Invasion?
Immer wieder kommt es vor, dass Fledermäuse sich in Wohnungen verirren. Viele Menschen reagieren panisch und wissen nicht, was sie tun sollen. Tierschützer Uwe Hermanns empfiehlt, in so einer Situation Ruhe zu bewahren. „Man sollte warten, bis das Tier landet und es dann vorsichtig raustragen.“

Da Fledermäuse schmerzhaft zubeißen können, empfiehlt es sich, dazu Handschuhe anzuziehen. Vor Schreck nichts zu tun, sei keine Lösung: „Das Fenster offen lassen und hoffen, dass sie wieder rausfliegt, reicht da nicht.“ Oft verstecken sich Fledermäuse in der Wohnung und bleiben dort unentdeckt, bis sie sterben. „Daher sollte man immer die ganze Wohnung absuchen“, rät Hermanns. Verletzt sich ein Tier oder schafft man es alleine nicht, es zu fangen, kann man dieTierrettung der Feuerwehr (☎ 112) rufen, der Einsatz ist kostenlos.

Nicht erschrecken sollte man sich, wenn gleich mehrere Fledermäuse das Wohnzimmer bevölkern. „Das sind oft Muttertiere, die ihren Jungen den Orientierungsflug beibringen“, sagt Hermanns. „Gekippte Fenster sind dabei sehr beliebt, weil die Tiere sie für Spalten halten.“ Dabei kann es zu regelrechten Invasionen kommen, berichtet der Experte: „Das können bis zu 20, in einigen Fällen sogar 50

Tiere sein.“ Nach einem Besuch reicht es, einmal durchzusaugen. „Parasiten oder Schädlinge verbreiten Fledermäuse im Flug nicht.“

Axel Büssem

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