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Rostock Batteriepark in MV kämpft gegen Strom-Schwankungen
Mecklenburg Rostock Batteriepark in MV kämpft gegen Strom-Schwankungen
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08:18 12.03.2018
Der Schweriner Batteriepark ging im Jahr 2014 ans Netz. (Archibild) Quelle: Jens Büttner
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Rostock/Schwerin

Die aktuellen Probleme im europäischen Stromnetz rufen auch den Schweriner Batteriepark auf den Plan. Seit Beginn der Frequenzschwankungen speist der Akku-Komplex deutlich häufiger Energie ins Netz ein, um es zu stabilisieren, als sonst. Gefahren für elektrische Geräte im Haushalt drohten durch die Abweichungen nicht, betonen Experten. Allerdings können Uhren nachgehen, bis zu sechs Minuten. Ursache: ein politischer Streit auf dem Balkan. Ein Netzbetreiber im Kosovo war seinen Verpflichtungen zur Einspeisung nicht nachgekommen.

Stromfrequenz unter den geforderten 50 Hertz

Im Schweriner Batteriepark wird jede Sekunde überprüft, ob die Stromfrequenz bei den geforderten 50 Hertz liegt. Dabei kommt es regelmäßig zu Abweichungen. „Normalerweise gleichen sich Frequenzschwankungen über den Tag aus“, sagt Jost Broichmann, Projektleiter beim Energieversorger Wemag, der den Batteriepark betreibt. „Seit Dezember stellen wir jedoch meist eine leichte Unterfrequenz im Netz fest, vor allem während der Dämmerung.“ Eine Gefahr, dass die Akkus durch die verstärkte Einspeisung irgendwann leer seien, bestehe nicht, da sie ständig aufgeladen werden.

Der Park besteht aus mehr als 50 000 Lithium-Ionen-Akkus. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Strom ins Netz abzugeben oder zu entnehmen, um Schwankungen bis zu 0,2 Hertz auszugleichen. Ist die Frequenz zu niedrig, wird Strom eingespeist, ist sie zu hoch, wird Strom entnommen und die Akkus werden geladen. Der Park kann 10 Megawatt Strom liefern. Er arbeitet im Verbund mit anderen sogenannten Regelkraftwerken, die bundesweit insgesamt 600 Megawatt vorhalten.

Bei größeren Abweichungen werden bestimmte Anlagen abgeschaltet

Die gegenwärtigen Abweichungen seien unproblematisch, so Broichmann. „Schwierig wird es, wenn sich die Frequenz abrupt ändert. Dann können große Anlagen, die mit Strom laufen, aus dem Takt geraten.“ Als Beispiel nennt er Fließbänder oder große Motoren in Fabriken. Für Privathaushalte bestehe kein Grund zur Sorge, betont Volker Rattey, Geschäftsführer der Netzgesellschaft der Rostocker Stadtwerke. „Die derzeitigen Schwankungen haben keine Auswirkungen auf andere elektrische Geräte als auf Uhren. “ Erst bei Abweichungen von mehr als 0,2 Hertz würden bestimmte Anlagen abgeschaltet. Solarstrom von privaten Anlagen etwa werde dann nicht eingespeist, um das Netz nicht zusätzlich zu belasten.

Im Vergleich zu früher sei das Stromnetz heute sehr stabil: „Zu DDR-Zeiten hatten wir deutlich größere Schwankungen von 49 bis 51 Hertz. Wenn wir damals 49,9 Hertz gehabt hätten, wären wir froh gewesen. Deswegen gingen auch die Uhren in der DDR fast nie richtig.“ Eine der derzeit meistbeachteten Uhren in MV ist übrigens von dem Problem nicht betroffen: Die Countdown-Uhr am Rostocker Rathaus, die zum 800. Stadtgeburtstag herunterzählt, hängt zwar am Strom - die Uhrzeit wird jedoch per Funk übermittelt.

Axel Büssem

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