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Rostock Bauen im Schutzgebiet: Kalte Füße im Rathaus?
Mecklenburg Rostock Bauen im Schutzgebiet: Kalte Füße im Rathaus?
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00:01 11.05.2017
Mehr als 50 Menschen protestierten vor dem Rathaus gegen die geplante Bebauung in Diedrichshagen. Quelle: Fotos: Thomas Niebuhr; Ove Arscholl; Michael Schißler

Zum zweiten Mal standen sie mit ihren Transparenten vor dem Rathaus, um gegen eine Bebauung im Landschaftsschutzgebiet Diedrichshagen zu protestieren. Zum zweiten Mal wurde das Thema von der Tagesordnung der Bürgerschaft genommen. Kurz vor der Sitzung zog Senator Chris Müller (SPD) die Vorlage der Stadt im Auftrag des abwesenden Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) zurück.

„„Die Nervosität ist groß. Sie werden durchgezählt haben und es gab wohl die Angst, dass sie eine Abfuhr bekommen hätten.“Stephan Porst Bürgerinitiative Diedrichshagen
„„Es gibt angesichts der Stimmungslage noch zu viele offene Fragen. Die Vorlage ist noch nicht entschei- dungsreif.“Chris Müller stellvertretender Oberbürgermeister

Jens Gienapp, Geschäftsführer der Ostsee-Golf-Resort-Entwicklungsgesellschaft, plant eine 35 Hektar große Fläche im Landschaftsschutzgebiet zum Wohngebiet zu entwickeln. Dagegen wird seit Wochen protestiert. „Eigentlich hatte ich gewettet, dass sie das Thema nicht runter nehmen“, sagte Stephan Porst, Sprecher der Bürgerinitiative zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Diedrichshäger Land.

„Sie haben wohl durchgezählt und vermutet, dass sie in der Bürgerschaft eine Abfuhr erhalten.“ Es hätte keine Zustimmung gegeben, schätzte auch Sabine Krüger von den Grünen ein. „Das ist ein gutes Zeichen, ein Zeichen von Nervosität“, freute sich Porst.

Tatsächlich wurde vor und im Bürgerschaftssaal von mehreren Telefonaten der Beteiligten berichtet, wonach dann die Entscheidung fiel, die Beschlussvorlage zurückzustellen. In der brodelnden Gerüchteküche wurde gar über private Interessen von Amtsträgern im Wohngebiet spekuliert. „Die Vorlage ist angesichts vieler offener Fragen noch nicht entscheidungsreif“, verkündete Chris Müller gestern auf Nachfrage die offizielle Version des Rückzugs. Entschieden werden sollte, dass eine Änderung des Flächennutzungsplans für das umstrittene Areal geprüft werden sollte, um den Weg für eine Wohnbebauung freizumachen.

Dagegen hat die Bürgerinitiative bereits 34000 Stimmen gesammelt, die gestern Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) übergeben wurden. Ihm liege auch ein Brief des Unternehmens Arosa vor, welches die Wohnbebauung im Landschaftsschutzgebiet Diedrichshäger Land ablehne, berichtet Nitzsche. Investor Jens Gienapp habe ihm seinerseits eine Liste mit 286 Unterstützern überreicht. „Das ist keine richtige Unterschriftenliste“, kritisierte Sybille Bachmann (Rostocker Bund). Es seien nur Namen aufgezählt, von denen viele nicht einmal aus Rostock kämen.

Warnemündes Ortsbeiratschef Alexander Prechtel (CDU) wiederholte gestern noch einmal, dass er einer Bebauung im Landschaftsschutzgebiet nicht zustimme und dass es zum Beispiel am Elmenhorster Weg geeignetere Flächen gebe. Der mögliche Eingriff in den Naturraum trieb auch Wolf Fröhlich zum Protest vor das Rathaus. „Es geht nur um eine kleine Fläche, aber damit ist das ganze Gebiet in Frage gestellt.“ Er fürchtet , es wäre nur der Anfang, wenn das Areal bebaut würde. „Wir müssen die Landschaft schützen“, sagt Fröhlich.

In den kommenden Wochen dürfte vor und hinter Kulissen noch viel über die Bebauungspläne diskutiert werden. Zur nächsten Sitzung der Bürgerschaft wird die Bürgerinitiative zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes Diedrichshäger Land wieder vor dem Rathaus protestieren.

Streit um 35 Hektar im Landschaftsschutzgebiet

35 Hektar groß ist die Fläche zwischen Golfplatz und jetziger Solaranlage am Stolteraer Weg in Diedrichshagen. Jens Gienapp, Geschäftsführer der Ostsee-Golf-Resort-Entwicklungsgesellschaft, will das Areal gemeinsam mit der Wiro zum Wohngebiet entwickeln. Dafür sollte die Bürgerschaft gestern die Prüfung einer Änderung des Flächennutzungsplans und weiterer Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans beschließen. Eine Bürgerinitiative und der Ortsbeirat Warnemünde wehren sich gegen den Eingriff in das bestehende Landschaftsschutzgebiet.

Thomas Niebuhr

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