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Rostock Bauern besorgt: Notstand am Futtertrog
Mecklenburg Rostock Bauern besorgt: Notstand am Futtertrog
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00:00 31.08.2018
Papendorf

Die Warnowwiesen sind bis zur Grasnarbe abgefressen. „Wir mussten unsere Mutterkuhherde nach Pölchow umquartieren“, sagt Steven Hirschberg, Chef der Papendorfer Agrargenossenschaft. Auf den Weiden dort sollte eigentlich noch ein Silageschnitt erfolgen. „Der fällt nun aus“, erklärt der Landwirt, „notgedrungen, sonst hätten die 70 Mutterkühe in den Stall gemusst.“ Und da fehlt es an Futter.

Vor allem im Winter könnte das Futter in den Ställen knapp werden, Heu- und Maisernte waren in diesem Jahr schlecht. Quelle: Foto: Archiv/h. Klonowski

Die extreme Dürre hat bei den Ackerbauern zu großen Ertragseinbußen geführt. Doch auch das Futter – Gras oder Mais – ist nicht gewachsen. Die Grünschnitte sind äußerst mager ausgefallen. Die Maisernten, die vielerorts bereits in Gange sind, verheißen nichts Gutes. „30 Prozent weniger Ertrag“, konstatiert der Papendorfer Landwirt, der seinen Mais bereits vom Feld hat. Gedacht als Futter für die eigene Kuhherde, aber auch für Viehhalter in der Region. Schon die Strohlieferungen an umliegende Betriebe in Stäbelow und Groß Stove konnten nicht in vollem Umfang erfüllt werden. „Alle haben etwas bekommen“, sagt Hirschberg, „geteiltes Leid ist halbes Leid. Aber die Situation ist beklemmend.“

Der Rinderzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern rechnet damit, dass viehhaltende Betriebe ihre Tierbestände abbauen werden, weil im Winter nicht genug Futter da ist. „Vor allem bei Mutterkühen, die jetzt noch auf der Weide stehen, werden die Bestände zurückgehen“, befürchtet Geschäftsführer Heiko Güldenpfennig. Der Verkauf der Jungtiere habe deutlich früher eingesetzt. Die sogenannte Absetzersaison beginne eigentlich erst Ende September. Doch wegen der Futterknappheit würden schon seit Mitte August Jungrinder verkauft. „Der Markt reagiert mit niedrigen Preisen, die Spirale dreht sich“, erklärt Güldenpfennig. Auch ein stärkeres Schlachtviehangebot sei schon zu beobachten.

Im Landkreis Rostock gibt es nach Auskunft des Kreisbauernverbandes etwa 50 viehhaltende Betriebe, die Rinder, Schweine, Schafe oder Pferde versorgen müssen. Nach dem gestrigen Regen haben die Bauern leichte Hoffnung: „Dass das Grünland noch einmal durchstartet und noch ein guter Schnitt heranwächst“, sagt Kreisbauernverbandspräsident Volker Bredenkamp. Die Verluste der vergangenen Wochen würde es dennoch nicht ausgleichen.

„Das Grundfutter ist knapp, das wird sich vor allem im Winter zeigen. Reserven sind aufgebraucht, es fehlt das Geld für Zukäufe“, erklärt Bredenkamp. So kam er vor einiger Zeit auf die Idee einer Börse. Schon vorher wurden über die Geschäftsstelle des Doberaner Kreisverbandes Maschinenkapazitäten ausgetauscht. Per Telefon. „Warum sollte dies nicht auch für Futter und dann im Internet möglich sein?“, fragt Bredenkamp. So hat der Bauernverband zusammen mit dem Rinderzuchtverband im Land eine Futterbörse eingerichtet.

144 Angebote waren bis gestern dort gelistet: Biete Heu, suche Maissilage, biete Stroh, suche Heu. Die meisten Gesuche und Gebote stammen aus Mecklenburg-Vorpommern. Doch auch Landwirte aus Sachsen-Anhalt oder Baden-Württemberg unterbreiten Offerten oder haben Nachfragen. „Diese Plattform wird sehr gut angenommen“, ist Heiko Güldenpfennig froh. Vor einigen Jahren, als die Futtersituation wegen des Hochwasser angespannt war, habe sich so eine Börse schon mal bewährt.

Iman Geluk, Chef der Agrarproduktion Stäbelow mit 1200 Milchkühen und rund 2400 Jungrindern, produziert selbst Futter, hat aber angesichts der Trockenheit rechtzeitig mehr Heu geordert, auch von weiter her, aus Holland. Das Stroh kam von Nachbarbetrieben – „soviel und so schnell wie möglich“, sagt der Landwirt. „Wir ersetzen das Gras durch Stroh“, erklärt Geluk, der auch für Mais einen Futterersatz gefunden hat: Rübenschnitzel mit Zusatz. Er hofft, dass alles reicht. „Wenn nicht, müssen Tiere verkauft werden“, kündigt er an.

Doris Deutsch

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