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Rostock Beim gemeinsamen Kochen die Krankheit vergessen
Mecklenburg Rostock Beim gemeinsamen Kochen die Krankheit vergessen
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22:05 14.02.2019
Prof. Gudrun Eggert vom Fördverein krebskranker Kinder hat zusammen mit Carsten Loll zur Kochschule geladen, um krebskranken Kindern und deren Eltern Freude an gesunder Ernährung zu vermitteln. Mit dabei waren (v. l.) Alva Tell, Julian Dörfler, Lucy Harder, Paul Gültzow, Kireina Sadrach und Finn Tell. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Rostock

„Ich glaube, hier muss nachher mal gekehrt werden“, sagt Julian und der Schalk blitzt dem frechen Jungen aus den Augen. Konzentriert bröselt der Fünfjährige Kekse in kleine Förmchen – und manchmal auch daneben –, stapelt Himbeeren darauf und gießt Vanillesauce drüber. Als Krönung kommt noch ein fluffiger Marshmallow obenauf. Weil noch einige der klebrigen Schaumzuckerwürfel übrig bleiben, steckt sich die achtjährige Lucy schnell einen in den Mund und muss über die heimliche Nascherei selbst kichern.

Dass die Mädchen und Jungen, die sich am Donnerstag auf einem Schiff im Rostocker Stadthafen zum gemeinsamen Kochen getroffen haben, überhaupt so unbeschwert lachen können, ist ein Wunder. Denn jedes der Kinder war in der Vergangenheit schwer krank, kämpfte gegen den Krebs und für das Leben. Unterstützung gab es dabei für die betroffenen Familien vom Rostocker Verein zur Förderung krebskranker Kinder, der gemeinsam mit dem Gastronomen Carsten Loll nun auch die Kochschule organisiert hatte. An der konnten neben den Eltern und einige Geschwisterkinder teilnehmen.

Aus Liebe zu oft zum Fast-Food-Laden

„Die Kinder haben oft durch die Chemotherapie einen veränderten Geschmack. Wir wollen zeigen, was aus einfachen Mitteln Gesundes entstehen kann“, sagt Prof. Gudrun Eggers vom Förderverein. Gleichzeitig sei der Nachmittag dazu da, zu vermitteln, dass gesunde Küche nicht nur Vitamine liefert, sondern auch super schmeckt. „Viele Eltern schwer kranker Kinder neigen dazu, aus Liebe jeden Wunsch zu erfüllen. Und der ist eben oft auch Fast Food“, weiß die engagierte Vereinsvorsitzende. „Aus Hähnchen müssen aber nicht immer nur Nuggets werden“, sagt Koch Carsten Loll schmunzelnd. Er hat vor anderthalb Jahren die „Käptn Piet“ am Kabutzenhof zur schwimmenden Kochschule umgebaut und vermittelt dort Interessenten aller Generationen seine kulinarischen Künste.

Paul liebt Kochen – aber das Aufräumen danach nicht so

Für die Kinder stehen drei Gänge auf dem Plan. Eine Erbsensuppe macht den Anfang. „In Fertigsuppen aus der Tüte steckt so wenig Gemüse, das zum Beispiel die Spargelsuppe diesen Namen gar nicht verdient“, erklärt der Koch und schüttet vor den Augen des Nachwuchses tiefgefrorene Erbsen in einen großen Topf. Nach dem Kochen, Pürieren und natürlich gemeinsamen Essen geht es ans Hauptgericht – Hähnchen mit Gemüse und Linsen.

Carlo 615-Chef Carsten Loll lernt dem Nachwuchs im Auftrag des Vereins zur Förderung krebskranker Kinder, wie einfach und schmackhaft gesunde Kost ist.

„Ich koche auch zuhause mit meiner Mama und meiner Schwester. Das macht mir wirklich Spaß“, erklärt Paul, während er mit einer Pfanne das Fleisch-Stück platt klopft. „Nur das Aufräumen mag er nicht so“, ergänzt Martina Gültzow, die Mama des Jungen, der am Donnerstag seinen elften Geburtstag feiert und dessen Schicksal vor Jahren die ganze Stadt bewegte. Mit nur 14 Monaten erkrankte Paul an Leukämie, erhielt acht Monate Chemotherapie und erlitt dennoch kurz danach einen Rückfall. Was folgte, war die Suche nach einem Knochenmarkspender, an der sich 4600 Menschen beteiligten.

Förderverein ist auch für die Eltern eine Gemeinschaft

Gefunden wurde Pauls Retter aber nicht in Rostock, auch nicht in Deutschland. „Es war ein Schweizer, damals 21 Jahre alt. Aber außer diesen Informationen, seinem Geburtstag und Gewicht wissen wir nichts von diesem Lebensretter, dessen Knochenmark Paul dann in Berlin transplantiert wurde“, erzählt die Sanitzerin. Die Schweiz zähle zu den Ländern, in denen es keine Kontaktvermittlung zwischen Knochenmarks-Spendern und Empfängern gibt.

Mittlerweile gilt der Elfjährige als geheilt, besucht in Rostock die Schule und liebt es, mit Playmobil-Figuren zu spielen. „Die aus meinen Geschenken will ich heute Abend auch noch weiter aufbauen“, erklärt Paul, während er seiner Mama und Schwester Lea (15) Teller mit dem Hauptgang serviert. Für das Trio war der Ausflug in die Kochschule ein tolles gemeinsames Erlebnis. „Ich bin dem Verein sowieso unglaublich dankbar. Wir sind wie eine Familie, hier muss man nichts erklären und fühlt sich wirklich geborgen“, sagt Martina Gültzow, die sich nicht nur deshalb auf den Nachtisch freut, weil der so lecker aussieht, sondern auch, weil die gesellige Runde deshalb noch bis in den frühen Abend andauert.

Claudia Labude-Gericke

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