Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Beste Bedingungen für jedes Kind
Mecklenburg Rostock Beste Bedingungen für jedes Kind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:44 02.02.2018
Thorben Riedel (18), Johanna Schulz (17) und Vanessa Fleischer (17) (v.l.) erarbeiten die Europa-Karte. Ihre Klasse besteht nur aus acht Schülern. Das ermöglicht eine individuelle Förderung durch Lehrerin Doreen Kreuseler (rechts). Quelle: Fotos: Lea-Marie Kenzler
Anzeige
Südstadt

. „Guten Morgen liebe Schüler“ – eine freundliche Stimme hallt aus den Lautsprechern durch das Schulgebäude. An Regentagen dürfen die Schüler ihre Pausenzeiten drinnen verbringen. Daran erinnert sie die freundliche Durchsage. Im Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel herrscht eine liebevolle Atmosphäre. Die Betreuung ist so individuell wie ihre Schüler, die oft einen Förderbedarf in der körperlichen und motorischen Entwicklung aufweisen. Manchmal liegt der zusätzliche Bedarf aber auch auf dem Lernen. Als eines von drei Zentren dieser Ausrichtung in ganz MV wurde Rostock zum wichtigen Standort. Die 134 Schüler kommen aus weit entfernten Orten der Region. Für Teil elf des OZ-Schulnavigators lässt die Schulzentrum in der Südstadt hinter ihre Kulissen blicken.

Schulzentrum Paul-Friedrich Scheel legt Schwerpunkt auf körperliche und motorische Entwicklung

Zahlen & Fakten

In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur drei Schulen für körperbehinderte Kinder.

134 Schüler besuchen das Lernzentrum in der Rostocker Südstadt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Schule wieder eröffnet.

Lehrer: Klassenteams

Ein Klassenteam besteht aus einem Klassenlehrer, einer PmsA (Personal mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung) und nach Möglichkeit einer persönlichen Betreuung für einzelne Schüler mit erhöhtem Förderbedarf. Unter den 25 Pädagogen gibt es Vertrauenslehrer, die sich um Sorgen und Nöte kümmern. Das Schulzentrum kooperiert eng mit der Universität Rostock.

Freizeitangebot: Sportlich aktiv

Viel Bewegung und Sport bietet das Freizeitangebot der Schule. Tischtennis- und Billardplatten stehen zur Verfügung, aber auch Fahrräder, die auf dem Schulhof genutzt werden können. Ebenso gestalten Schwimmen, Leichtathletik, Boccia, Fechten und Rollstuhl-Basketball den schulischen Alltag. Es gibt auch musikalische Angebote wie Klavier und Trommeln und eine Theater-AG.

Förderangebot: Therapeuten

Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten arbeiten regelmäßig mit den Schülern zusammen. Motorische Fähigkeiten können auch in der schuleigenen Keramikwerkstatt gefördert werden. In der Schulküche werden der Umgang mit Lebensmitteln und Aufgaben im Haushalt gezeigt. Heilpädagogisches Reiten wird auf dem anliegenden Reiterhof durchgeführt.

Verpflegung: Schülerfirma

„Breakfast“ heißt die Schülerfirma, die einmal in der Woche ein Mittagsangebot mit Pizza oder Kuchen zusammenstellt. Ihre Mitarbeiter organisieren auch Caterings und sind mit hauswirtschaftlichen Aufgaben vertraut. Dazu gibt es noch die reguläre Verpflegung. „Sodexo“ liefert heiße Speisen, die vor Ort ausgegeben werden. Essen und Trinken sind auch Unterrichtsthemen.

Die Orientierungsstufe der Schule – das sind die Klassen fünf und sechs – ist integrativ und schulartenunabhängig. Ab Klasse sieben befinden sich die Schüler in der Sekundarstufe I. Sie umfasst eine Regionalschule und eine Allgemeine Förderschule. Die Schüler der ersten Sekundarstufe streben den Abschluss der Berufsreife oder der Mittleren Reife an. Einen Abschluss der Allgemeinen Förderschule gibt es ebenfalls. „Diejenigen, die dann noch weiter machen wollen, können nach der zehnten Klasse auf ein Fachgymnasium wechseln“, sagt Schulleiterin Andrea Hentzschel. Der Rahmenplan des Unterrichts richte sich nach den Regionalschulen und Allgemeinen Förderschulen. „Das bedeutet, dass es keine gesonderten oder leichteren Tests und Prüfungen bei uns gibt“, erklärt Lehrerin Doreen Kreuseler. Der Notenspiegel und die Unterrichtsfächer seien absolut identisch.

Der Unterschied liege vor allem in den kleineren Klassen, denen mehr Pädagogen zur Seite stehen. Individuelle Förderpläne schaffen oft die Grundlage des offenen Unterrichts. Marie Krohn und Vivien Puls besuchen die neunte Klasse am Lernzentrum. Sie lernen mit sechs weiteren Schülern, zwei davon sind Autisten. „Ich kann viel besser in einer kleineren Gruppe arbeiten, es ist ruhiger“, sagt Schülerin Marie. Die 17-Jährige muss ihre beruflichen Wünsche an ihr körperliches Leistungsvermögen anpassen. Dabei half ihr das Programm der Berufsfrühorientierung. Ab der siebten Klasse schon greift die enge Zusammenarbeit der Schule mit dem Jobcenter die individuellen Bedürfnisse der Schüler auf. Marie hat deshalb schon eine Ausbildung im Büro in Aussicht. Schülerin Vivien wird zum Berufsbildungswerk nach Greifswald gehen. „Den Schülern eine Perspektive bieten, das ist wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Sie lernen in der Schulküche und in Methodentrainings für ihr ganzes Leben“, so Kreuseler.

Im Programm der Ganztagsschule werde der reguläre Unterricht durch therapeutische Trainings ergänzt. Die großzügigen Räumlichkeiten bieten viele Möglichkeiten – vom Entspannungsraum bis zur Schwimmhalle. Das Freizeitangebot nehme den Schülern die zusätzliche Belastung, selbst am Nachmittag noch einmal losfahren zu müssen. Ob Sport, Musik, Kunst oder Theater – es ist für jeden etwas dabei. Für Klassenfahrten ist die Insel Usedom ein beliebtes Ausflugsziel. Können die Schüler nicht gerade selbst an der Ostsee sein, bringt der „Werkstatt“-Unterricht das maritime Thema in die Klassenzimmer der Schule.

Kontakt: Semmelweisstraße 3, Telefon ☎ 0381/ 440 340, E-Mail:

info@scheel-schule.de

Info: www.scheel-schule.de

Ausstattung: Pavillons

In einem „Pavillon“ sind die Räume von vier Klassen angeordnet. Ein Teilungsraum verbindet sie. Die Flure bieten viel Platz für die Hilfs- und Fortbewegungsmittel der Kinder. In Therapie- und Entspannungsräumen ist Erholung möglich. Neben der Sporthalle gibt es ein großes Schwimmbecken. Von der Schülerküche aus kann man die unterfahrbaren Hochbeete des Schulgartens sehen.

Lea-Marie Kenzler

Mehr zum Thema

Ab Herbst sollen Neubauer-Schüler in Grimmen zusätzliche Räume haben

30.01.2018

Alejandra (16) ist als Gastschülerin aus dem südamerikanischen Lima nach Sassnitz gekommen

01.03.2018

Sassnitzer Grundschüler holen ersten Platz beim Regionalen Plattdeutsch-Wettbewerb

02.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 10: Die Werkstattschule in Rostock - Eine Schule zum Wohlfühlen

Werkstattschule vereint pädagogische Ansätze / Fächerübergreifendes Arbeiten in „Werkstätten“

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 9: Die Waldorfschule - Epochen, Kunst und Handwerk

Ästhetik und künstlerisches Schaffen prägen Lehreinrichtung / Eltern zeigen viel Initiative

07.02.2018
Rostock OZ-Schulnavigator Teil 8: Das Förderzentrum am Wasserturm - Schule so individuell wie ihre Schüler

Im Förderzentrum am Wasserturm geht die emotionale und soziale Entwicklung vor

07.02.2018
Anzeige