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Rostock Bevor sich der Vorhang hebt
Mecklenburg Rostock Bevor sich der Vorhang hebt
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00:19 09.05.2018
Die angehenden Veranstaltungstechniker Thea Wittig und Knut Maaser sitzen am Licht- und Tonmischplatz. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Östliche Altstadt

„Die Stimme kommt aus dem Fuß.“ Immer wieder betont Astrid Barber-Weiner dieses Mantra und zeigt den Schauspielstudenten, was sie meint. Mit dem Fuß wackeln – so als befreie man sich von Schlamm, durch den man gerade gewatet ist – und dabei langgezogene Töne machen. Die zehn Schauspielstudenten, die ihre im Kreis gegenüberstehen, machen enthusiastisch mit. Sie lassen auch bei den anderen Übungen, die die Sprechdozentin ihnen zeigt, den ganzen Körper wackeln.

An der HMT wird heute das Stück „Diese Nacht wird alles anders“ aufgeführt. Ein Blick hinter die Kulissen.

Lippen-Akrobatik und baumelnde Arme gehören zur Routine der Schauspielstudenten. Übungen wie diese sollen sie vor der Aufführung eines Stücks locker machen. In diesem Fall bereiten sie sich auf die Generalprobe des Stücks „Diese Nacht wird alles anders“ vor. Das Stück stammt aus der Feder des Dramatikers Roland Schimmelpfennig. Die HMT-Inszenierung übernimmt der Regisseur Maik Priebe. Der wirkt bei den Vorbereitungen zur Generalprobe im Katharinensaal fokussiert, aber dennoch entspannt. Vielleicht, weil er weiß, dass die Vorbereitungszeit ausreichend lang war. „Die Proben laufen seit dem 18. März, also seit acht Wochen. Das ist schon luxuriös, denn normalerweise hat man am Theater eher sechs Wochen zum Proben“, erzählt Priebe.

Während er den Schauspielstudenten, die im dritten Studienjahr sind, Zeit für ihre Einsprech-Übungen gibt, machen sich die Techniker Knut Maaser und Thea Wittig schon an den Mischpulten bereit. Die beiden sind noch in der Ausbildung, aber schon erfahren beim Händeln der Bühnentechnik. Bevor das Stück gespielt wird, müssen sie sich unter anderem noch einmal vergewissern, dass die Akkus der neuen Lampen alle geladen und alle Fluchtwege im Saal offen sind. Richtig anspruchsvoll wird es dann erst, wenn die Aufführung beginnt, sagt Knut Maaser. „Wir müssen den kompletten Text mitlesen, um zu wissen, wann das Licht wechselt. Wir müssen auf den Punkt ein Knöpfchen drücken“, erklärt der 21-Jährige.

Genau das ist in „Diese Nacht wird alles anders“ gar nicht so einfach. Denn es gibt keine konkret zugeordneten Rollen. „Die Geschichte erzählen wir alle zusammen“, erklärt Felicitas Erben, die im Stück mitwirkt. „Das heißt, alle können jeden Text. Wir sind im Grunde frei in der Textverteilung untereinander.“ Das sei zwar eine Herausforderung, mache aber gleichzeitig auch richtig Spaß, sagt die angehende Schauspielerin.

Katia Fellin, die ebenfalls im Rampenlicht stehen wird, fühlt sich trotz des anspruchsvollen Ansatzes schon vor der Generalprobe bereit, das Stück vor Publikum zu spielen. „Ich möchte mich jetzt eigentlich so wenig wie möglich vorbereiten. Das Konzept steht und ich möchte nichts festsetzen“, sagt sie. „Aber um die Abläufe noch einmal durchzugehen, ist es natürlich gut, die Probe noch zu haben.“ Dazu gehört auch das Überprüfen der Kostüme. Diese bestehen zum Teil aus weißen, durchscheinenden Schutzanzügen.

Für die Ausstattung gesorgt hat Susanne Maier-Staufen. Um die 25 Mal habe sie schon mit Priebe zusammengearbeitet, erzählt die Bühnen- und Kostümbildnerin. Für sie sei es die erste HMT-Inszenierung, bei der sie mitarbeitet. „Mit Studenten zu arbeiten, ist großartig. Sie sind noch nicht so im System Theater drin. Da kann man vieles anders machen“, sagt Maier-Staufen. Ihr Job sei mit der Premiere des Stücks getan. Bis dahin müssen alle Kostüme sitzen, das Bühnenbild stimmig sein, ein Zurück gibt es nicht mehr.

So sieht es auch für die Studenten aus. Direkt vor der Generalprobe gibt ihnen Maik Priebe noch eine Dreiviertelstunde für die letzten Vorbereitungen. Während einige von ihnen die Kostüme probieren, nehmen sich andere abseits ein paar Minuten für sich. Maik Priebes Stimmung ist sichtlich auch bei allen anderen Programm: fokussiert, aber entspannt.

Das Theaterstück

„Diese Nacht wird alles anders“ von Roland Schimmelpfennig spielt in einer Diskothek in Havana. Dort treffen Sehnsüchtige, Aussteiger, Liebende, Verlassene und  Gestrandete aufeinander. Im Zentrum der Partybeats entstehen Momente der Nähe, die die Protagonisten vergessen lassen, dass der Zauber nur für diese eine Nacht gilt.

Nach der gestrigen Premiere im Katharinensaal der HMT gibt es dort auch heute eine Aufführung.

Los geht es um 19.30 Uhr. Zwei weitere Termine gibt es noch am 21. und 22. Juni.

Christina Milbrandt

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