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Rostock Exklusiv-Konzert mit Klasse
Mecklenburg Rostock Exklusiv-Konzert mit Klasse
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10:58 07.12.2017
Die Cellisten Till Schuler, Valentin Radutiu (M.) und Nina Behrends spielen für die Musikklasse 10 des Käthe Kollwitz Gymnasiums. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

„Jetzt lass’ ich für euch die Hosen runter“, kündigt Valentin Radutiu (31) an und lacht. Was folgt ist ein Striptease der besonderen Art. Radutiu will mit Klängen reizen, mit Melodie verführen. Er schließt die Augen, umfasst sanft den Hals seines Cellos und lässt den Bogen über die Saiten gleiten. „Das Lied der Vögel“ erfüllt den Raum. In jedem Ton schwingt die empfindsame Seele des Streichers mit. „Als Solist gibt man etwas sehr Persönliches von sich preis“, sagt Radutiu. Heute offenbart er es einem Zuhörerkreis, den er so bei seinen Konzerten wohl eher selten antrifft: Valentin Radutiu gibt ein Gastspiel in der Musikgymnasium Käthe Kollwitz.

Drei Cellisten auf einen Streich: Profis geben Gastspiel für Schüler des Musikgymnasiums Käthe Kollwitz

„Rhapsody in School“ nennt sich die Künstlerinitiative, die bundesweit Weltklasse-Musiker in die Schulen bringt. Dort sollen die Solisten Kinder und Jugendliche für Klassik – und vielleicht auch für ein Leben als Berufsmusiker – begeistern. Ein Auftrag, den Valentin Radutiu nur zu gern erfüllt. Er habe von namhaften Cellisten wie Heinrich Schiff lernen dürfen. „Ich bin glücklich, wenn ich dieses Erbe weitergeben kann.“ Sein leidenschaftliches Spiel hat der Cellist bereits auf vielen Bühnen von Weltrang präsentiert. Diesmal ist sein Konzertsaal ein kleines Klassenzimmer. Hier will er Zehntklässler mit seiner Streichmusik anrühren. Zu ihnen zählt Anne Peters (16). Die Gymnasiastin spielt seit Kindertagen Cello, griff im Alter von fünf Jahren erstmals zum Instrument. Heute spielt sie im Landesjugendorchester und hatte mal den Wunsch, von der Musik zu leben. Inzwischen aber bezweifelt sie, dass ihr Können dafür ausreicht. „Ich glaube, ich übe zu wenig“, sagt die Schülerin. Zudem sei die Konkurrenz um lukrative Engagements groß, vermutet sie. Solche Bedenken kennt Nina Behrends (20). Die Freiburgerin studiert an Rostocks Hochschule für Musik und Theater (HMT). Für den Berufsweg habe sie sich erst spät entschieden. „Um ein Haar hätte ich Chemie studiert.“ Groß sei die Unsicherheit gewesen, ob sie mit anderen mithalten könne. Inzwischen ist sie im sechsten Semester und überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Zu Recht, meint Valentin Radutiu. Als Vertretungsprofessor bringt er HMT-Studenten wie Nina die richtigen Cello-Griffe bei.

Für die Kollwitz-Gymnasiasten spielen Lehrer und Schülerin gemeinsam – verstärkt von Cellostudent Till Schuler (17). Er beweist, wie modern und rockig ein klassisches Instrument klingen kann. Beim dem „Tribute to Jimi Hendrix“ von Gabriel Koeppen spielt der Musikstudent sein Cello wie eine E-Gitarre und nutzt es auch als Trommel.

Drei Cellisten auf einen Streich – das exklusive Klassenzimmer-Konzert kommt bei den Gymnasiasten gut an. Sie dürfen zwischen Minute, Soli und „Schnulze für drei Celli“ (O-Ton Radutiu) die Musiker mit Fragen löchern. Das ist Teil der „Rhapsody in School“-Philosophie: die Distanz zwischen Künstlern und Zuhörern aufbrechen, Nähe schaffen und so Begeisterung für die Musik wecken.

Mal einschmeichelnd und melancholisch, dann voller Temperament und aufregender Intensität: Valentin Radutiu und seine beiden Cello-Schüler wissen ihre Zuhörer zu fesseln. Auch mit dem, was sie zwischen den Kostproben aus ihrem Repertoire bieten: Den Gymnasiasten gewähren sie Einblicke in das Leben von Profi-Cellisten. Die Jugendlichen erfahren, dass ein gutes Cello durchaus 30 000 Euro kosten darf. Dass selbst Bühnenerfahrene vor großen Auftritten Versagensängste umtreiben können. Und dass sich hartnäckiges Üben auszahlt, „weil man in der Stunde der Wahrheit dankbar ist für jede Minute, die man zuvor an der Kiste gesessen hat“, sagt Radutiu, tätschelt sein Cello und lacht. Er genieße jede Minute, die er mit dem alten Schätzchen verbringen darf. Seine Liebe zur Musik klingt in jedem seiner Wort, in jedem Bogenstrich mit. Bei Anne Peters belebt sie den fast ad acta gelegten Traum von der Musikerkarriere. Also doch ein Leben als Cellistin? „Vielleicht. Der Wunsch ist jetzt jedenfalls wieder da.“

AB

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