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Rostock Neuer Schweiger-Film auf Rekordkurs
Mecklenburg Rostock Neuer Schweiger-Film auf Rekordkurs
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12:25 10.01.2015
Szene aus dem Film „Honig im Kopf“: Tilda (gespielt von Emma Schweiger), Niko (Til Schweiger) und Familienoberhaupt Amandus (Dieter Hallervorden) gehen in einem Feld spazieren. Quelle: Baarfood Films
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Rostock

Der neue Kinofilm von Til Schweiger, „Honig im Kopf“, ist auf Erfolgskurs: Nach dem besten Starttag eines deutschen Filmes im Jahr 2014 mit mehr als 130 000 Zuschauern knackte die emotionale Tragikkomödie laut Warner Bros. Pictures Deutschland bereits nach sechs Tagen die Millionenmarke. Über zwei Millionen Besucher haben „Honig im Kopf“ mittleweile bundesweit gesehen. Damit ist „Honig im Kopf“ auf dem besten Weg, Til Schweigers erfolgreichster Film aller Zeiten zu werden – noch vor „Kokowääh“, „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sorgt der Film für volle Kinosäle. Über 50 000 Zuschauer hatte der Film bereits in den sechs Cinestar-Standorten des Landes – in Greifswald, Neubrandenburg, Rostock, Stralsund, Waren und Wismar. „Der Film setzte sich auf Anhieb an die Spitze der bei uns laufenden Filme“, sagt Thomas Henselin, Theaterleiter vom Rostocker Capitol. Der Film sei erwartet gut am 25. Dezember 2014 angelaufen. „Ein strategisch guter Termin“, sagt Henselin. „Sonst starten die Kassenschlager erst im Februar. Aber so hatten wir ein sehr gutes Geschäft zwischen Weihnachten und Neujahr. Insbesondere an den Wochenenden hat er meine Erwartungen übertroffen und sorgte für ausverkaufte Vorstellungen.“

Den guten Start bestätigt auch Karsten Käning, Theaterleiter des Kinos in Stralsund. „Innerhalb einer Woche hat er sogar den Favoriten 'Der Hobbit' vom ersten Platz verdrängt“, sagt Käning. Mit „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ hätte Schweiger bereits sehr gute Komödien in die Kinos von Mecklenburg-Vorpommern gebracht. „'Honig im Kopf' hat aber durchaus das Potenzial, der erfolgreichste Schweiger-Film zu werden“, so Käning.

Der Stralsunder Theaterleiter nennt die Gründe des Erfolges. „Til Schweiger hat den deutschen Film in den letzten zehn Jahren maßgeblich geprägt“, sagt Käning. „Seine Produktionen sind in MV äußerst beliebt. Er lockt alle Altersgruppen ins Kino, auch jene, die eher selten unser Haus besuchen.“

Thomas Henselin geht sogar noch weiter. „Für die Kinolandschaft in MV sind Schweiger-Produktionen unverzichtbar“, sagt er. „Es gibt nur noch wenige Kassenschlager über ein Jahr. Aber die Filme von Til Schweiger behandeln Themen 'mitten aus dem Leben' und erzeugen so ein hohes Interesse in der Bevölkerung, was sich positiv auf die Besucherzahlen auswirkt.“ Speziell bei den Rostockern rücke das Kino so wieder stärker als Freizeitangebot in den Mittelpunkt – besonders in der kalten Jahreszeit. „Winter ist Kinozeit“, sagt Henselin. „Ab Oktober geht es spürbar los.“

Auch Heike Gratias (49) aus Kühlungsborn nutzte den Januar für einen Kinobesuch. Mit Tochter Anna Gratias (21) sah sie den Schweiger-Film „Honig im Kopf“ im Rostocker Capitol. „Ich gehe selten ins Kino“, sagt Heike Gratias. „Im Winter habe ich mal Zeit.“ Im Sommer müsse sie als Geschäftsführerin dreier Boutiquen viel arbeiten. „Da können wir nicht ins Kino gehen“, sagt Anna Gratias (21), angehende Kauffrau aus Rostock. Sie sieht besonders gern Schweiger-Filme. „Ein Fan bin ich nicht“, sagt sie. „Aber Til Schweiger macht gute Filme. Die kann man mit der ganzen Familie sehen.“

So sieht es auch Elke Grotkop (29), Hotelfachfrau aus Rostock. „Früher waren die Filme von Til Schweiger besser“, sagt sie. Trotzdem findet sie „Honig im Kopf“ sehenswert. „Ich finde gut, dass er mal ein kritisches Thema wie Demenz anspricht. Solche Krankheiten werden sonst totgeschwiegen.“ Ein Aspekt, der sogar Demenzgruppen und Familien mit erkrankten Angehörigen ins Kino lockt. Denn in „Honig in Kopf“ zeigt Til Schweiger, welche Auswirkungen die Alzheimer-Krankheit auf eine Familie haben kann. Um die Krankheit zu verstehen, hatte sich der Schauspieler und Regisseur vor dem Start der Filmproduktion mit führenden Wissenschaftlern getroffen, verinnerlichte das Thema und warf daraufhin einige Szenen aus dem Skript und fügte neue hinzu.

Die Filmemacher verwendeten die Informationen so, dass sie Grundlage, aber nicht Selbstzweck für die Story waren, denn das Ziel war ein informativer Unterhaltungsfilm. „Alles, was in dem Film zu sehen ist, beruht auf tatsächlichen Ereignissen, das haben sich die Autoren nicht ausgedacht“, sagt Tom Zickler, Produzent des Filmes „Honig im Kopf“ von der Berliner Firma Barefood Films. „Das gilt auch für die Szene, in der Amandus (Dieter Hallervorden) in den Kühlschrank pinkelt.“ Die Szene sei deshalb wichtig, weil die Zuschauer so über dieses traurige Thema auch mal herzhaft lachen könnten. „Til Schweigers Talent als Regisseur besteht eben darin, ernste Szenen so in die Story einzubauen, dass sie nicht peinlich wirken.“

Lob gab es daher auch von unerwarteter Seite. „Der Film hat alles, was man sich von einem Kinofilm wünscht: schöne Bilder, Humor, Spannung und traurige Szenen, die einen zum Weinen bringen“, sagt Sabine Jansen, Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz. „Ohne die Alzheimer-Krankheit und ihren Verlauf zu beschönigen, macht der Film Mut, Menschen mit Demenz in unserer Mitte zu lassen.“

Jakob Steinbrück (22), Medizinstudent aus Rostock, fand die Darstellung von Demenz in dem Film jedoch zu übertrieben. „Im Verlauf des Filmes wurde es besser“, sagt Steinbrück, der „Honig im Kopf“ mit seinem Uni-Kurs „Psychatrie im Film“ gesehen hatte. „In jedem Fall ist es gut, dass man sich auf diese Art mit Demenz beschäftigt und so einen gesellschaftlichen Diskurs darüber möglich macht.“

Nicht nur thematisch, auch ästhetisch hat Til Schweiger mit „Honig im Kopf“ etwas Neues gewagt. „Um die Szenen atmosphärisch aufzubauen, haben wir in Hamburg und Venedig (Italien) Drohnen mit ferngesteuerten Kameras eingesetzt“, sagt Tom Zickler. „Der Look sollte ein anderer sein. Deshalb haben wir diesmal bewusst mit einem anderen Kameramann gearbeitet, mit Martin Schlecht, der sich bereits bei unserem Film 'Grossstadtklein' bewährt hat.“ Die Drohnen ermöglichten Flugaufnahmen zum Beispiel dicht über dem Canal grande in Venedig, wo das Filmteam nie einen Hubschrauber hätte einsetzen können.

 

Kurzinhalt von „Honig im Kopf“:

„Honig im Kopf“ erzählt die Geschichte der ganz besonderen Liebe zwischen der elfjährigen Tilda (Emma Schweiger) und ihrem Großvater Amandus (Dieter Hallervorden). Das humorvolle Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben im Hause seines Sohnes Niko (Til Schweiger) nicht mehr alleine klar. Obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amandus der Weg in ein Heim unausweichlich ist. Doch Tilda will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine erlebnisreiche und unvergessliche Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen.

 


Video: Umfrage zu Honig im Kopf: Wie finden Sie Til Schweiger?



Kay Steinke

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