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Rostock Blick nach vorn: Wie kann Wissenschaft vermittelt werden?
Mecklenburg Rostock Blick nach vorn: Wie kann Wissenschaft vermittelt werden?
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00:19 12.06.2018
Konzentriert folgten die Teilnehmenden den Vorträgen des Symposiums. Insgesamt wurden fünf Themenbereiche diskutiert. FOTOS (2): PAULINE RABE
Stadtmitte

Erfundene Nachrichten sind schneller in die Welt gesetzt, als sie widerlegt werden können. Dass sogenannte „Fake News“ der Glaubwürdigkeit von Wissenschaft schaden, ist Corinna Lüthje sich sicher: „Die Auswirkungen zeigen sich beispielsweise in der Impfdebatte, wo der bisherige Forschungsstand in Diskussionen oft vernachlässigt wird“, sagt die Mitarbeiterin am Institut für Medienforschung (IMF) an der Universität Rostock. Wie mit diesem Wandel umgegangen werden kann, wurde beim ersten Symposium zu aktuellen Herausforderungen an mediatisierte Wissenschaftskommunikation ausführlich diskutiert.

Symposium diskutiert Herausforderungen an Wissenschaftskommunikation

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Dietram A. Scheufele, der derzeit an der University of Wisconsin in Madison tätig ist. „In den USA ist Gentechnik das prägnanteste Beispiel für die Problematik“, erklärt der deutsch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler. Trotz unzähliger Studien, die negative Wirkungen genetisch veränderter Lebensmittel ausschließen, fällt es der Bevölkerung schwer, sich mit genau diesen anzufreunden. „Das ist ein interessantes Phänomen, welches sich langsam auch in Deutschland zeigt.“ Weiter bestimme noch heute der weiße, Brille tragende Forscher das Wissenschaftsbild von Scheufeles Studierenden. Eine Änderung dessen gelinge nur mit der Fragestellung, wie Wissenschaft der Öffentlichkeit näher gebracht werden könne. Eine Idee: der Einsatz von Unterhaltungsmedien. „Damit würden wir insbesondere junge Menschen erreichen und bei diesen müssen wir ansetzen“, betont Scheufele.

„Weiter ist Kontinuität in diesem Zusammenhang sehr bedeutend“, ergänzt Udo Kragl, Prorektor für Forschung und Wissenstransfer an der Rostocker Uni. Mal einen wissenschaftlichen Artikel in die Zeitung zu setzen oder einen Tag der offenen Tür auszurichten, reiche alleine nicht aus. „Der Austausch zwischen Wissenschaft und Bevölkerung muss stetig gefördert werden.“ Wie Transparenz und Teilhabe bei der Bevölkerung geschaffen werden können, stellten weitere Themen des Symposiums dar.

Insgesamt nahmen 35 Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende an der Veranstaltung teil. „Die meisten Teilnehmenden stammen aus der Kommunikationswissenschaft“, erzählt Mitorganisatorin Franziska Thiele vom IMF. Um möglichst viele unterschiedliche Impulse zu erhalten, kamen aber auch Vertreter aus der Medizin, Chemie und Informationstechnik.

„Besonders freuten uns die internationalen Einreichungen. Diese unterstreichen die weltweite Relevanz der Thematik“, sagt Corinna Lüthje. Auf die Ausschreibung des Symposiums meldeten sich knapp 60 Personen. Damit lebendige Diskussionen entstehen können, entschieden sich die Organisatorinnen aber gegen eine Tagungsform mit so großer Anzahl. Um Sprachbarrieren zu nehmen, wurden alle Vorträge auf englisch gehalten. „Die einjährigen Planungen haben sich gelohnt.“ Die Teilnehmenden zeigten sich begeistert.

Neben den Vorträgen blieb ihnen außerdem etwas Zeit, die Stadt zu erkunden. „Ich bin das erste Mal in Rostock und mein Eindruck ist sehr positiv“, erzählte Scheufele nach einem kurzen Spaziergang am Stadthafen. Der Kommunikationswissenschaftler hoffe, auch in Zukunft weiter in Austausch mit den Rostocker Forschern zu bleiben und seinen Besuch wiederholen zu können. „Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich würde mir wünschen, dass das Symposium Auftakt für eine Veranstaltungsreihe ist“, sagt Lüthje. In Zukunft könne dann die Vermittlung zwischen den verschiedenen Fachrichtungen noch stärker im Vordergrund stehen.

Interdisziplinärer Austausch im Uni-Hauptgebäude

Das Symposium „Current Challenges to Mediatized Science Communication“ ist das erste seiner Art und wurde von Dr. Corinna Lüthje und Franziska Thiele an der Universität Rostock organisiert.

35 Teilnehmende trafen aufeinander, um aktuellen Herausforderungen an die mediatisierte Wissenschaftskommunikation zu diskutieren. Ein Thema war, wie Wissenschaft mittels Medien der Öffentlichkeit nahe gebracht werden kann.

Pauline Rabe

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