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Rostock Buchautor liest Stadtmission die Leviten
Mecklenburg Rostock Buchautor liest Stadtmission die Leviten
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00:05 13.06.2017
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Horst Lauenstein liebt Bücher. Er hat selbst eine Satire verfasst und teilt die Leidenschaft für das geschriebene Wort gern mit anderen. Als Vorleser gastiert der Rostocker unter anderem bei Kulturvereinen. Nun hat er allerdings ein paar Zeilen bekommen, bei deren Lektüre dem 79-Jährigen Scherz und Spott vergangen sind: Die Rostocker Stadtmission macht ihren „treffpunkt.LESEN“ dicht.

Betreiber schließt „treffpunkt.LESEN“ in der KTV / Ehrenamtler verärgert

Der Info-Laden hatte vor sechs Jahren im Friedhofsweg 31 erstmals seine Türen für Besucher geöffnet. Seither haben Bücherfans aller Generationen hier in Folianten schmökern oder Vorlesern lauschen können. Der Treff, der nach den Anfängen in die Bergstraße 10 umzog, war Bücherei, Café und Bühne in einem. Jeden Dienstag kamen Schriftsteller, Plattschnacker, oder Theaterleute aus der Region, um aus eigenen Werken oder denen berühmter Autoren vorzutragen. Zum Spaß, ein Honorar gabs dafür nicht. Auch Horst Lauenstein hatte hier gern Selbstverfasstes rezitiert oder als Zuhörer im Publikum Platz genommen. Das war einmal. Seit 30. Mai ist der Treff Geschichte.

Warum, kann Horst Lauenstein nicht nachvollziehen. Er ist verärgert und mutmaßt, die Stadtmission habe sich „eines jahrelang unliebsamen Geschäftsfeldes entledigen“ wollen. Schließlich habe die Kulturstätte keinen Profit erwirtschaftet.

Das will Vera Blum-Pürckhauer, die die Stadtmission unter dem Dach der Diakonie leitet, so nicht stehen lassen. Der „treffpunkt.LESEN“ sei „keinesfalls ein ungeliebtes Kind. Im Gegenteil. Er lag uns sehr am Herzen. Sonst hätten wir uns viel früher davon getrennt.“ Der Info-Laden samt Minibibliothek sei der Versuch gewesen, in der KTV eine Kulturstätte für sozialschwachen Familien aufzubauen.

Dafür flossen Fördermittel, mit denen auch eine Mitarbeiterin bezahlt werden konnte. Nach drei Jahren aber gab es dafür kein Geld mehr. „Wir haben aus eigener Kraft weitergemacht“, schildert Vera Blum-Pürckhauer. Personal, Werbeplakate, Plätzchen und Kaffee für Gäste der Lesungen – das zahlte die Diakonie. Doch das alles sei nicht belohnt worden. „Unsere Ursprungsidee hat sich nicht umsetzen lassen. Wir haben unsere Zielgruppe leider nicht erreicht.“ Der Info-Laden habe kaum Leute angelockt. Lediglich die Lesungen seinen gut besucht gewesen. Zumindest teilweise. Mal seien 40 Zuhörer gekommen, manchmal kein einziger, sagt Blum-Pürckhauer.

Andere könnten dagegen die Räumlichkeiten derweil gut gebrauchen: die hauptamtlichen Diakoniemitarbeiter. Weil deren Zahl deutlich gestiegen sei, werden Gemeinschaftsräume benötigt, in denen sie zum Beispiel Beratungen abhalten können.

Dass Mitglieder des Vorlesekreises enttäuscht sind, könne sie verstehen, sagt Vera Blum-Pürckhauer. „Auch für uns ist es schmerzlich. Aber wir hatten keine andere Möglichkeit, als diese Entscheidung zu treffen.“ Es sei schade, wenn „wir dafür nun beschimpft werden“. Sie bietet den Ehrenamtlern an, in Diakonieeinrichtungen wie Pflegeheimen vorzulesen. „Das machen wir ohnehin schon“, hält Horst Lauenstein dagegen. Ihm und anderen Vorlesern sei eine feste und kostenfreie Anlaufstelle für Kulturinteressierte wichtig gewesen.

„Wir koordinieren die Arbeit von 350 Ehrenamtlichen. Da ist es nicht einfach, immer allen Wünschen gerecht zu werden“, sagt Rolf Gauck, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtmission.

Er verweist auf Alternativadressen für die Vorleser. Der Marientreff zum Beispiel. In dem ehemaligen Küsterhäuschen finden regelmäßig Lesungen statt. Horst Lauenstein und seine Mitstreiter wünschen sich jedoch ein Plätzchen in der KTV, nahe des bisherigen Treffs. Deshalb suchen sie nun eine Institution oder Firma, die ihnen dort gratis einen Raum für wöchentliche Lesungen zur Verfügung stellt.

Offerten an: Lauenstein.HRO@arcor.de, ☎ 0381/ 85769068

Antje Bernstein

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