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Rostock Bücherbüxe: Tauschen statt Kaufen
Mecklenburg Rostock Bücherbüxe: Tauschen statt Kaufen
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18:24 30.10.2018
Die Warnemünderin Inga Dienst kommt etwa einmal die Woche zur Bücherbüxe in den Kurpark, um sich neuen Lesestoff zu besorgen und um alte Bücher zu teilen. Quelle: Johanna Hegermann
Rostock

Einmal die Woche geht Inga Dienst zur Bücherbüxe in den Kurpark Warnemünde. Hier besorgt sie sich neuen Lesestoff und bringt ausgelesene Bücher vorbei. „Bücher schmeißt man nicht weg. Sie sind unsere Freunde“, sagt die Tagesmutter. Von der Bücherbüxe ist sie ein großer Fan. Hier könne man in Ruhe schmökern, sich bei gutem Wetter auf eine Parkbank setzen und mit dem Lesen beginnen. „Man muss Bücher ja nicht immer gleich kaufen.“

Seit mehr als vier Jahren steht die Bücherbüxe in Warnemünde. Etwa 200 Leser würden regelmäßig die kostenfreie Tauschbörse mit neuen Büchern und alten Schätzen bestücken. Wie viele Bücher hier schon getauscht wurden, könne man nur schätzen. Die Organisatoren gehen von Zehntausenden aus. „Ich hätte nie gedacht, dass es mal so eine Resonanz findet“, sagt Christine Prechtel.

Alles begann mit einem Gespräch zwischen ihr und Sabine Engel. Sie sprachen von einem Ort für den Austausch von allerlei Alltagsgegenständen. „Ich hatte so etwas in Düsseldorf gesehen“, sagt Christine Prechtel. Sabine Engel fand die Idee super. „Aber sie sagte, lass uns das mit Büchern machen.“ Beide waren begeistert und fanden schnell Mitstreiter. „Wer nicht selbst brennt, kann andere nicht anstecken“, zitiert Christine Prechtel. Fast 15 Menschen engagieren sich hier mittlerweile. „Sabine Engel ist unser eigentliches Zugpferd. Sie ist der Motor der Bücherbüxe.“

Unterstützung habe es von vielen Seiten gegeben. Es wurde eine Litfaßsäule gefunden, von einer Metallfirma in die heutige Form gebracht, von einem Sponsor beklebt und von einer weiteren Firma standsicher aufgestellt. Etwa 2500 bis 3000 Euro hätte die Bücherbüxe ohne die Hilfe der Sponsoren gekostet.

Doch die Bücherbüxe müsse gut gepflegt werden. Jede Woche übernimmt ein anderer den Bücherdienst. „Wir sortieren kaputte Bücher oder Bücher mit unpassenden Inhalt aus“, sagt die engagierte Warnemünderin Annemarie Schröder. Wenn die Fächer zu voll sind, nimmt sie Bücher mit, um sie auszulagern. Und wenn Platz ist, stellt sie wieder welche hinein, erklärt die 71-Jährige. „Jedes Mal, wenn ich hier vorbeigehe, kommen die Leute. Es ist ein lebendiger Kreis“, erzählt Christine Prechtel. Die Leser kommen nicht nur aus Warnemünde, es sind auch Rostocker aus dem Nordwesten oder Urlauber.

Schluss ist für die aktiven Warnemünder mit diesem Projekt nicht. Sie haben auch einen Bouleplatz am Bahnhof errichtet und sich für den Spielplatz im Arankawiesenpark eingesetzt. „Unser Stadtteil wäre viel ärmer, wenn es hier nicht so viele engagierte Grüppchen geben würde. Das macht Warnemünde auch aus“, betont Annemarie Schröder. Einen Verein oder eine offizielle Interessengemeinschaft haben die Bücherfreunde nie gegründet. „Wir sind nur eine zusammengewürfelte bunte Gruppe. Ich finde toll, was wir geschafft haben.“ Auch Christine Prechtel ist zufrieden. „Statt zu meckern, muss man einfach machen. Das geht auch, ohne einen Verein zu gründen.“ Sie empfiehlt auch anderen, den Mut und das Selbstbewusstsein aufzubringen, seine Projekte in der Stadt umzusetzen. „Wenn man etwas will, darf man sich nicht abschrecken lassen. Sonst bleibt es nur eine schöne Idee.“

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Johanna Hegermann

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