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Rostock „Büchner“ doch nicht auf Schrottkurs?
Mecklenburg Rostock „Büchner“ doch nicht auf Schrottkurs?
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03:38 15.05.2013
Seit Monaten demonstrieren Schiffsfreunde für den Erhalt der „Georg Büchner“. Jetzt ist das Ende besiegelt. Quelle: Marko Luptscho

In den nächsten Tagen verlässt die „Georg Büchner“ den Stadthafen. Der Denkmalschutzstatus wurde aufgehoben. Nebulös: Ob as Schiff aber wirklich Richtung Schrott fährt, wissen offenbar nicht einmal die Behörden.

„Nach Abwägung aller vorliegenden Fakten musste die Stadtverwaltung als Untere Denkmalschutzbehörde jetzt die denkmalschutzrechtliche Genehmigung zur Verbringung des MS Georg Büchner erteilen“, hieß

es gestern Mittag in einer korrigierten Mitteilung der Stadt. Nur eine Stunde zuvor war im gleichen Satz noch „von Verbringung und Verschrottung“ die Rede. Im Antrag zur Streichung von der Denkmalliste sei es nur um die Verbringung des Schiffes gegangen, und nur darüber habe das Denkmalamt zu befinden, erläuterte Pressesprecher Ulrich Kunze die eilige Korrektur.

„Wir verschrotten kein Schiff“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. „Wir haben ein Schiff verkauft.“ Was der Käufer damit vorhabe, dazu habe er sich nicht geäußert. In Verhandlungen habe er lediglich erklärt, dass er das Schiff nicht als Denkmal erhalte. „Er hat nie gesagt, dass er das Schiff verschrotten will“, so Ruhnke.

Das bestätigt auch Insolvenzverwalter Tobias Schulze. Er habe bei den Anwälten des Käufers, der Argent Ventures Limited auf den Seychellen, explizit angefragt, ob eine Verschrottung vorgesehen sei.

In der schriftlichen Antwort sei dies verneint worden, in den Unterlagen gebe es keine Anhaltspunkte dafür, hätten die Anwälte mitgeteilt. „Dann hätte ich den Vertrag anders gestalten müssen“, erläutert Schulze. Im Falle einer Verschrottung hätte ein Notifizierungsverfahren beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) beantragt werden müssen — eine Genehmigung zum grenzüberschreitenden Transport von Abfällen.

„Ein solcher Antrag wurde bisher nicht gestellt“, teilt die zuständige Mitarbeiterin im Lung in Güstrow mit. Sie kennt das Verfahren um die Büchner, auch den Kaufvertrag, der keinen Verwendungszweck für das Schiff erkennen lässt. Dennoch habe sie alle Beteiligten informiert, dass bei Verschrottungsabsichten eine Notifizierung nötig sei.

Weil auf alten Schiffen Asbest verbaut, Mineralöle und andere gefährliche Stoffe an Bord seien, müsse der Transport der Abfälle genehmigt und die Schrottwerft überprüft werden, ob alle Voraussetzungen zur Entsorgung gegeben seien. Sowohl das Lung als auch die litauische Umweltschutzbehörde EPA müssten unabhängig voneinander prüfen. Das Verfahren würde mehrere Wochen dauern. Sollte das Schiff ohne Schein in den Schrott steuern, „ist das illegal und eine Straftat“.

Jochen Pfeiffer, Vorsitzender der Societät Rostock maritim, ist überrascht. „Ich bin klar von einer Verschrottung ausgegangen.“ Vorgestern bekam er die Genehmigung, Teile mit musealem Wert, wie den Kompass, auf der „Büchner“ auszubauen und für die Stadt zu bewahren. Zwei Wochen habe er Zeit. „Mit mir hat keiner gesprochen“, zeigt sich nun der Insolvenzverwalter überrascht. „Ich vertrete den Eigentümer und müsste es wissen.“

Nur reden reicht nicht
Die Hansestadt Rostock mit dem Tor zur Welt über die Ostsee ist in seinem Herzen im Stadthafen künftig um eine historische Attraktion ärmer. Viele Interessenten am Schiff „Georg Büchner“ konnten die Finanzierung nicht stellen. Belgische und deutsche Regierungen haben keine Belastungen bezüglich Liegegebühren, Betriebskosten, Verholungskosten usw. stemmen wollen.

Nur Willenserklärungen reichen nicht aus. Touristen, Urlauber, Kurgäste und Einheimische haben es schwer, maritime Geschichte zu erleben. Der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ ist für Besucher nicht zugänglich, weil die Eigentümerfrage noch nicht geklärt ist. Das Traditionsschiff mit seinen Exponaten befindet sich weitab der touristischen Standorte Warnemünde und Innenstadt. Vielen Besuchern ist das Schiff im Iga-Park nicht bekannt, umständliches An- und Abreisen schreckt ab. Zudem ist das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum nur wenig mit moderner Technik ausgestattet. Ein anziehendes landseitiges Museumsgebäude für das Rostocker maritime Museum fehlt bis heute.

Doris Kesselring

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