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Bürger liefern sich hitzige Debatte um Verkehrslärm

BARGESHAGEN Bürger liefern sich hitzige Debatte um Verkehrslärm

Interessengemeinschaft setzt sich für Umgehungsstraße und Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan ein. Bürgermeister warnt vor immensen Kosten.

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Vor allem für die direkten Anlieger eine Belastung: Tausende Fahrzeuge quälen sich täglich über die B 105 in Bargeshagen.

Quelle: Lennart Plottke

Bargeshagen. Das Thema brennt ihr auf den Nägeln: „Die aktuelle Verkehrssituation in Bargeshagen ist nicht mehr tragbar“, sagt Anke Symanzik (31). Mit weiteren Mitstreitern gründete sie im Juli die „Interessengemeinschaft Verkehrsproblem Bargeshagen“ und versucht jetzt, weitere Einwohner der Gemeinde zu gewinnen.

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Vor allem für die direkten Anlieger eine Belastung: Tausende Fahrzeuge quälen sich täglich über die B 105 in Bargeshagen.

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Knapp 100 Bargeshäger sind zur Informationsveranstaltung ins Feuerwehrgebäude gekommen, der Raum ist rappelvoll. „Unser erstes Ziel: dass eine Umgehungsstraße Bargeshagen-Sievershagen in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird“, sagt Symanzik. „Hier gibt es bis Ende August eine Bürgerbeteiligung — wir sammeln Unterschriften, die wir dann ans Landesamt für Straßenbau weiterleiten werden.“

Sie nennt den Zuhörern drastische Zahlen: „Das Straßenbauamt Güstrow hat für den Teilabschnitt der B 105 Bargeshagen-Sievershagen eine Umgehungsstraße vorgeschlagen. Grund dafür ist, dass die Straße täglich von 23 000 Fahrzeugen und hier etwa 900 Lastkraftwagen befahren wird — damit stößt sie an ihre Leistungsgrenze.“ Vormittags herrsche in der Regel von 9 bis 12 Uhr Stau, abends gehe es von 16 bis 19, teils bis 20 Uhr in Richtung Bad Doberan so, so Symanzik. Durch den Straßenverkehr seien die Anwohner zudem einer starken Lärm- und Umweltbelastung ausgesetzt: „Schlafen bei gekipptem Fenster ist nicht möglich. Die Lärmbelastung wirkt negativ auf die Gesundheit, auch wenn manche sagen, sie hätten sich dran gewöhnt.“

Vorschläge aus der Gemeinde, wie dem Verkehrslärm begegnet werden könnte, habe es trotz mehrerer Anfragen nicht gegeben, sagt Symanzik: „Aktuell liegt die Sache wieder beim Amt — es passiert nichts.“

Offene Ohren bei vielen Besuchern. Es gibt aber auch kritische Stimmen. Die Bandbreite reicht von „So schlimm ist es doch gar nicht“ und „Ab September gibt es keine Staus mehr“ bis hin zu „Wer direkt an die B 105 zieht, ist doch selbst schuld“. „Mich ärgert es, dass hier mit falschen Fakten argumentiert wird“, sagt Eduardo Catalan, Bargeshäger Gemeindevertreter. „Nach unseren Verkehrsmessungen bewegen sich im Schnitt täglich 17 900 Fahrzeuge über die B 105, nicht 23 000.“

Er sei gegen eine Umgehung: „Eine nördliche Trasse ist heute nicht mehr möglich, da die Wohnbau-Entwicklung in die Richtung geführt worden ist. Die südliche Trasse wäre ein Schildbürgerstreich, da man die Straße in ein Überschwemmungsgebiet bauen würde, das erst durch die Renaturierung der Rotbäk hergestellt wurde.“

Realistische Maßnahmen gegen den Verkehrslärm könne man jederzeit anpacken, stellt Catalan klar. Und Vorschläge haben die Bargeshäger so einige: von Flüsterasphalt und Blitzern über Verkehrsinseln am Ortseingang bis hin zu einer Rechtsabbiegespur an der Ampel Richtung Admannshagen.

Dass es unter den Einwohnern noch jede Menge Gesprächsbedarf gibt, zeigt eine kurzerhand durchgeführte „Probeabstimmung“: Mit Blick auf eine mögliche Umgehungsstraße halten sich Pro und Contra die Waage. Tenor der Skeptiker: Wie können wir für eine Umgehung stimmen, wenn noch gar nicht bekannt ist, wo diese letztlich langführen wird?

Bürgermeister Hans-Peter Stuhr warnt vor den Kosten für die Gemeinde. „Sollte es eine Ortsumgehung geben, würde uns die B 105 als Gemeindestraße überlassen werden — dann sind wir aber auch für den Erhalt der 1,8 Kilometer langen Strecke verantwortlich.“ Die letzte Sanierung habe etwa zwei Millionen Euro gekostet. „Diese Maßnahmen sind alle zwölf, 13 Jahre notwendig — wenn wir das allein bezahlen müssten, wäre die Gemeinde schnell pleite.“

• Internet:

www.ig-bargeshagen.de

Mitsprechen beim Bundesverkehrswegeplan
40 Verkehrsprojekte stehen derzeit beim Landesstraßenbauamt zur Diskussion für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung besteht bis Ende August die Möglichkeit für Vorschläge und Meinungen. Nach Abschluss der Meinungssammlung entscheidet das Landesamt, welche Strecken für den BVWP vorgeschlagen werden. Das Bundesverkehrsministerium überprüft dann, welche Projekte aufgenommen werden.

 

 

Lennart Plottke

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