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Rostock Bürger sauer über Windrad-Genehmigung
Mecklenburg Rostock Bürger sauer über Windrad-Genehmigung
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00:00 19.01.2018

Die Enttäuschung ist groß in den Gemeinden Kritzmow und Lambrechtshagen. In der vergangenen Woche flatterte den Bürgermeistern die Baugenehmigung für zwei geplante Windkraftanlagen südlich des Vorwedener Waldes auf den Tisch. Das Projekt könne „mit sofortiger Vollziehung“ umgesetzt werden. Die Windkraftgegner werden dagegen Widerspruch einlegen.

Zwei 200 Meter hohe Windturbinen sollen auf einem Feld zwischen Lambrechtshagen und Groß Schwaß gebaut werden. Doch die Gemeinden sind strikt dagegen. (Symbolfoto) Quelle: Foto: Norbert Fellechner

Auf einem Feld zwischen Lambrechtshagen und Groß Schwaß sollen außerhalb von Windeignungsgebieten, die die Landesraumordnung ausgewiesen hat, zwei etwa 200 Meter hohe Windturbinen errichtet werden.

Zu Forschungszwecken, wie die Investoren der Firma M&M Erneuerbare Energien mit Sitz in Rostock, beteuern. Denn nur mit diesem Innovationsansatz erhalten sie eine Sondergenehmigung für die Pilotanlage, in die sie 13 Millionen Euro investieren wollen.

Die angrenzenden Gemeinden haben schon 2015 ihr klares Nein dazu per Beschluss kundgetan. Seitdem kämpfen sie zusammen mit einer Bürgerinititative gegen das Projekt. „Der innovative Ansatz stimmt nicht“, argumentiert Kritzmows Bürgermeister, Leif Kaiser, von Anfang an. Forschung sei hier nur das Etikett, stimmt die Bürgerinitiative ein.

Briefe, Petitionen, Demonstrationen, Versammlungen, Gespräche, Besuche in Schwerin – die Windkraftgegner ließen nichts unversucht. „Alle unsere Argumente wurden vom Tisch gefegt“, ärgert sich Kaiser.

„Wir haben das Verfahren ordentlich hinausgezögert“, gewinnt Mario Schacht, Sprecher der Bürgerinitiative, dem ganzen Procedere wenigstens etwas Gutes ab. In dem 53 Seiten starken Genehmigungspapier seien zudem erhebliche Auflagen für den Bau aufgelistet. „Die sollen versuchen, zu heilen“, sagt Schacht, wie beispielsweise die geforderten Umlenkflächen und das Kontrollmonitoring für den geschützten Rotmilan. „Doch dies ist nicht ausreichend“, betont Schacht.

Auch die Bürgerinitiative äußert sich enttäuscht. „Weil wir den Eindruck haben, dass all unsere Bedenken, Fakten und Daten, die wir vorgetragen haben, nicht berücksichtigt wurden“, erklärt Schacht.

Den Investoren indes sei in den letzten vier Jahren immer wieder die Möglichkeit eingeräumt worden, die Unterlagen nachzubessern und zu vervollständigen. „Aber wir stecken nicht auf“, betont der Sprecher und kündigt Widerspruch gegen die Baugenehmigung an.

Die Zweifel am Innovationsansatz der Windräder werden sie nicht mehr ins Feld führen. Das haben sie in verschiedenen Schreiben ausreichend getan. Letztlich hätten die Behörden jedoch angeblich den Beleg der Wissenschaftlichkeit in den Unterlagen gefunden. „Wir bekamen in die Papiere keine Einsicht, weil Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse gelüftet werden könnten“, sagt Schacht kopfschüttelnd.

Sowohl Gemeinden als auch die Bürgerinitiative wollen zusammen mit dem Naturschutzbund weiter gegen den Standort votieren. „Die Genehmigung ist falsch, die Naturschutzbelange an dieser Stelle wurden nicht gewürdigt“, erklärt Schacht. „Wir werden dies noch mal fachlich prüfen lassen“, kündigt auch Kritzmows Bürgermeister an. In den nächsten vier Wochen müssen die Widersprüche verfasst werden.

„Ich bin guter Dinge, dass wir vor Gericht einen Sieg erringen werden“, bleibt Mario Schacht optimistisch.

Auch in den Gemeinden Bröbberow und Benitz gibt es massive Proteste gegen den geplanten Bau von zwei Windenergieanlagen direkt am Naturschutzgebiet „Brooksee“. Auch außerhalb ausgewiesener Windeignungsgebiete und zu Forschungszwecken. Hier plant die Deutsche Großwälzlager GmbH 200 Meter hohe Anlagen, um in den nächsten 20 Jahren Wälz- und Kugellager zu testen. Auch der Naturschutzbund (Nabu) lehnt diese Windenergieanlagen strikt ab.

Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, heißt es aus dem Energieministerium. Ganz anders die Antwort aus dem Umweltministerium: „Das Vorhaben Windkraftanlagen Bröbberow ist nach dem gegenwärtigen Stand aus Naturschutzgründen nicht genehmigungsfähig.“

Doris Deutsch

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