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Bürgermeister contra Kritiker: „Demo bringt Kinder in Gefahr“

Bargeshagen Bürgermeister contra Kritiker: „Demo bringt Kinder in Gefahr“

Kritik an Straßensperrung der B 105 / Initiative will Aktion weiter fortführen

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Die Kinder dürfen nicht unterschätzt werden.Anke Symanzik Initiative „Verkehrsproblem“

Bargeshagen. Eine Bundesstraße ist keine Spielstraße. Da sind sich alle einig. Doch einmal im Jahr wird die B 105 am „Tag des Lärms“ für eine Demonstration gesperrt. Auf der sonst stark befahrenen Straße würden dann sogar Kinder spielen. Mitglieder der Gemeinde Bargeshagen verurteilen das zutiefst.

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Kritik an Straßensperrung der B 105 / Initiative will Aktion weiter fortführen

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Im Sekundentakt rauschen Autos an den Häusern in Bargeshagen vorbei. Anwohner klagen über Lärm, Schmutz und die anhaltende Gefahr für ihre Kinder. Vor gut drei Jahren hat die Gemeindevertretung entschieden, dass es keine Umgehungsstraße für Bargeshagen geben soll. Die Straße wurde nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Bis 2030 gibt es für die Anwohner keine Chance auf Entlastung.

Das wollen einige Einwohner nicht einfach so hinnehmen. Sie gründeten die Initiative „Interessengemeinschaft Verkehrsproblem Bargeshagen“.

„Wir haben 2013 angefangen, weil die damalige Gemeindevertretung nicht bereit war, sich mit dem Thema zu befassen“, sagt Anke Symanzik, Sprecherin der Initiative und mittlerweile Mitglied der Gemeindevertretung. Sie wohnt an der B 105. Mit dem Lärm müsse sie leben. Durchschnittlich nutzen fast 18 000 Autos diese Straße pro Tag. Bis zu 75 Dezibel müssen die Anwohner aus der ersten Reihe laut Lärmkarte ertragen. Das ist in etwa so laut wie ein Presslufthammer. „Hinzu kommt der Schmutz, der sich auf den Fenstern niederschlägt und der Abrieb der Reifen, der in den Boden geht.“ Die damalige Gemeindevertretung habe 2013 abgelehnt, eine Einwohnerversammlung zu veranstalten. Bei einer Unterschriftensammlung sprachen sich jedoch 1000 Bargeshäger ebenfalls für eine Ortsumgehung aus.

Daher wurde damals auch das erste Mal diese Form der Demonstration gewählt, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

„Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern“, sagt Eduardo Catalan (FDP), Bürgermeister der Gemeinde Admannshagen-Bargeshagen. Doch eines stört den Kommunalpolitiker: „Dass jährlich Kinder instrumentalisiert werden, kann ich absolut nicht nachvollziehen“, sagt der Bürgermeister bestimmt. „Ein Kind erkennt nicht, dass es heute auf der Straße spielen kann und morgen wieder nicht“, sagt Catalan besorgt. Auch die „Kinderbeauftragte“ Christina Hopfmann empört diese Aktion jedes Jahr aufs Neue. „Seit Jahren predigen wir den Kindern, dass sie nichts auf der Straße zu suchen haben“, erzählt die Bargeshägerin. Seit rund 25 Jahren begleitet sie ehrenamtlich die Verkehrserziehung in der Kita „Storchennest“. Für sie birgt diese Art der Demonstration eine große Gefahr. „An den Tagen danach rasen die Kinder mit Roller und Fahrrad über die Straße, ohne ordentlich zu gucken.“ Sie wolle erreichen, dass so ein Tag nicht mehr organisiert werde.

Anke Symanzik kann diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. „Nach dieser Logik dürfte es für Kinder auch keine Radtouren geben und keine Demo in Berlin. Überall werden Straßen für solche Zwecke gesperrt“, erzählt die 35-jährige Polizeibeamtin. Generell sei es immer gefährlich, wenn Kinder am Verkehr teilnehmen würden, räumt sie ein. Doch bei einer Sperrung würden sie sehen, wenn ein Polizist für die leere Straße und Sicherheit sorge. „Die Kinder sollen nicht unterschätzt werden“, sagt die Mutter zweier kleiner Kinder. Wenn die Autos auf der B 105 fahren, würde kein Kind auf die Idee kommen, dort zu spielen. Sie kündigt jetzt schon an: „Es wird auch im kommenden Jahr wieder die Demo geben.“

Eine kleine Entlastung sei nach Ansicht von Eduardo Catalan für die Anwohner in Sicht. Seit August 2015 müssen Autofahrer, die sonst über den Tannenweg in die Stadt und aus Rostock hinausgefahren sind, in den meisten Fällen ebenfalls die B105 nutzen. „Da gibt es in Bargeshagen natürlich eine Mehrbelastung“, sagt Catalan. Doch die Bauarbeiten dort dauern nur noch bis 2018 an. Antje Symanzik ist sich da jedoch nicht so sicher: „An eine Entspannung glaube ich nicht, weil eine Abbiegespur am Admannshäger Damm gebaut wird.“ Der jetzige Stau werde ihrer Meinung nach auf der B105 zwar nachlassen, „aber dann wird es wieder mehr fließenden Verkehr geben.“

In einem Punkt sind sich Catalan und Anke Symanzik einig. Beide wünschen sich ein Gesamtkonzept für den Verkehr in Rostock und Umgebung, der auch den Entwicklungen standhalte. „Es nützt nichts, wenn jede Gemeinde sich nur um ihre Angelegenheiten kümmert“, sagt der Bürgermeister.

Johanna Hegermann

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