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Bürgermeister tragen Protest gegen Windräder nach Schwerin

Groß Schwaß Bürgermeister tragen Protest gegen Windräder nach Schwerin

Gemeinden bezweifeln Innovation der geplanten Energienanlagen in Groß Schwaß

Groß Schwaß. „Die ist der letzte Versuch, Schwerin zur Einsicht zu bringen“, sagt Kritzmows Bürgermeister Leif Kaiser. Zusammen mit seinem Lambrechtshäger Amtskollegen Holger Kutschke und Vertretern der Bürgerinitiative will er heute bei einem Treff mit Umweltminister Till Backhaus in Schwerin erneut die Ablehnung der Gemeinden gegen die geplanten zwei Windenergieanlagen in Groß Schwaß vorbringen.

Auf einem Feld zwischen Lambrechtshagen und Groß Schwaß sollen außerhalb von Windeignungsgebieten, die die Landesraumordnung ausgewiesen hat, zwei Windräder errichtet werden. Zu Forschungszwecken, wie die Investoren der Firma M&M Erneuerbare Energien mit Sitz in Rostock, betonen. Denn nur mit diesem Hintergrund erhalten sie für den Bau der etwa 200 Meter hohen Windturbinen eine Sondergenehmigung außerhalb der Eignungsgebiete. „Der inovative Ansatz stimmt nicht“, sagt Kritzmows Bürgermeister. „Wenn es nun in Groß Schwaß gelingt, so dicht an der Wohnbebauung, außerhalb vorgesehener Flächen unter dem Aspekt der Wissenschaftlichkeit Windkraftanlagen zu errichten, werden für weitere Vorhaben dieser Art Tür und Tor geöffnet“, erklärt Kaiser.

Das Energieministerium Schwerin verteidigt die Innovation: „Das Vorhaben dient der Erforschung einer Power-to-Heat-Anwendung (PTH) vor dem Stromnetz. Das heißt, ein Teil des erzeugten Stroms wird direkt in Wärme umgewandelt“, erklärt Ministeriumssprecherin Renate Gundlach auf Anfrage. Neben der Erprobung der Speichertechnologie sollen die Anlagen in ein Forschungsprojekt zur Netzausfallvorsorge (Schwarzstartfähigkeit, also eigenständiges Starten eines Kraftwerkes ohne funktionierendes Stromnetz) einbezogen werden.

„Von Innovation kann überhaupt keine Rede sein“, reagiert Dr. Lutz Williges von der Bürgerinitiative gegen die Windkraftanlagen. Der Ingenieur hat seine fachlichen Argumente bereits in Schwerin präsentiert. „Vorhabensgemäß werden 5,7 Megawatt (MW) in das Netz eingespeist, während parallel dazu 0,3 MW über ein betreibereigenes Kabel, das kein Teil des Netzes ist, im Rostock Park zur Erzeugung von Wärme eingespeist werden.“ Wenn man von PTH spreche, „meint man die Wirkung der Wärmeerzeugung durch elektrischen Strom auf die Stabilität des Netzes und nicht, dass man irgendwo mit elektrischem Strom Wärme erzeugen kann“, sagt Williges. Er sei „entsetzt und staune ungläubig, dass sich die entscheidungsbefugten Stellen nicht schon lange für die Ablehnung des Antrags entschieden haben“. Selten habe ein Ablehnungsgrund so klar auf dem Tisch gelegen.

Noch ist das Genehmigungsverfahren beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Mittleres Mecklenburg nicht abgeschlossen. Hier hakt es offensichtlich am Naturschutz. Die Genehmigung hinge insbesondere davon ab, „ob der Landkreis Rostock als untere Naturschutzbehörde die Vereinbarkeit des Vorhabens mit artenschutzrechtlichen Bestimmungen nachweisen kann“, heißt es aus dem übergeordneten Umweltministerium.

Der Landkreis will vor allem den Rotmilan im betroffenen Gebiet gut geschützt wissen und fordert die Bereitstellung einer „artenschutzfachlichen Lenkungsfläche“ für die Vögel. „Diese kann multifunktional als Kompensationsfläche für den Eingriff in das Landschaftsbild gewertet werden“, heißt es. Ein Fachgutachter hält die ausgewiesene Lenkungsfläche in der Gemarkung Evershagen „Grundsätzlich für sehr gut geeignet“. „Die Wirksamkeit ist im Monitoring nachzuweisen“, fordert der Landkreis und hat somit nichts gegen die Errichtung der Windräder einzuwenden. Was bleibt sind die Sorgen der Anwohner. Und für die wollen sich die Gemeinden nun in der Landeshauptstadt Schwerin stark machen.

Doris Kesselring

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