Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Buga-Pläne: „Diese Chance kommt nie wieder“
Mecklenburg Rostock Buga-Pläne: „Diese Chance kommt nie wieder“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 08.05.2018
Die Planer nennen das neue Viertel den „Warnow-Campus“. ENTWÜRFE: SINAI – GESELLSCHAFT VON LANDSCHAFTSARCHITEKTEN mbH
Stadthafen

Rostocks Pläne für die 113-Millionen-Umgestaltung des Stadthafens und die Bundesgartenschau 2025 haben die erste politische Hürde genommen: Am Donnerstagabend stimmten nach langer, hitziger Debatte sowohl der Bau- als auch der Wirtschaftsausschuss für das Großprojekt, das die Hansestadt in den kommenden knapp sieben Jahren rund um die Warnow verwirklichen will. Stimmt am 16. Mai nun auch noch die Bürgerschaft zu, wird sich auch im Bereich des Osthafens eine Menge verändern. Dort soll eine „grüne Modellstadt“ für die Zukunft entstehen.

Kommunalpolitik streitet ums Geld für die Umgestaltung des Stadthafens / Am Ostufer der Warnow soll Rostocks neues grünes Viertel entstehen

KOMMENTAR

Neue Ideen statt altem Abfall

Bisher ist der sogenannte Osthafen – das Areal zwischen der Warnow und dem Dierkower Damm – alles andere als ein Vorzeigeviertel Rostocks: Der international tätige Konzern Veolia hat dort eine Niederlassung, sammelt und verwertet Pfandflaschen. Auch der Hansestadt selbst gehört Land in dem Bereich – der Bauhof. „Aus dem Industrie-Areal wollen wir ein modernes Wohn- und Gewerbegebiet machen“, sagt Matthias Horn, Buga-Koordinator im Rathaus. Planer Bernhard Schwarz vom Berliner Büro Sinai beschreibt es so: Auf dem neun Hektar großen Areal will Rostock unterschiedlichste Wohnformen ermöglichen – Eigentumswohnungen, Apartments zur Miete, Räume für Wohngemeinschaften und vieles mehr.

Gleichzeitig sollen aber auch Unternehmen auf den sogenannten „Warnow-Campus“ ziehen. „Wir denken an junge Firmen – Entwickler und Planer etwa, aber auch Werkstätten oder Einrichtungen der Universität.“ Firmen und Bewohner gruppieren sich um eine grüne Mitte am Wasser. „Wir empfehlen der Stadt, über Hausboote an der Stelle nachzudenken.“ Ob die Werkshallen von Veolia – der Betrieb soll umziehen – abgerissen werden, sei noch offen: Zur Buga 2025 könnten sie als Blumenhallen genutzt werden, danach als „Start- up- Center“. Als Ort, an dem Gründer gemeinsam an Ideen und ihren eigenen Unternehmen tüfteln.

Private Investoren sollen zahlen

Der Warnow-Campus soll das günstigste der Buga-Vorhaben werden: In das gesamte Areal sollen nur etwas mehr als 600 000 Euro investiert werden – nahezu ausschließlich in Grünanlagen. Die Kosten für einen Kauf der Flächen, die Beräumung und Ersatzbauten (für Veolia) sind da allerdings noch nicht eingerechnet. Den größten Teil der Kosten sollen aber private Investoren tragen: Sie sollen die neuen Wohn- und Gewerbegebäude errichten, auch für die Erschließung des Geländes zahlen. Zur Buga soll auf dem Areal der „Lab-Pavillon“ entstehen – eine Art Labor rund um die Pflanzentrends der Zukunft. Zudem soll es schwimmende Gärten geben, Rosenbeete, einen „essbaren Wald“ mit Obstbäumen und das „Buga-Forum“, in dem Kunst gezeigt und aufgeführt werden soll. Auch ein Streetfood-Markt im Grünen ist geplant. Ulrich Söffker vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) in Rostock fordert, dass auch nach der Buga auf dem Campus Umweltbildung stattfinden sollte: „Das wäre der Ort für ein Natur-Bildungszentrum.“

Politik sorgt sich um Kosten

In der Stadtpolitik gibt es um die Umgestaltung des Stadthafens aber nach wie vor Diskussionen: Bei der gemeinsamen Sitzung von gleich vier Fachausschüssen am Donnerstag ging es vor allem ums Geld. Uwe Flachsmeyer, Fraktionschef der Grünen, fürchtet beispielsweise, dass Rostock für andere Projekte kein Geld mehr von EU, Bund und Land bekommen werde, wenn nun bis zu 60 Millionen Euro an Fördermitteln in den Stadthafen fließen. Karina Jens (CDU) mahnte, dass die Hansestadt auf andere Vorhaben verzichten müsse, wenn man die Pläne am Stadthafen umsetzt: „Wir haben jetzt die Stunde der Wahrheit.“ Ein neues Theater, die Entwicklung des Iga-Parks, der Stadthafen: „Wir müssen Prioritäten setzen und ehrlich sagen, was wir nicht umsetzen können.“ Anke Knitter (SPD) stellte gar die komplette Planung infrage: Die Ideen würden ihr gefallen, aber man könne Vorhaben wie eine Warnow- Brücke auch ohne Buga umsetzen.

Vize-OB: „Einmalige Chance“

Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) und auch Bausenator Holger Matthäus (Grüne) hingegen warben energisch für das Projekt: „Der Stadthafen sieht elendig aus, wie vor 30 Jahren. Als ob der Zaun gerade abgebaut worden wäre“, so Matthäus. Müller-von Wrycz Rekowski sprach von einem „sensationellen Konzept“ – und einer einmaligen Chance: „Die Millionen-Förderung des Landes gibt es nur für das Gesamtkonzept. Niemand bezahlt uns einfach so eine Brücke oder gibt uns 20 Millionen Euro für einen hässlichen Parkplatz am Wasser. Die Buga ist die einzige Möglichkeit, den Stadthafen als Ganzes zu entwickeln.“ Wenn die Bürgerschaft „Nein“ sage, sei die Entwicklung des Stadthafens „tot“.

Der Finanzsenator weiter: „Wir können uns die Buga leisten – ein neues Theater, den neuen Kreuzfahrthafen und vieles mehr. Aber es hat auch bisher niemand gesagt, dass wir das alles zeitgleich umsetzen. Das würde nicht nur am Geld scheitern, sondern auch daran, dass wir am Markt nicht genügend Firmen bekommen würden.“ Die Entwicklung des Stadthafens werde „ein Konjunkturpaket von einer halben Milliarde Euro“ für Rostock: Die Stadt rechnet damit, dass private Unternehmer weitere 350 Millionen Euro investieren – in Wohnungen, Firmen, Hotels.

Weg mit den Bremsern!

Zugegeben: In einem Punkt hat Rostocks Politik Weitsicht bewiesen. Sie hat den Sparkurs des Rathauses mitgetragen und die Stadt in die Schulden-Freiheit geführt. Nur wie es jetzt weitergehen soll – an dieser Stelle ist es mit Weitsicht dann auch wieder vorbei. Das Rathaus hat mit den Plänen für den neuen Stadthafen vorgelegt. Doch anstatt das aufzugreifen, stehen einzelne Politiker wieder nur auf der Bremse. Sie reden über Projekte (das Theater, eine Schwimmhalle, den Iga-Park) – aber entscheiden nicht. Dabei kann sich Rostock nicht nur den neuen Stadthafen leisten: 30 Millionen Euro hat die Stadt bisher pro Jahr für Neues zur Verfügung. Das reicht, um bis 2025 die 60 Millionen Euro Eigenanteil für die Buga und 80 Millionen für das Theater zu bezahlen. Ab 2019 wird die Stadt nun auch noch Überschüsse in dreistelliger Millionen-Höhe einfahren. Da sollte eine Schwimmhalle auch noch drin sein. Die Pläne für die Stadt sind eine einmalige Chance. Wer das nicht erkennt, sollte sich bei den Kommunalwahlen 2019 nicht mehr aufstellen lassen. Er wird Rostock und seine Bürger eh nicht voranbringen.

Innovationen für Rostock

Markthalle: Die geplante Markthalle am Christinenhafen will die Stadt nicht bezahlen. Rostock will für den Bau einen privaten Investor suchen. Zur Buga soll die Halle für Blumenschauen genutzt werden, danach für Märkte, Kultur-Veranstaltungen und als Terminal für kleine Kreuzfahrer.

Busse auf der Brücke: Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) plant zur Buga den Test von autonom fahrenden Kleinbussen. Die Fahrzeuge, die ohne Fahrer und mit Elektro-Antrieb unterwegs sind, sollen unter anderem auch die Brücke über die Warnow nutzen können.

Andreas Meyer

Der Museumsverein hat eine erfolgreiche Bilanz vorgelegt. Nun freuen sich alle auf die neuen Räume. Das Haus ist auch Anlaufpunkt für die Warnemünder.

05.05.2018

Die WG Schiffahrt-Hafen hat den Wossidlo Club renoviert

05.05.2018

Im August sollen Eisbären und Pinguine einziehen. Die Eröffnung ist für September geplant. Rund 350 Gäste feiern im Zoo.

05.05.2018