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Bundeskartellamt ermittelt gegen Rostocker Stadtwerke

Schmarl Bundeskartellamt ermittelt gegen Rostocker Stadtwerke

Die Wettbewerbshüter vermuten überhöhte Preise, der Versorger zeigt sich überrascht.

Schmarl. Die Stadtwerke Rostock hängen am Haken des Bundeskartellamts. Wegen des Verdachts überhöhter Fernwärmepreise haben die obersten deutschen Wettbewerbshüter Verfahren gegen sieben Versorger im ganzen Bundesgebiet eingeleitet, darunter auch gegen das Energieunternehmen aus der Hansestadt. Noch ist offen, ob und was sich dadurch für die Kunden ändern könnte.

Ähnliche Verfahren zu Wasser oder Gas hätten in den vergangenen Jahren zu Preissenkungen oder sogar zu Rückerstattungen geführt, erklärt Kay Weidner, Sprecher des Bundeskartellamts. „Wir würden uns freuen, wenn die Mieter im Ergebnis entlastet würden“, wartet Kai-Uwe Glause, Rechtsberater im Mieterverein gespannt auf das Ergebnis des Verfahrens, das er ausdrücklich begrüßt. Bis Anfang Sommer sollen nun zunächst die genauen Daten für die einzelnen Unternehmen ermittelt werden, kündigt das Kartellamt an.

In den vergangenen Jahren wurde der Bereich Fernwärme bereits bundesweit untersucht, teilte die Behörde mit. Dabei sei festgestellt worden, dass die Erlöse pro Haushalt in einigen Versorgungsgebieten deutlich über dem Durchschnitt lagen. Dem dadurch begründeten Anfangsverdacht gehen die Wettbewerbshüter nun auch in der Hansestadt nach.

Stadtwerke-Sprecher Thomas Schneider zeigt sich überrascht, dass ausgerechnet sein Unternehmen zu den schwarzen Schafen gehören soll. „Bei jährlichen Preisvergleichen liegen wir im Mittelfeld, im Osten gehören wir zu den günstigen“, sieht er die Stadtwerke zu Unrecht am Pranger. Vor einem halben Jahr, als es um ähnliche Ermittlungen der Landeskartellbehörde ging, hatte er gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG erklärt, dass sich die Rostocker Stadtwerke nicht angesprochen fühlen, wenn es um zu hohe Preise geht. Bisher gebe es auch noch keine Post vom Bundeskartellamt, erst durch OZ-Anfrage sei er auf das Verfahren aufmerksam geworden.

Die Vergleiche mit anderen Unternehmen bedeuteten ja nicht, dass die Stadtwerke nicht preisgünstiger liefern könnten, entgegnet der Energieexperte der Verbraucherzentrale Horst-Ulrich Frank dem Stadtwerke-Sprecher. „Bei der Fernwärme ist eine solche Preiskontrolle schon erforderlich“, begrüßt Frank, dass sich das Kartellamt der Sache annimmt und kritisiert vor allem fehlende Transparenz bei der Preisgestaltung, die auch der Rostocker Mieterverein beklagt. Im Gegensatz zu Strom und Gas hätten Mieter ja gar keine Wechselmöglichkeit, um ihre Kosten zu beeinflussen, weil der Vermieter die Verträge mit dem Lieferanten abschließt, so Horst-Ulrich Frank. Nach Stadtwerkeangaben werden zwei Drittel aller Wohnungen in der Hansestadt mit Fernwärme versorgt, erst im vergangenen Jahr wurden neue Leitungen von Lichtenhagen nach Warnemünde verlegt. Kunden der Stadtwerke gibt es auch in Graal-Müritz, Bad Doberan und Kühlungsborn.

Die Nutzer von Fernwärme hätten lediglich vor der erstmaligen Entscheidung für ein bestimmtes Heizsystem die Auswahl zwischen verschiedenen Versorgungswegen, stellt Kartellamtspräsident Andreas Mundt fest. Danach bestehe für sie auf lange Sicht keine Wechselmöglichkeit. „Daher sind bei überhöhten Preisen Missbrauchsverfahren des Bundeskartellamts erforderlich, um die Verbraucher zu schützen“, begründet Mundt das gestartete Verfahren.

Thomas Niebuhr

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