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Rostock Bundestag erlaubt 300 Meter hohe Windräder vor Rostock-Warnemünde
Mecklenburg Rostock Bundestag erlaubt 300 Meter hohe Windräder vor Rostock-Warnemünde
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18:29 05.04.2019
Bereits 2015 hat das Fraunhofer-Institut visualisieren lassen, wie sich der Blick vom Warnemünder Strand verändern könnte. Quelle: Fraunhofer IGD
Rostock

Der Blick auf das offene Meer, auf den weiten Horizont – von Warnemünde aus wird es ihn so schon bald nicht mehr geben: Der Deutsche Bundestag hat am Donnerstag den Weg frei gemacht für einen neuen Windpark in der Ostsee. Rund zwölf Kilometer vor den Stränden Rostocks soll ein Versuchsfeld für neue Offshore-Windtechnik entstehen. Für innovative Stromnetz-Anschlüsse, neue Fundament-Konstruktionen, Turbinen und bis zu 300 Meter hohe Windräder. Die Anlagen könnten fünf Mal so hoch sein wie das Hotel Neptun. Landesregierung und Industrie begrüßen die Entscheidung, hoffen auf Hunderte neue Jobs im Land. In Warnemünde stößt das Vorhaben jedoch auf Widerstand.

Die neuesten und größten Windräder

Rund 20 Meter ist die Ostsee in dem Bereich tief, in dem die Test-Anlagen entstehen sollen. Nach Angaben des Schweriner Energieministeriums geht es primär um neue, noch leistungsstärkere Winderräder. Bisher liefern die größten Anlagen zehn Megawatt elektrische Leistung. Der Hersteller Siemens Gamesa etwa will in den kommenden Jahren eine Zehn-Megawatt-Anlage mit einem Rotordurchmesser von knapp 200 Metern bauen. Vor Warnemünde sollen die Windräder sogar noch größer werden – und bis zu 15 Megawatt liefern.

OZ-Umfrage zu Windrädern vor Rostock-Warnemünde: Das sagen Einheimische und Urlauber

„Wir wollen aus der Kohle und der Atomkraft aussteigen. Also brauche wir neue, saubere Energiequellen“, sagt Sebastian Boie, Sprecher der Stiftung „Offshore-Windenergie“ aus Berlin. Er geht davon aus, dass die Test-Räder vor Warnemünde zwar deutlich höher als 200 Meter werden. „300 Meter halte ich aber für übertrieben.“ Die gesamte Branche warte auf das Testgebiet in der Ostsee: „Deutschland und gerade MV waren Pionierland für Windenergie. Doch wir haben kein eigenes Testgebiet für Offshore-Technik mehr, müssen nach Frankreich oder Schottland ausweichen.“ Für die Industrie sei das ein Nachteil.

Energieminister Christian Pegel (SPD) sieht das ganz ähnlich: „Es ist höchste Zeit, eine neue Generation leistungsstärkerer Anlagen zu entwickeln. Dafür sind Tests unter realen Bedingungen unabdingbar. Modernere Anlagen werden auch dazu beitragen, Offshore-Windstrom noch konkurrenzfähiger zu machen.“ Und weiter: „Für den Industriestandort Mecklenburg-Vorpommern ist das Testfeld ebenso wie für den Industriestandort Deutschland entscheidend. Aufgrund seiner Nähe zu Rostock, den dortigen Hochschulen und verschiedenen Forschungseinrichtungen dürfte dieses Testfeld weltweit nahezu einmalig sein. Es ist die Chance, den Technologievorsprung, den sich deutsche Industrie- und Anlagenbauer mit einigen wenigen europäischen Konkurrenten erarbeitet haben, zu sichern.“ Bis 2023 sollen die ersten Anlagen in Betrieb gehen.

Scharfe Kritik von Warnemünder Gewerbeverein

Widerstand gegen das Vorhaben bekommt Pegel jedoch aus den eigenen Reihen: Rostocks Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) lehnt das Testgebiet ab. „Die geplanten riesigen Windräder werden am Horizont sehr deutlich sichtbar sein und durch ihre Bewegung sogar die Blicke auf sich ziehen. Mit der endlosen Weite des Meeres ist es dann zumindest optisch vorbei“, so der Senator. Er fürchtet, dass die Windanlagen zudem das Segelrevier und auch die Schifffahrt einschränken könnten. „Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Energiewende: Das geplante Testfeld für Offshore-Windkraftanlagen in der Ostsee vor Warnemünde lehne ich ab.“

Kritisch sieht das Vorhaben Jörg Bludau von der Warnemünder Kongreß- und Veranstaltungsservice GmbH. „Ich bin absolut kein Freund von Windrädern in touristischen Hotspots. Die Urlauber kommen ja gerade wegen der Weite des Meeres zu uns.“ Windparks sind für Bludau eher in Gebieten denkbar, in denen Natur und Optik weniger beeinträchtigt werden. Auch Dietmar Vogel vom Warnemünder Handels- und Gewerbeverein lehnt das Projekt ab: „Das ist reinste Geldmacherei. Wir werden als Bürger verarscht. Wir produzieren zwar den Windstrom, haben aber mit Dänemark die höchsten Strompreise weltweit.“ Vogel ist auch Vorstandsmitglied in der Partei Freier Horizont. Er betont, dass noch immer unklar sei, wohin der überschüssige Strom soll, wenn der Wind bläst. „Darüber sollten sich die hohen Herren erst einmal Gedanken machen, bevor sie unser schönes Land verschandeln.“

Unternehmerverband begrüßt Projekt

Positiv äußert sich der Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg: „Als Wirtschaftsvertreter können wir die Einrichtung eines in dieser Form nicht nur für uns, sondern weltweit einmaligen Testfeldes für Offshoreanlagen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns nur unterstützen“, sagt Geschäftsführerin Manuela Balan. Die Nähe zu Rostocker Forschungseinrichtungen könne sogar zu Ansiedlungen im Hochtechnologiebereich führen. „Trotzdem sehen wir natürlich auch das Spannungsfeld zur Tourismusbranche, die für unser Land eine herausragende gesamtwirtschaftliche Bedeutung hat“, so Balan. Hier sei es wichtig, Kompromisse zu finden.

Der Ortsbeirat Warnemünde hatte sich bereits in der Vergangenheit kritisch zu dem Vorhaben geäußert. „Wir hätten uns gewünscht, dass der Schwarze Peter nicht bei Warnemünde liegt“, sagt Beiratschef Alexander Prechtel (CDU). Noch liegen ihm jedoch keine Details vor. „Es handelt sich um ein Testfeld. Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt.“

Kommt noch ein zweiter Windpark?

Die Fläche im Meer vor Warnemünde sind in den Planungen des Landes zweigeteilt: Ein Gebiet für Tests, ein zweites ist für kommerzielle Windparks vorgesehen. Nach OZ-Informationen gibt es dafür bereits einen Investor: Ein Konsortium aus drei international tätigen Unternehmen will mehr als eine halbe Milliarde Euro investieren, um insgesamt 160 Megawatt vor Warnemünde zu erzeugen. Der Strom soll genutzt werden, um Wasserstoff zu erzeugen. Das Gas soll dann in Salzkavernen bei Parchim gespeichert werden. Wasserstoff ist unter anderem für die chemische Industrie attraktiv, gilt aber auch als Treibstoff der Zukunft für Autos, Schiffe und Bahnen.

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