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Bundestags-Bewerber stochern im Nebel der Kulturpolitik

Rostock-Stadthafen Bundestags-Bewerber stochern im Nebel der Kulturpolitik

Kandidaten diskutieren im Theater im Stadthafen. Dabei bleiben viele Fragen offen.

Rostock-Stadthafen. Parteilose, weniger bekannte Politiker haben es nicht immer leicht. „Ich heiße G a b b e r t. Ohne R, nicht Grabbert“, stellte Klaus-Dieter Gabbert, Bundestagskandidat der Freien Wähler, leicht genervt klar, nachdem er am Mittwochabend beim Streitgespräch zu Rostocks Kultur mit falschem Namen angekündigt worden war. Der kleine Patzer blieb nicht die einzige Unschärfe des Abends, dessen Motto auch gut „Stochern im Nebel“ hätte heißen können.

Sechs Bewerber für das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Rostock traten im Theater im Stadthafen an, um hören zu lassen, wie sie sich im Falle ihres Wahlsiegs für die Kultur in der Hansestadt einsetzen wollen. Festhalten lässt sich: Es war nicht nur langweilig. Das lag insbesondere an den bohrenden Fragen der Moderatoren Steffen Eggebrecht und Carlo Ihde. Die meisten Antworten enttäuschten dagegen. Die Besetzung auf dem Podium hatte wenig Konkretes zum Thema Kultur zu sagen. Die Politiker machten, was Politiker sonst eher nicht tun: Sie mussten mangels Expertenwissens mehrfach zugeben, dass sie in vielen Dingen einfach keine Ahnung haben.

Typische Aussagen: „An dieser Stelle fehlt mir der Sachverstand“ — Christian Kleiminger (SPD). „Ich bin kein Kulturpolitiker“ — Michael Slobidnyk (Piraten). „Da bin ich zu wenig drin“ — Hagen Reinhold (FDP). Auch Harald Terpe (Bündnis 90/Grüne), Steffen Bockhahn (Linke) und Gabbert blieben Antworten schuldig. Peter Stein (CDU) fehlte wegen eines anderen Wahlkampftermins.

Darauf konnten sich die Bewerber einigen: Für Kultur sind vor allem Land und Kommunen zuständig. Letzteren fehlt es an Geld, weil sie vom Land knapp gehalten werden. Der Bund spielt keine große Rolle. In MV erhalten nur das Pommersche Landesmuseum in Greifswald und das Stralsunder Meeresmuseum regelmäßig Geld aus Berlin, berichtete Haushaltsexperte Bockhahn.

Auf Nachfrage der früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Christine Lucyga konnte kein Kandidat sagen, wann er zuletzt eine Vorstellung des Rostocker Volkstheaters besucht hatte. Nur Terpe war mal im Ballett („Ist nicht lange her.“). Wenn die Rostocker ihr Theater wollen, müssten sie auch hingehen, hatte nicht nur er zuvor gefordert. Zuhörerin Lucyga bemängelte zudem, dass sich keiner der bereits im Bundestag vertretenen Rostocker für die Aufnahme von Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz eingesetzt habe. Astrid Hanisch beklagte, dass nur über Geld und Fördermittel geredet werde. Sie betreibt die Bühne des „Ursprung“ am Alten Markt, ohne Subventionen. Was auch funktioniere. „Wir leben noch“, sagte sie.

 

Gerald Kleine Wördemann

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