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Rostock Burgfrieden mit der Feuerwehr
Mecklenburg Rostock Burgfrieden mit der Feuerwehr
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03:57 31.08.2013
Wehrführer wieder mit einsatzbereiter Truppe: Jens Michael (v.l.), Steffen Grafe, Ralf Ehmke, Oliver Schröder, Jan Lehwald, Uwe Eberhardt und Kay Garbe. Quelle: Ove Arscholl
Stadtmitte

Der Streik der freiwilligen Feuerwehren in der Hansestadt ist beendet. Rund 100 von mehr als 200 Ehrenamtlichen waren vor zwei Wochen wegen einer Polizeidurchsuchung in den Ausstand gegangen und hatten so dafür gesorgt, dass vier von fünf Wehren nicht mehr einsatzfähig waren. Das Ende des Streiks wurde gestern verkündet. Während Ehrenamtler und Verwaltung in den vergangenen Tagen öffentlich stritten, gaben sich gestern alle Beteiligten handzahm und wortkarg. Auslöser des Streits war eine Razzia, bei der Kripo-Beamte Computer mit Späh-Software in Feuerwehr-Gerätehäusern fanden.

Beide Seiten säßen wieder an einem Tisch, verkündet der amtierende Oberbürgermeister Holger Matthäus (Bündnis 90/Grüne). Sie hätten sich geeinigt, die zwei Streitpunkte — den Umgang mit sensiblen Daten und eine Problemliste der Ehrenamtler — getrennt zu behandeln. Ob aus der freiwilligen Feuerwehr illegal sensible Daten weitergeben worden seien, müsse die Justiz klären. Die Ehrenamtler hätten die Arbeiten nicht wegen der Ermittlungen niedergelegt, sagt Stadtwehrführer Steffen Grafe. Sondern weil die Durchsuchung aus ihrer Sicht rechtswidrig gewesen sei. Grafe hatte in den vergangenen Tagen die Erfüllung von 18 Forderungen zu besserer Ausrüstung bis zu personellen Fragen in der Berufsfeuerwehr als Bedingung für das Ende des Ausstands genannt. Die Stadt und der Beamtenbund als Vertretung der Berufsfeuerwehrleute sprachen daraufhin sogar von Erpressung und Nötigung.

Von alledem ist nun nicht mehr die Rede. „Die Problemliste müssen wir abarbeiten“, so Matthäus — Berufs- und freiwillige Feuerwehr auf Augenhöhe. Von Forderungen spricht auch Grafe nicht mehr. „Wir freuen uns, dass sich die Stadt kompromissbereit zeigt.“ Er hoffe, dass Probleme „ergebnisoffen“ behandelt werden.

Der Burgfrieden zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung könnte jedoch auf Sand gebaut sein. Denn dass Wehrführer und Stellvertreter nach den Vorgängen der vergangenen Wochen disziplinarrechtlich nicht belangt werden, wie sie offenbar hoffen, sei kaum zu versprechen, heißt es aus dem Rathaus. Es gelte hier Beamtenrecht. Auf Nachfrage äußert sich Senator Matthäus dazu nicht mehr öffentlich.

Personalangelegenheiten würden hinter verschlossenen Türen beraten und entschieden. Ob es zu Disziplinarmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausstand der Feuerwehren kommen könnte, bleibt offen. In jedem Fall habe der Aufstand der Freiwilligen das Klima zur Berufsfeuerwehr erheblich gestört. Diese Risse seien schwer bis gar nicht mehr zu kitten, heißt es aus Kreisen der hauptamtlichen Brandschützer. Zumal die Ehrenamtler sogar gezielt Kollegen aus der Leitstelle attackiert hätten. Angesichts der Mehrarbeit ist jetzt wohl zu erwarten, dass die Berufsfeuerwehr ihre eigenen Forderungen für bessere Bedingungen formuliert.

Unter der Hand heißt es in der Verwaltung: So richtig vermisst worden seien die freiwilligen Wehren in den zwei Wochen nicht. Ihre Bedeutung sei gemessen an der Gesamtleistung der Feuerwehr „relativ gering“. Dies belegten Zahlen: Nur zu jedem zehnten Einsatz würden die Freiwilligen herangezogen — im Vorjahr bei 219 von insgesamt 2500 Einsätzen. Nicht mitgerechnet die wesentlich höhere Zahl von Rettungstransporten.

Unterdessen steht eine strafrechtliche Aufarbeitung des Falls noch aus: Das Amtsgericht Rostock hatte die Durchsuchung der Gerätehäuser Stadtmitte und Groß Klein für illegal erklärt. Die sofort eingelegte Beschwerde der Staatsanwaltschaft werde im Amtsgericht noch bearbeitet, so eine Sprecherin. Sie kündigt an, dass das Schreiben in der kommenden Woche an die nächsthöhere Instanz, das Landgericht, geschickt werde.

Auf Nachfragen in dieser Woche verwies Holger Schütt, Sprecher der Staatsanwaltschaft, stets auf die Erklärung der Vorwoche. Angesichts des inzwischen erhärteten Tatverdachts sei die Auswertung der sichergestellten und beschlagnahmten Rechentechnik zwingend erforderlich. Stadtwehrführer Grafe versichert: „Wir werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unterstützen.“ Er wehrte sich jedoch gegen den Verdacht, dass zu irgendeinem Zeitpunkt Daten zu Einsätzen an Dritte weitergegeben worden seien.

Einsatzzahlen

2291 Einsätze hatte die Rostocker Berufsfeuerwehr im vergangenen Jahr. Dem gegenüber standen 219 Einsätze für die freiwilligen Wehren, davon wurden Letztere 82-mal ohne die Berufskollegen alarmiert. Im Jahr 2011 war der Anteil der Freiwilligen noch größer: 314 Einsätze, davon 158 ohne Hilfe der Profis. 2371- mal rückte die Berufsfeuerwehr aus.

39759 -mal rückte der Rettungsdienst der Hansestadt im Vorjahr aus, davon 24 845-mal nur mit Rettungstransportwagen, 5454-mal mit Krankentransportwagen und in 9312 Fällen mit Notarzt. 2011 waren es insgesamt 39 642 Einsätze des Rettungsdienstes. An diesen seien die freiwilligen Feuerwehren nicht beteiligt.

Juwelier mit dreister Masche betrogen
Ein Rostocker Juwelier wurde von einem Betrüger reingelegt. Ende Juli kam ein 30- bis 40-jähriger Mann in das Geschäft, um einen Armreif zu kaufen. „Er wollte zunächst 1500 Euro ausgeben, fand dann aber Gefallen an einem Goldreif, der 4000 Euro kostete“, berichtet der Besitzer des Schmuckgeschäftes. Der Kunde hätte einen „extrem seriösen“ Eindruck gemacht.

„Sein Auftreten war überzeugend“, erinnert sich der Juwelier. Der Mann habe angekündigt, sich später noch Eheringe anfertigen zu lassen. Der Ladenbesitzer händigte ihm den Gold-Reif aus, obwohl der Kunde nicht sofort zahlte, sondern eine Überweisung des Betrages ankündigte. Er habe keinen Ausweis bei sich gehabt, aber verschiedene Karten zur Sicherheit vorgelegt. Kurze Zeit gab es noch E-Mail-Kontakt, bald aber schon waren sowohl Handynummer als auch E-Mail-Adresse und Homepage gelöscht. Der Juwelier erstattete Anzeige. Er berichtet, dass es einem Kollegen in Rostock ähnlich ergangen sein soll.

Die Polizei hat inzwischen einen Tatverdächtigen ermittelt. „Es scheint ein reisender Täter zu sein, der deutschlandweit mit dieser Masche unterwegs ist“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske. In der nächsten Woche soll der Juwelier aus einem Fotomix den Mann identifizieren. Doris Kesselring

Thomas Niebuhr und Frank Pubantz

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