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Rostock Chefin gesucht: Darum sind nur wenig Frauen im Norden Boss
Mecklenburg Rostock Chefin gesucht: Darum sind nur wenig Frauen im Norden Boss
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22:09 07.03.2018
In MV sind Frauen in Führungspositionen rar. Quelle: pixabay
Rostock

In MV machen Power-Frauen Karriere, leiten Firmen, Unis, Kliniken. Doch noch sind Erfolgsgeschichten mit weiblicher Hauptrolle selten, die meisten Chefposten im Land haben Männer inne. So sieht es aus mit der Gleichstellung...

...in Unternehmen

Etwa jede vierte Führungsposition im Land ist von einer Frau besetzt. Zu den Spitzenkräften zählt Susanna Masson-Wawer. Die Geschäftsfrau ist mit eigener Unternehmensgruppe erfolgreich und beliefert von Lüdershagen bei Stralsund aus weltweit Kunden mit Fiberglasmöbeln. Sie sagt, was Frauen daran hindere, in Chefetagen aufzusteigen, sei das hartnäckige Klischee vom schwachen Geschlecht. „Die Frauen, die ich in Führungsebenen oder als Unternehmerinnen kenne, sind dort nicht mittels Muskelkraft, sondern, weil sie es einfach ,draufhaben’“. Im Berufsalltag gebe es keine geschlechtsspezifischen Ausschlusskriterien. Sie rät Frauen dazu, selbstbewusster zu sein. Wer schon erwarte, dass sein Gegenüber ihn nicht ernst nimmt, werde wahrscheinlich genau diese Reaktion bekommen.

...in der Politik

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ist die erste Frau an der Spitze der Landesregierung. Der Landtag ist überwiegend männlich: Von 71 Abgeordneten sind 53 Männer. Auf kommunalpolitischer Ebene liegt der Frauenanteil bei knapp 20 Prozent. Die Linke fordert eine Frauenquote von 50 Prozent für die Parlamente, will dafür die Wahlgesetze ändern. Das sei verfassungsrechtlich unzulässig und ein falsches Signal, meint Klaus-Michael Glaser, Referent des Städte- und Gemeindetages. Stattdessen müssten politische Ehrenämter für Frauen attraktiver werden. Wenn die Gemeinderatssitzung später beginne, könnten auch Mütter von Kleinkindern daran teilnehmen. Zudem sollten Sitzungen weder stundenlang dauern noch ergebnislos enden. „Frauen mit vielen Verpflichtungen wollen ihre freie Zeit nicht mit Rechthabereien verschwenden.“ 

...im Gesundheitswesen

An der Unimedizin Greifswald sei die „Grundeinstellung positiv, aber wir sind längst nicht dort, wo wir hinwollen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Astrid Petersmann. In vielen Köpfen, gerade denen älterer Professoren, hielten sich Rollenklischees. Davon zu lassen sei „so leicht, wie auf die liebste Süßigkeit zu verzichten: Für ein paar Tage gelingt es gut, insbesondere wenn jemand hinschaut, auf Dauer tun wir uns jedoch schwer damit“. Gesetze und Förderprogramme allein würden daran nichts ändern. „Dafür braucht es Vorbilder.“ Wie Agnes Flöel, Direktorin der Neurologie und einzige Leiterin einer Klinik an Greifswalds Unimedizin. Der Arztberuf als solcher sei weiblich, sagt Petersmann. „Oberärztinnen findet man hingegen selten, in leitender Funktion fast gar nicht.“ Nicht einmal jeder fünfte Medizin-Lehrstuhl sei mit einer Frau besetzt. Auch, weil es viele Frauen gar nicht bis zur Habilitation schaffen. Zwar würden mehr Frauen als Männer Medizin studieren und promovieren. Doch danach scheiterten sie an der Dreifachbelastung durch Facharztausbildung, wissenschaftliche Qualifikation und Familiengründung. Männer hätten es in dieser Lebensphase noch schwerer. „Dass sie die Kinderbetreuung übernehmen, ist kaum akzeptiert.“ Defizite gebe es auch beim Pflegepersonal. Hier seien Frauen zwar sehr präsent, allerdings eher am Krankenbett als in Leitungsfunktionen.

...an Hochschulen

Die Uni wird von einer Rektorin geführt, auch die Senatsvorsitzende ist weiblich: Doch sonst sind Frauen in Spitzenpositionen an Greifswalds Uni rar. Ihr Anteil liegt bei knapp unter 20 Prozent. Ähnlich sieht es an der Uni Rostock aus. Jedoch finde ein Wandel statt, sagt die Rostocker Gleichstellungsbeauftragte Annette Meier. An der Uni sei „angekommen, dass wenn Frauen und Männer in Kollektiven gleichermaßen agieren, dies eine Bereicherung für alle darstellt“. Sie rät Frauen, mehr Marketing in eigener Sache zu betreiben, Netzwerke zu bilden und berufliche Auseinandersetzungen nicht persönlich zu nehmen.

...im Handwerk

Nur jeder fünfte der 12 500 Betriebe im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern wird von einer Frau geführt. Viel Platz nach oben, meint Kammer-Präsident Axel Hochschild. „Gerade mit Blick auf die Fachkräftesicherung und Unternehmensnachfolge brauchen wir zunehmend Unternehmerinnen.“ Die Digitalisierung sei eine Chance, mehr Mädchen für bis dato körperlich schwere Handwerksberufe zu gewinnen. Derzeit sind von den kammerweit 3273 Azubis 697 weiblich.

...bei Existenzgründern

Von denen im Land, die sich selbstständig machen, ist etwa jede Dritte eine Frau, sagt Yvette Dinse vom Verein „Frauen in die Wirtschaft“. „Mehr als früher, aber das darf noch besser werden.“ Frauen seien durch ihren Teamgeist und ihr soziales Feingefühl als Chefs eine Top-Besetzung. „Sie haben oft ein besseres Ohr als Männer für die Probleme ihrer Mitarbeiter. Das fördert den Zusammenhalt.“

AB

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