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Rostock Das dritte Geschlecht in der Hansestadt
Mecklenburg Rostock Das dritte Geschlecht in der Hansestadt
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17:24 17.11.2017
„Jeder kennt mindestens einen Intersexuellen“, sagt Robert Holz vom Centrum für Sexuelle Gesundheit. Allein in Rostock dürften etwa 200 Menschen leben, auf die diese Geschlechtskategorie zutrifft. Quelle: Norbert Fellechner
Rostock

Nikita Katz weiß nicht, ob sie Mann oder Frau ist. Sie weiß aber auch nicht genau, ob sie intersexuell ist. Niemand hat das je medizinisch untersucht. Nikita ist beim Thema „drittes Geschlecht“ unsicher. Und das geht den Behörden und Vereinen in Rostock ganz genauso. 

Bei vielen Intersexuellen ist rein anatomisch unklar, ob sie männlich oder weiblich sind. Manche tragen auch beide Geschlechtsmerkmale in sich, sagt die 23-jährige Studentin der Soziologie, Nikita Katz. Dass dies Unklarheit in der Gefühlswelt für Irritationen sorgt, musste sie auch am eigenen Leib erfahren. „Wenn man sagt, wie man sich fühlt, merkt man oft direkt die Ablehnung und das Unverständnis“, sagt die junge Rostockerin. Den Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes bezeichnet sie als längst überfällig. „Man will doch angenommen werden, wie man ist und nicht wie man sein sollte“. In Rostock haben es Betroffene laut Katz schwer: Die Stadt sei zu klein und biete kaum Möglichkeiten unterzutauchen. „In Berlin oder Hamburg ist die Vielfalt und Akzeptanz für solch besondere Ausprägungen größer“, sagt Katz. Gerade im öffentlichen Leben gibt es Bereiche, die Intersexuellen Probleme bereiten. Zum Beispiel in Toiletten, Umkleidekabinen und Schwimmbädern – laut Katz Orte mit dem höchsten Diskriminierungspotenzial: „Man wird aufgrund seines Äußeren sowohl in männlichen als auch in weiblichen Rückzugsorten nicht akzeptiert“. Dementsprechend plädiert sie für mehr Unisex-Bereiche, in den beide Geschlechter – besser gesagt: alle drei – akzeptiert sind.

Aber so weit denkt die Stadtverwaltung noch nicht. Im Moment wird erst mal darüber nachgedacht, um welche Kategorie das Rathaus männlich und weiblich auf Formularen oder Fragebögen ergänzt. Begriffe wie „diverse“ oder „inter“ sind im Gespräch. Robert Holz vom Centrum für sexuelle Gesundheit (CSG) spricht sich für „diverse“ aus: „Das umfasst nicht nur Menschen mit einer biologischen Intersexualität, sondern auch mit einer psychologischen“. Wenn es nach Niktia Katz geht, wäre eine weitere Kategorie gar nicht nötig: „Auch wenn es unrealistisch ist, wünschte ich, dass eine Geschlechtsangabe komplett gestrichen wird“. Die Gleichstellungsbeauftragte Rostocks, Brigitte Thielk, ist seit 1990 in ihrer Funktion tätig. Seither ist sie noch nicht mit Problemen von Intersexuellen konfrontiert worden. „Wir haben hier ein völlig neues Thema, dass erstmal wachsen muss“, sagt die 63-Jährige. Doch sie ist davon überzeugt, dass wenn die Öffentlichkeit häufiger darüber debattiert, sich mehr Leute trauen, zu ihrer biologischen Identität zu stehen. Das Antidiskriminierungsgesetz biete laut Thielk immerhin schon eine Grundlage, auch für Intersexuelle, sich im Enrstfall juristisch gegen Diskrimierung und Beldeidigung zu wehren. Die Aufklärung in Schulen und öffentlichen Einrichtungen sieht Thielk auf einem guten Weg. Aber gerade hier empfindet Nikita Katz noch viel Nachholbedarf: „Es muss mehr im Jugendalter passieren. Wenn man mit dem Wissen über die geschlechtliche Vielfalt aufwächst, beugt das Diskriminierungen vor“, sagt Katz.

Robert Holz hat als Sozialarbeiter im Schwulen und Lesben- Verein „Rat und Tat“ als auch beim CSG viel Erfahrungen mit Transexuellen und anderen Menschen gesammelt, die sich nicht in eine Geschlechtskategorie einordnen lassen. Für Intersexuelle sieht er in Rostock aber noch einigen Nachholbedarf: „Es gibt keine konkrete Anlaufstelle, Personen oder Vereine, die auf das Thema spezialisiert sind“. Für ein Erstgespräch und das Aufzeigen von Möglichkeiten stehe er aber zur Verfügung. Auch in der Queerjugendgruppe von Nikita Katz fände sich immer ein Platz für Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen können oder wollen: „Wir treffen uns alle 2 Wochen und bieten einen geschützten Raum für jeden, der einen braucht“. Info:www.queerjugendrostock.wordpress.com; www.csg-rostock.de

Moritz Naumann

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