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Sternenkind-Fotografen schenken Eltern von stillgeborenen Kindern eine bleibende Erinnerung

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Die Fotos sind häufig das Einzige, was den trauernden Eltern von ihrem Sternenkind bleibt.

Quelle: Fotos: Dein Sternenkind (2), Andrea Gottowik (1)

Südstadt. Es ist der schlimmste Moment, den sich werdende Eltern nur vorstellen können. Plötzlich bewegt sich das Kind nicht mehr im Mutterleib. Beim Arzt wird aus der grausigen Vermutung traurige Gewissheit: Das Baby ist verstorben und muss still auf die Welt gebracht werden. Es ist ein Sternenkind.

OZ-Bild

Sternenkind-Fotografen schenken Eltern von stillgeborenen Kindern eine bleibende Erinnerung

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Letzte Andenken schenken

Wenn bei Rebecca Hoch das Telefon klingelt, muss sie sofort reagieren. Nach dem Einleiten der Geburt kommt das verstorbene Kind innerhalb von 36 Stunden auf die Welt. Die Rostockerin hat eine außergewöhnliche Aufgabe. Sie fotografiert Sternenkinder, um den Eltern eine bleibende Erinnerung zu schaffen. „Die Eltern, die offensiv mit Trauer umgehen, können damit am besten weiterleben. Und Fotos können dabei helfen“, sagt Rebecca Hoch. Die 32-Jährige arbeitet in Rostock als Bestatterin und hat dadurch Erfahrung mit Trauerbegleitung. „Zusätzlich habe ich als Fotografin gearbeitet: Also optimale Voraussetzungen für die Aufgabe als Sternenkind-Fotografin“, erzählt Rebecca Hoch. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse, und ich wusste, dass ich es kann.“

Dein-Sternenkind.eu

Vier solcher Sternenkind-Fotografen gibt es momentan in Rostock und Umgebung. „Die Arbeit machen wir komplett ehrenamtlich.“ Der Anspruch an die Qualität der Bilder sind sehr hoch, die Fotos für die Eltern kostenlos. „Das ganze Projekt ,Dein Sternenkind’ wurde von Profi-Fotografen ins Leben gerufen. Es ist eine reine Spenden-Organisation“, erklärt die Rostockerin. Obwohl das Thema heikel sei, würde das Projekt immer mehr Zuspruch bekommen.

Rebecca Hochs erster Fall

Jeder Einsatz als Sternenkind-Fotografin sei für Rebecca Hoch berührend. Doch ihren ersten Termin wird sie nie vergessen. „Die Familie des ersten Sternchens wird mich immer begleiten.“ Seine Eltern nannten ihn Krümel. „Das kleine Mäuschen hatte es schlimm getroffen.“ Es hatte einen seltenen Gendefekt und war nicht überlebensfähig. Die Schwangerschaft musste abgebrochen werden. Die Eltern wollten schöne Bilder von ihrem Krümel. Sie hatten ein Körbchen besorgt, in das es gelegt werden konnte. Legten Blütenblätter hinein und ein steinernes Herz.

Eine Dreiviertelstunde hatte sich Rebecca Hoch Zeit gelassen, um allein Fotos von Krümel zu machen. „Die Eltern hatten zunächst Angst, ihr Kind zu sehen“, erklärt die Rostockerin. Nachdem sie ein paar Bilder von Händen und Fingerchen zeigte, war für die Eltern klar, dass sie ihren Krümel sehen wollten. „Noch eine halbe Stunde war ich da und habe Bilder gemacht. Dann habe ich die beiden mit Krümel allein gelassen.“

Bis heute ist Rebecca Hoch mit den Eltern in Kontakt und hat auch andere prägnante Momente im Leben der Familie fotografisch begleitet. So hat sie auch die anschließende Schwangerschaft der Mutter fotografiert und konnte später ein Fotoshooting mit dem gesunden Baby machen. Immer dabei das Herzchen aus Stein, das an das Geschwisterkind Krümel erinnern soll. „In diesem Jahr werde ich auch die Hochzeit der Eltern fotografieren“, erzählt Rebecca Hoch lächelnd.

Die medizinische Sicht

„Man spricht von einer stillen Geburt, wenn das Kind vor der Abnabelung gestorben ist“, erklärt Bernd Gerber, Facharzt für Frauenheilkunde und Direktor der Universitätsfrauenklinik in der Südstadt.

Von der Definition her spreche man jedoch erst davon, wenn das Kind ohne Lebenszeichen auf die Welt kommt und schwerer ist als 500 Gramm. Davor sei medizinisch vom „Spätabort“ die Rede. „Zum Glück gibt es Stillgeburten nur sehr, sehr selten. Aber es ist immer wieder ein besonders dramatisches Ereignis für Eltern, die damit gerechnet haben, mit einem gesunden Kind nach Hause gehen zu können.“

Auf 3200 Geburten im Jahr käme dies nur acht- bis zehnmal vor. Gründe könne man für dieses Schreckensszenario kaum geben. „Es ist eine Form des plötzlichen Kindstods – nur vor der Geburt.“ Babys, die aufgrund von Krankheiten oder Komplikationen noch während der Geburt und kurz danach versterben, zählt Bernd Gerber per Definition ebenfalls nicht zur Gruppe der Sternenkinder.

Hilfe bei der Trauerarbeit

Für die Trauerarbeit mache das jedoch kaum Unterschiede aus, sagt Rebecca Hoch. „Seit drei Jahren schicken wir auch dem Südstadtklinikum unser Infomaterial zu.“ Anstatt die Information vom Klinikum zu bekommen, würden die Eltern jedoch von selbst auf die Sternenkind-Fotografen zugehen.

Die Südstadtklinik hätte eigene Angebote, entgegnet Bernd Gerber. „Wir machen selbst Fotos und nach Bedarf können Hand- oder Fußabdrücke gemacht werden“, erklärt der Facharzt vom Klinikum Südstadt.

„Wir haben im Haus auch Psychologen, die mit den Patienten sprechen und Flyer für die Seelsorge“, gibt er Beispiele.

Langfristige Unterstützung bietet die Selbsthilfegruppe „Sternenkinder“ in Rostock, die von Birgit Lamprecht geleitet wird. Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr im Gemeinderaum der Innenstadtgemeinde bei der Nikolaikirche. „Wir wollen helfen, Trauer zuzulassen. Egal, ob es sich um eine stille Geburt in einer hohen Schwangerschaftswoche oder um eine Fehlgeburt handelt“, betont Birgit Lamprecht.

Nachfragen zur Kontaktgruppe

unter ☎ 0151 / 11 09 51 16

Johanna Hegermann

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