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Rostock Das lange Warten vor der Klinik
Mecklenburg Rostock Das lange Warten vor der Klinik
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10:34 12.08.2018
Der Sternberger Taxifahrer Detlef Holz wartet vor dem Rostocker Uniklinikum auf eine Patientin. Doch Standzeiten bezahlen Krankenkassen nicht. Quelle: Ehlers Elke
Rostock

Detlef Holz steht neben seinem Taxi, tritt unruhig von einem Fuß auf den anderen. „Wie lange dauert es denn noch“, fragt er. Das wüsste der Fahrgast selbst gern. Der junge Mann aus Sternberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) begleitet seine Mutter in die Ambulanz für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Rostocker Uniklinik. „Sie soll hier operiert werden, ist zu Voruntersuchungen bestellt.“

Gegen 8 Uhr war Detlef Holz mit den beiden aufgebrochen, inzwischen ist es fast 15 Uhr. Erst ging’s in die Praxis eines niedergelassenen Radiologen in Rostocks Innenstadt. „Da habe ich fast drei Stunden gewartet“, poltert Holz. Jetzt steht er seit gut zwei Stunden am Uniklinikum. Für Taxifirmen ist das ein Problem: „Standzeiten bezahlen Krankenkassen nicht, nur die einfache Hin- und Rückfahrt.“

„Mir platzt mein nächster Auftrag“

Gegen 15 Uhr hätte Holz in Rostock wieder losmüssen, um Mutter und Sohn in Sternberg abzusetzen und rechtzeitig nach Schwerin zu starten, wo er eine andere Kundin von der Dialyse abholen soll. „Mir platzt noch mein nächster Auftrag, bloß weil es hier nicht weitergeht.“ Der 60-Jährige übernimmt oft Patiententransporte aus der Mecklenburger Kleinstadt, die kein eigenes Klrankenhaus besitzt. Seine Erfahrung: „In kleinen Kliniken wie Crivitz und Bützow klappt es besser. Ein oder zwei Stunden, dann sind die Leute wieder raus.“ Auch die Uni-Strahlenklinik in der Rostocker Südstadt sei „topp“. Was er jedoch vor der Uni-Chirurgie schon mehrfach erlebte, das sei „nicht normal“, meint der Mecklenburger. „Das geht doch nicht, dass bestellte Patienten so lange warten müssen.“

Patienten müssen Vorgaben der Krankenkassen ausbaden

Die Sternbergerin sitzt im inzwischen fast leeren Warteraum der Ambulanz. Sie hatte die CT-Bilder des niedergelassenen Radiologen den Uni-Spezialisten übergeben, wurde danach aber im Uniklinikum noch zum Röntgen und Ultraschall geschickt. Was die 62-Jährige nicht versteht: „Warum kann nicht einer alles machen? Das hätte mir viel Zeit und Kraft erspart.“ Klinikchef Prof. Dr. Bernhard Frerich begründete dieses für Patienten unbefriedigende Vorgehen mit Vorgaben „des Gesetzgebers und der Krankenkassen“. Für Betroffene heißt das: Es geht um finanzielle und abrechnungstechnische Gründe, die Patienten, deren Angehörige und – in diesem Fall – auch Taxifahrer Detlef Holz ausbaden müssen. „Ein Fehler im System, aber keiner tut was dagegen“, schimpft der Mecklenburger. Ihn macht das wütend. „Wenn das System so weitergeführt wird, kommen schlechten Zeiten auf uns zu.“

Inzwischen ruft Holz’ Chefin aus Sternberg an. „Ich steh’ immer noch in Rostock, vor 17 Uhr schaffe ich es nicht nach Schwerin“, teilt er mit. Fast acht Stunden dauert die Aktion jetzt schon. „Wie sollen wir solche Touren berechnen?“, fragt sich der 60-Jährige, der seit zehn Jahren Taxi fährt. „Für uns rechnet sich das überhaupt nicht.“

Taxi-Verband: Krankenfahrten sind unternehmerisch oft ein Risiko

Toralf Keiler vom Taxi-Landesverband in Schwerin bestätigt, dass Krankenfahrten für seine Mitgliedsunternehmen oft ein Risiko sind. „Der Bedarf ist riesengroß, aber die Vergütung stimmt nicht.“ Auch Formulare seien oft nicht korrekt ausgefüllt. Keiler weiß: Schwestern und Ärzte sind häufig überlastet, Nöte der Taxifahrer stehen da nicht an erster Stelle.

Die schwerbehinderte Sternbergerin erfährt dann, dass sie zwei Tage später wiederkommen soll. „Ich bin heute da, war vorgestern schon einmal hier und nun übermorgen nochmal? Das schaffe ich nicht“, sagt die pflegebedürftige Frau. Enttäuscht steht sie auf, stützt sich auf ihren Rollator. „Ich kann nicht mehr, ich fahre jetzt nach Hause.“ Aus Sicht der Ärzte hat das jedoch seine Berechtigung. Bevor Therapie-Entscheidungen fallen, seien manchmal aufwändige Untersuchungen bei Spezialisten verschiedener Abteilungen notwendig, meint Klinikdirektor Frerich. „Gerade für Patienten mit weiteren Anfahrten möchten wir so viel wie möglich an einem Termin erledigen“, erklärt der Professor. Was bestellte Patienten außedem einplanen müssten: Auch „außer der Reihe“ kämen Kranke in die Uniklinik, andere würden von der Notaufnahme in Fachabteilungen geschickt. „Insofern kann es auch für bestellte Patienten gelegentlich zu längeren Wartezeiten kommen“, teilt die Pressestelle der Universitätsmedizin dazu mit.

Elf Stunden unterwegs

Es ist 16.30 Uhr: Detlef Holz tritt aufs Gaspedal, es geht nach Schwerin, gleich über die Autobahn. Die Dialysepatientin wartet. „Zum Glück ist das eine Stammkundin, die Verständnis hat. Einen anderen Fahrgast hätte ich jetzt wohl verloren.“ Die beiden Sternberger, mit denen der Taxichauffeur so lange in Rostock zubrachte, nehmen den Umweg über Schwerin in Kauf. Sie haben Verständnis dafür, dass die nierenkranken Frau nun so schnell wie möglich abgeholt werden soll.. Gegen 19 Uhr endet ihre eigene Odyssee – elf Stunden, bei denen es erst einmal „nur“ um die Vorbereitung auf eine Operation ging.

Ehlers Elke

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