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Rostock Das marode „Tor zur Welt“
Mecklenburg Rostock Das marode „Tor zur Welt“
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00:14 15.06.2018
Beate Wördemann schiebt jeden Tag ihr Rad durch den Fußgängertunnel am Bahnhof von Warnemünde. Auch sie findet den Zustand der Unterführung „unmöglich“. Quelle: Fotos: Johanna Hegermann (1), Ove Arscholl (1)

Die Wände sind beschmiert, Farbe blättert ab, es riecht muffig, Spinnenweben hängen in den Ecken: So sieht der Fußgängertunnel am Bahnhof in Warnemünde aus – die Hauptstrecke für Touristen zwischen dem Zentrum des Ostseebads und den Kreuzfahrtschiffen.

Seit fast 30 Jahren wird über den ungepflegten Bahnhofstunnel diskutiert – gerade für den Tourismus ein unhaltbarer Zustand.

„Es ist ein unmöglicher Zustand. Alle Kreuzfahrttouristen gehen durch den Tunnel. Wir blamieren uns da international“, sagt der OZ-Leser Gunter Godewals. Seit Jahren sammelt er Unterlagen über den Tunnel, schreibt Anfragen an die Bahn, an das Land und an die Zeitung. „Schon 2005 hat man seit 15 Jahren über das Problem diskutiert“, sagt der 83-Jährige. Seitdem wurde Warnemünde vertröstet und Godewals sammelt leere Versprechungen. Denn die Reihe der Termine, die die Bahn für den Umbau nannte, ist lang: 1998, 2004, 2007, 2011, 2014. Doch 2014 wurden nur die Stufen ausgebessert. „Das war wohl die letzte Instandsetzung.“

Aktuell plant die Deutsche Bahn ab Herbst 2018 den Umbau des Bahnhofs. Dann soll endlich der Tunnel zugeschüttet werden. Bis Ende 2020 soll alles fertig sein. „Ich glaub da nicht mehr dran“, sagt Godewals mit einem trockenen Lachen. Dennoch hofft er, dass sich etwas ändert. „Der Tunnel ist mehr als 100 Jahre alt, er ist nicht barrierefrei. Es ist ein Wunder, dass hier noch niemand verunglückt ist.“

Warum sich die Arbeiten immer und immer wieder hinausgezögert haben, dazu schweigt die Deutsche Bahn. Doch: „Auch uns ist der Zustand der Personenunterführung am Bahnhof Warnemünde aufgefallen“, sagt Unternehmenssprecherin Karin Schwelgin. Das neue Reinigungskonzept könne nur vierteljährlich angepasst werden, das nächste Mal zum 1. Juli. „Für diesen Zeitpunkt haben wir das Reinigungsintervall in Abstimmung mit unserem Dienstleister noch einmal erhöht.“ Außerdem entferne man regelmäßig die Graffiti. „Eine generelle Verschönerungsmaßnahme ist aktuell nicht geplant“, macht die Sprecherin deutlich.

Auch Alexander Prechtel (CDU), Leiter des Warnemünder Ortsbeirats, habe nie eine Antwort von der Bahn zu den Verzögerungen bekommen. Er findet den Zustand unhaltbar, dass Urlauber, denen Warnemünde als Hafen von Berlin verkauft werde, durch den „nach Urin stinkenden“ Tunnel gehen müssen. „Die Sanierung des Bahnhofstunnels zieht sich immer weiter in die Länge. Es ist eine einzige Peinlichkeit.“

Der Ortsbeirats-Chef sieht die Tourismuszentrale in der Pflicht und auch die Stadt mache nicht genügend Druck auf die Bahn. „Keiner fühlt sich zuständig. Es ist ein Trauerspiel.“ Er versteht nicht, warum keine Provisorien geschaffen werden. „Mindestens ein neuer Anstrich und eine bessere Beleuchtung sind möglich.“

Die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde reagiert gelassen auf den Problem-Tunnel: „Mit den Baumaßnahmen der Deutschen Bahn ist bis 2020 eine Lösung in Aussicht, durch die die Qualität des Seebades Warnemünde weiter ausgebaut wird.“ Auch sie betont, dass es als Urlaubsziel und internationaler Kreuzfahrthafen notwendig sei, die Modernisierung voranzutreiben. Doch die Stadt Rostock habe mit einem barrierefreien Weg eine praktikable Alternative zum Tunnel geschaffen.

„Die Ausgleichsstrecke ist auch erst auf massivsten Druck des Ortsbeirates eingerichtet worden“, betont der Beiratsvorsitzende. Er sieht derzeit viele Probleme im Ostseebad: Fehlendes Wlan, dreckige Toiletten, die Buden auf dem Bahnhofsvorplatz. „Der Ortsbeirat steht hier völlig allein da. Warnemünde ist eine Kuh, die gemolken werden soll, aber investieren will man nicht.“

Johanna Hegermann

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