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Stadtmitte Das neue alte Hanse-Zentrum

Nach 600 Jahren steht Rostock im Juni wieder im Mittelpunkt des Städtebundes

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Die Gründung der Uni Rostock ist eng mit der Geschichte der Hanse verknüpft.

Quelle: Foto: Edeltraut Altrichter

Stadtmitte. Rostock wird in diesem Jahr wieder Hauptstadt der Hanse. Schon zur Blütezeit des historischen Städtebundes hatte die Stadt eine besondere Rolle. „Rostock war zeitweise eine der wichtigsten und einflussreichsten Städte der Hanse überhaupt. Das wird heutzutage oft vergessen“, sagt Dr. Steffen Stuth, Leiter des Kulturhistorischen Museums. Somit kehrt die Stadt mit der Ausrichtung des Hansetages im Juni zu ihren Wurzeln als bedeutendes Zentrum zurück.

Diese besondere Rolle, die Rostock zu Hochzeiten der Hanse spielte, ist laut Stuth an verschiedenen Facetten ablesbar. So sei zum Beispiel das einzige Einheitsmaß, auf das sich die Hansemitglieder untereinander einigen konnten, die Rostocker Tonne gewesen. Als führender Bier- und Getreideexporteur hatte Rostock zudem einen großen Einfluss auf die anderen Hansemitglieder – vor allem die im Norden. „Es war zeitweise so, dass in Norwegen quasi eine Hungersnot ausgebrochen wäre, wenn keine Waren von Rostock geliefert worden wären“, erzählt Steffen Stuth.

Doch mit wirtschaftlichen Interessen allein lässt sich der weitreichende Einfluss der Hanse nicht erklären. Steffen Stuth: „Bei der Hanse hat man immer nur die Kogge im Kopf, die Handelswaren transportiert. Das ist aber nur die Basis. Die Kaufleute verbreiteten in den verschiedenen Städten ihre Ideen, ihre Sprache und brachten von ihren Reisen wiederum viele Eindrücke mit.“

Dementsprechend solle man sich die Hanse nicht nur als Städtebund, sondern als Netzwerk vorstellen, in dem verschiedene Interessenlagen eine Rolle spielen und ständig im Fluss sind. So habe die Hanse viele Spuren in Kultur, Architektur und auch im Bildungswesen hinterlassen. Spuren, die auch heute noch zu finden sind und deutliche Verbindungen zwischen den Mitgliedsstädten sichtbar machen.

„Rund um die Ostsee merkt man sehr deutlich, dass es eine gemeinsame Tradition gibt, dass man sich in ähnlichen Zusammenhängen bewegt“, sagt der Rostocker Museumsleiter. Den hanseschen Einfluss könne man aber auch in weiter entfernten Städten wie Köln oder Frankfurt am Main spüren, die ebenfalls zum Verbund gehörten.

Das herausragendste Zeitzeugnis der Hanse ist die Architektur. „In allen Hansestädten waren die Kaufleute die führende Schicht. Sie hatten ähnliche Ansprüche an Gebäude. So entstanden dann vor allem Giebelhäuser, was auch im Kölner Stadtbild zu finden ist“, erklärt Steffen Stuth.

Auch der Einfluss der Hanse auf Geisteshaltung und Bildungsniveau ist laut Stuth nicht zu unterschätzen. „Der Einfluss der Rostocker Reformation auf Schweden war groß. Das versteht man erst, wenn man sich mit der Geschichte der Hanse beschäftigt.“ Auch die Gründung der Rostocker Universität 1419 ist eng mit der Hanse verknüpft. „Die Kaufleute hatten viel mit Theologen, Juristen und anderen gebildeten Menschen zu tun. Sie mussten genauso gut ausgebildet sein, um ihre Geschäfte aufrecht zu erhalten“, so der Historiker.

Diese besondere Lebens- und Kulturgemeinschaft, die von der historischen Hanse ausging, soll auch beim Hansetag in diesem Jahr eine große Rolle spielen. Programmpunkte, wie der Internationale Hansemarkt, Ausfahrten mit alten Handelsschiffen, das Entladen von Waren mit dem historischen Holzkran oder die Fotoausstellung „Future City“, sollen zur Pflege des Hansegeistes beitragen. „So eine Veranstaltung kann dazu führen, dass die Leute sich noch mehr mit ihrer Stadt identifizieren und stolz auf sie sind“, betont Steffen Stuth.

Christina Milbrandt

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