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Rostock Delfine für einen Moment der Freude
Mecklenburg Rostock Delfine für einen Moment der Freude
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00:04 16.03.2018
Mit Kuschel-Delfine aus Ribnitz-Damgarten: Ben (3) muss schwere Chemotherapien durchstehen.

Ribnitz-Damgarten/Rostock. Noel ist eineinhalb Jahre alt und sollte eigentlich in einem fröhlichen Zuhause sein, laufen und sprechen lernen, spielen. Doch stattdessen hat dieses junge Leben ein schwerer Schicksalsschlag ereilt. Eine Magensonde in der Nase, ein Gitterbett in einem Krankenhaus. Der kleine Noel ist schwer krank, muss in der Kinderonkologie der Universitätsmedizin in Rostock komplizierte Chemotherapien ertragen. Wahrscheinlich weiß Noel noch gar nicht so recht, was überhaupt los ist. Ein fröhliches Kinderlachen hört man auf dieser Station jedoch selten.

Ursula Mauritz aus Ribnitz- Damgarten schenkt schwer kranken Kindern ein Lächeln. Dabei hat sie selbst ein schweres Schicksal zu tragen.

Es sind die kleinen Taten, die das Leben der Kinder in der Krebsstation aufhellen. Stolz hält Noel einen bunten Delphin in die Kamera. Den hat er erst vor kurzem bekommen. Sein neuer Kuschelfreund. Ein kleiner Moment des Lichts in einer so harten Zeit mit möglicherweise ungewissem Ausgang.

Gespendet hat ihn Ursula Mauritz. Seit vier Jahren lebt die 64-Jährige in Ribnitz-Damgarten. Ihre Herzensangelegenheit: Kranken Kindern mit selbstgenähten Kuscheltieren eine Freude zu

bereiten. „Eine ganz tolle Sache. Frau Mauritz hat mit ihren fröhlichen Delphinen und Walfischen unseren Kindern wirklich viel Vergnügen verschafft“, sagt Prof. Dr. Classen, Leiter der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie der Kinder- und Jugendklinik in Rostock. Dadurch werde der Klinikaufenthalt für die Kinder etwas freundlicher. „Und auch für die Eltern ist es ein schönes Zeichen, dass es Leute gibt, die an sie denken, dass sie nicht allein sind“, sagt Classen.

Eine kleine Freudenträne rollt über die Wange von Ursula Mauritz, als sie das Foto von Ben mit ihrem Delphin sieht. „Ich habe noch nie ein Kind mit meinen Sachen gesehen“, sagt sie. Denn Ursula Mauritz ist selbst schwer krank. Aufgrund einer Autoimmunerkrankung wird ihr Immunsystem zerstört. Sie steckt sich leicht an mit Krankheiten, die dann bei ihr umso heftiger ausbrechen. Deshalb muss sie Menschengruppen meiden, kann oft nur mit Mundschutz vor die Tür gehen, hat nur wenige soziale Kontakt. Und deshalb kann sie die kleinen Patienten auch nicht besuchen.

Vor knapp fünf Jahren wurde die schwere Krankheit diagnostiziert. Für die lebensfrohe Frau, Krankenschwester und ehrenamtlich engagiert, brach eine Welt zusammen. Einsamkeit, schwere Depressionen, dazu andauernde Schmerzen aufgrund einer Arthrose: „Ich kann nicht ins Kino, ich kann nicht ins Schwimmbad, ich kann keine Menschen kennenlernen. Wenn ich keine Arzttermine hätte, würde ich die Wochentage vergessen.“ Vor vier Jahren zog Mauritz aus dem niedersächsischen Oldenburg nach Ribnitz-Damgarten, um ihre an Multipler Sklerose erkrankte Tochter zu unterstützen.

Beide, wie auch ihr Schwiegersohn, helfen sich gegenseitig so gut es geht. „Ich habe nichts außer das Nähen und Arzttermine“, sagt Mauritz. „Und irgendwann will auch kein Mensch mehr mit einem etwas zu tun haben.“

Mischlingshündin „Kessy“ ist die einzige treue Begleiterin. Oft geht sie mit ihr das Material für die Kuscheltiere einkaufen. Und dann setzt sich Ursula Mauritz an die Nähmaschine, gespons

ert von der Ribnitzer Ärztin Dr. Silke Altmann. Ihre eigene, gute Singer-Maschine ist kaputt. „Ich habe Angst vor den Reparaturkosten“, sagt Mauritz. Sie bekommt Witwenrente. 100 Euro im Monat verdient sie sich dazu, indem sie Ferienwohnungen putzt. Dieses Geld steckt sie in die Kuscheltiere, kauft davon Stoffe, Wolle, Nadeln, Stopfwatte.

Aufgrund des schmalen Budgets hofft sie außerdem auf Spenden (siehe Kasten). „Die Kinder haben eine so entsetzliche Zeit, über Monate, manchmal Jahre. Die brauchen was Fröhliches.“ Und wenn Noel irgendwann wieder gesund ist, wird es auch der Delphin von Ursula Mauritz gewesen sein, der dem tapferen Jungen durch die schwere Zeit geholfen hat.

Sponsoren gesucht

Um den kranken Kindern weiterhin eine Freude bereiten zu können, hofft Ursula Mauritz auf Spenden. Geldspenden sind möglich, aber auch Stoffspenden. Bunt und fröhlich sollten die Stoffe sein und waschbar. Oft habe sie schon alte Kleidung bekommen. Die sei nicht für die Kuscheltiere geeignet. Mauritz bietet auch an, die Stoffspenden gegen eine von ihr handgefertigte Tasche zu tauschen.

Wer Ursula Mauritz helfen möchte, kann sich bei ihr unter Telefonnummer ☎ 03821/8693880 melden.

Robert Niemyer

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