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Rostock Denkmalpfleger: „Wir haben jetzt nur noch schwere Fälle“
Mecklenburg Rostock Denkmalpfleger: „Wir haben jetzt nur noch schwere Fälle“
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00:01 23.01.2018
Der alte Schornstein des Heizhauses auf dem DMR-Gelände in der Südstadt muss dringend saniert werden. Das städtische Amt für Denkmalpflege schätzt die Kosten auf 350000 Euro und sucht Unterstützer für den Eigentümer. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Fehler wurden keine gemacht und ansonsten werde sie zu dem Thema auch nichts mehr sagen und die Frage nur schriftlich beantworten. Diese Antwort von Kulturamtsleiterin Michaela Selling bekam Fred Mrotzek (CDU). Dabei wollte er nur wissen, wann in der Stadt etwas schief gelaufen ist, wodurch es jetzt zum Abriss der denkmalgeschützten Heinkel-Wand kommt. Der Kulturausschuss hatte die Denkmalpfleger der Stadt aufgefordert, den Umgang mit historischer Bausubstanz in Rostock zu erläutern.

Amtsleiterin Selling vor Kulturausschuss: Keine Fehler bei Heinkel-Mauer

„Es gab zuletzt einige Fälle, die Wellen geschlagen haben“, begründet der Vorsitzende des Kulturausschusses, Henning Wüstemann (Grüne) die Einladung. Der Abriss des früheren Elisabethheims, einer alten DMR-Halle und eben der Heinkel-Mauer wurden in der Öffentlichkeit heftig diskutiert, die städtischen Denkmalpfleger gerieten mächtig in die Kritik. Zwar sagte Michaela Selling nichts mehr zum Thema Heinkel-Wand, eine Stellungnahme der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen liegt dennoch vor.

Heinkel-Halle: Abriss 1995

Danach gehen die Probleme auf das Jahr 1995 zurück, als der damalige Eigentümer, die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG) die alte Halle abriss, um Platz für eine geplante Bebauung des Werftdreiecks mit Bürogebäuden zu schaffen. Daraus wurde nichts und der kleine Rest, die Heinkel-Wand, wurde unter Denkmalschutz gestellt. Jährlich habe das Denkmalamt die Mauer in Augenschein genommen. Schäden an der Abdeckung und der Mauerkrone wurden dem Eigentümer mitgeteilt und behoben. 2001 kontrollierte das Bauamt, gravierende Schäden wurden nicht festgestellt.

Erst ab 2014 wurden Abplatzungen am Mauerwerk beobachtet und größere Untersuchungen wurden eingeleitet. Mit dem bekannten Ergebnis, dass die Mauer nicht zu erhalten sei. Das städtische Wohnungsunternehmen Wiro übernahm als Eigentümer den Abriss-Antrag des Vorbesitzer. Aus Sicht der städtischen Denkmalpflege habe es im Verfahren keine Fehler gegeben, versicherte Michaela Selling.

Eigentümer in der Pflicht

Mehr als 480 Einzeldenkmale und 13 Denkmalbereiche umfassen die Listen der Hansestadt. Grundlage für das Handeln in Rostock sei das Landesgesetz, betont Stadtkonservatorin Birgit Mannewitz und nennt gleich einen Knackpunkt für einen funktionierenden Denkmalschutz. „Wichtig im Verfahren ist immer der Eigentümer.“ Da gebe es nicht selten Konflikte und unterschiedliche Interessen. Der Eigentümer sei verpflichtet, sein Denkmal zu erhalten, was bisweilen sogar zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führt, erläutert Denkmalpflegerin Uta Jahnke. So musste die Stadt juristisch verhindern, dass die Besitzer den Lokschuppen auf dem alten Güterbahnhof abreißen. Auch bei der alten Anker-Fabrik in der Doberaner Straße musste der Schutz des restlichen Gebäudes mit Geldstrafen erzwungen werden.

Aktuell wehre sich ein Eigentümer, dass sein Haus überhaupt auf die Denkmalliste kommt.

Nutzung hilft gegen Verfall

Leichter für den Denkmalschutz werde es immer dann, wenn der Eigentümer das Gebäude sinnvoll und wirtschaftlich nutzen kann, weiß Birgit Mannewitz. „Was genutzt und gepflegt wird, verfällt nicht“, sagt sie. Wo Häuser beispielsweise für Wohnen oder gewerblich genutzt werden können, sei das in Rostock bereits geschehen, ergänzt Kollege Peter Writschan. „Wir haben jetzt nur noch die schweren Fälle.“ Beispielhaft nennt er den alten Schornstein auf dem Gelände des früheren Dieselmotorenwerks in der Südstadt.

Da sei beim Verkauf der Flächen die Grundstückseinteilung etwas unglücklich gewählt worden, stellt Peter Writschan fest. Der Schlot steht jedenfalls auf dem Areal einer Kfz-Werkstatt. Der Schornstein ist seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr in Betrieb. Die fehlende Wärmezufuhr hat zu Verwitterungs- und Frostschäden geführt. Der obere Bereich des Schornsteins ist durch starke Risse einsturzgefährdet. Der Eigentümer hat keinen Nutzen vom Bauwerk und ihm allein könne die Sanierung für geschätzte 350000 Euro nicht zugemutet werden, so Writschan.

DMR-Schornstein in Gefahr

Der Denkmalpfleger kann sich vorstellen, dass sich die auf dem gesamten DMR-Gelände ansässigen Firmen finanziell engagieren. Er hält es für denkbar, dass der Schornstein als Werbeträger genutzt wird.

Peter Writschan wünscht sich auch, dass diejenigen, die jetzt so emotional über abgerissene Gebäude klagen, sich aktiv in die Rettung von Denkmälern einbringen.

Michaela Selling ist wichtig zu sagen, dass nicht nur die Problemfälle der vergangenen Wochen betrachtet werden dürften. Die Stadt und private Investoren hätten in den vergangenen mehr als 25 Jahren viele Millionen Euro ausgeben, um Gebäude zu sanieren. Selling nennt beispielhaft den Umbau des Katharinenstifts zur Hochschule für Musik und Theater, die Erneuerung des Klosters zum Heiligen Kreuz oder die Rettung des Hornschen Hofes in der Nördlichen Altstadt, der lange verfiel und dann zu einem attraktiven Wohnhaus umgestaltet wurde.

Landesgesetz definiert Denkmal

481 Einzeldenkmale (Stand September 2016) von einem Wohnhaus in der Adolf-Willbrandt-Straße bis zum Kurpark Warnemünde sind in der Denkmalliste der Stadt zu finden. Dazu kommen 13 festgelegte Denkmalbereiche, also Straßenzüge und Plätze in Rostock. Denkmale laut Denkmalschutzgesetz MV „sind Sachen, Mehrheiten von Sachen und Teile von Sachen, an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte de Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung von Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, geschichtliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen“. Eigentümer sind „im Rahmen des Zumutbaren“ verpflichtet, Denkmale zu erhalten oder instand zu setzen.

Thomas Niebuhr

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