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Rostock Der erste Spargel steckt den Kopf raus
Mecklenburg Rostock Der erste Spargel steckt den Kopf raus
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00:00 01.04.2014
Frisch gestochen: Zbigniew Jaszczuk hat bei Tieplitz den ersten Spargel der Saison geerntet. Quelle: Michaela Krohn

Vorsichtig fühlt Zbigniew Jaszczuk über die Folie, die den Boden verdeckt. Darunter verbirgt sich der erste Spargel der Saison. „Dieses Jahr ist er früh dran“, sagt er und sticht gleich mehrere weiße Stangen aus der Erde. Noch sind sie nur zu viert auf den Feldern zwischen Tieplitz und Güstrow. Doch in den nächsten Tagen werden bis zu 80 Leute dort beschäftigt sein.

Zbigniew Jaszczuk ist schon seit sechs Jahren dabei.

Großflächig wird das weiße Gold derzeit geerntet. „An guten Tagen holen wir fünf bis sechs Tonnen aus dem Boden“, sagt Yvonne von Laer, Geschäftsführerin der Firma Mecklenburger Frische. Die Landwirtin ist Expertin in Sachen Spargel-Anbau. Sie hat sogar ihre erste Ingenieursarbeit über das königliche Gemüse verfasst.

Morgen, spätestens Donnerstag beginnt die anstrengende Arbeit auf den Feldern. Da das Stechen noch immer Handarbeit ist, werden viele fleißige Hände benötigt. Mit 70 bis 80 Helfern wird geerntet, die Stangen gewaschen, kontrolliert und zu den Verkaufsständen transportiert. Zusätzlich sind bis zu 30 Verkäufer eingesetzt. Einen geschmackvollen Spargel anzubieten, erfordert großes Wissen. Zudem müssen die Voraussetzungen stimmen. „Es beginnt schon bei der Auswahl der Anbauflächen. Die Böden sollten möglichst sandig sein, um das spätere Stechen zu erleichtern. Mehrere Jahre vor der Pflanzung wird der Humusgehalt der Böden durch den Anbau von Gründüngungspflanzen angehoben“, erklärt sie. Dies sei wichtig, um die Wasserhaltekraft zu verbessern und die Pflanzen kontinuierlich mit Nährstoffen zu versorgen.

Bei der Pflanzung und Ernte spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr konnte erst Ende April losgelegt werden. „Die alten Dämme waren lange gefroren und der Boden anschließend kalt und nass. Das waren keine guten Voraussetzungen für uns.“ Die Familie von Laer hatte deshalb mit Einbußen zu kämpfen. Zu warm darf es aber auch nicht sein, denn „dann sehen die Stangen keulenförmig aus und die Sprossknospen blühen auf“. Die Voraussetzungen scheinen in diesem Jahr jedenfalls zu stimmen.

Geerntet wird traditionell bis zum 24. Juni. Experten wissen, dass die Pflanzen eine ausreichende Regenerationszeit benötigen, um im folgenden Jahr genügend Sprosse bilden zu können. „Deshalb gehen wir auch nie über dieses Datum hinaus, egal wie viele Tonnen wir geerntet haben“, sagt Yvonne von Laer. Bei ihr landet dieses Gemüse während der Saison fast jeden Tag auf dem Teller, meistens geschnitten und in der Pfanne knusprig gebraten. Zbigniew Jaszczuk isst den Spargel am liebsten mit Kartoffeln und Schnitzel: „So schmeckt er mir am besten.“

Heilpflanze seit 4500 Jahren
220 Spargelarten gibt es. In Tieplitz wird er seit 19 Jahren angebaut. Doch gekannt haben ihn schon die alten Ägypter. Vor 4500 Jahren entdeckten sie ihn als Heilpflanze, die harntreibend ist und gegen Gelbsucht half. Aufgrund dieser Eigenschaften wurde das Gemüse als Heilmittel bis ins 19. Jahrhundert hinein verwandt. Die Samen wurden sogar zur Herstellung von Malzkaffee benutzt.
An guten Tagen holen wir fünf bis sechs Tonnen Spargel aus dem Boden.“Yvonne von Laer, Mecklenburger Frische



Michaela Krohn und Mathias Otto

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