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Rostock Der letzte Tag in der „Schimmel-Kita“
Mecklenburg Rostock Der letzte Tag in der „Schimmel-Kita“
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00:01 28.10.2017
Stühle, Schränke und Tische der Kita „Richard Baumann“ wurden gestern von zwei großen Transportern abgeholt. Quelle: Fotos: Johanna Hegermann
Brinckmansdorf

Kati Tews holt wie so oft ihren Sohn Malte von der Kita ab. Schnell hilft sie ihm, Jacke und Schuhe anzuziehen. Der Vierjährige sucht noch seine Handschuhe. Dann geht es los. Raus aus der der Kindertagesstätte „Richard Baumann“. Zum letzten Mal. Denn in dem Gebäude in Brinckmansdorf ist eine hohe Pilzsporen-Konzentration in der Luft festgestellt worden. Nun müssen die Kinder und Erzieher in den Schulcampus nach Kassebohm ziehen.

Kita „Richard Baumann“ zieht aus ihrem Gebäude aus / Möbel werden gereinigt

„Das letzte Kind“, ruft Claudia Heinze, die leitende Erzieherin. „Lass dich noch einmal drücken.“ Ganz fest nimmt sie Malte in den Arm, bevor dieser an die frische Luft läuft. Für seine Mutter ein seltsames Gefühl. „Schon mein erstes Kind ist hier in die Kita gegangen. Seit sechs Jahren begleitet uns die Einrichtung“, erzählt Kati Tews. Während andere Kinder vereinzelt über gerötete Augen und Allergien klagen, zeigt ihr Sohn keines solcher Symptome. „Er ist robust“, sagt seine Mutter. Sie ist sich sicher: Der Umzug ist jetzt die beste Lösung.

Seit der Bekanntgabe der Sporen-Belastung vor etwa einer Woche haben Erzieher und Hausmeister den Umzug vorbereitet. „Dass das nicht einfach neben der Arbeit passiert, ist klar“, sagt Beate Arndt, Bereichsleiterin beim Institut Lernen und Leben (ILL). Hier habe sich eine tolle Zusammenarbeit entwickelt. „Viele Kollegen helfen freiwillig von morgens bis abends mit“, lobt sie. Auch viele Eltern hätten ihre Hilfe angeboten. „Das ist schon alles sehr aufregend.“

Nun wurden am Freitag auch die freigeräumten Möbel abgeholt. Die Erzieher entfernen noch die Klebezettel von den Schränken. Die Möbel, Spielsachen und Bücher sollen von einer Spezialfirma gereinigt werden. Schließlich sollen die Sporen nicht mit umziehen. „Diese Reinigung hätte auch unabhängig von der Raumluftbelastung stattgefunden“, sagt Arno Wiegand vom Immobilienmanagement des ILL.

Schließlich seien viele Einrichtungsgegenstände schon 16 Jahre alt. Alles werde man aus der Kita jedoch nicht mitnehmen. Einmal, da in Kassebohm den Kindern weniger Platz zur Verfügung steht. Und außerdem solle einiges neu beschafft werden.

„Die Sanierung war sowieso im Frühjahr geplant. Jetzt wird sie halt vorgezogen“, sagt Wiegand. Doch ob das Haus überhaupt saniert wird, ist noch nicht klar. Am Mittwoch soll die Bauteilöffnung stattfinden. „Erst dann kann man vermuten, was aus dem Haus wird.“ Seiner Meinung nach ist es auch nicht ausgeschlossen, dass die Kita wieder einziehen kann.

Laut Experten aus dem Rostocker Rathaus soll die Sporen-Konzentration in der Kita jedoch vier- bis fünffach über der in der Außenluft liegen. Vor allem für Kinder mit Immunschwäche sei das schädlich.

Die Folgen der Pilzsporen könnten Augen- und Schleimhautreizungen, aber auch Allergien sein.

Arno Wiegand wiegelt jedoch ab. „Es gibt keine Grenzwerte für diese Schimmelpilz-Sporen. Man wird hier nirgendwo eine schwarze Wand finden“, betont er. Auch eine Toxinbildung schließt er aus. „Ich kann hier drin schließlich ohne einen Atemschutz stehen.“ Die Kinder hätten außerdem in dieser Woche noch in der Kita bleiben dürfen. Dass der Träger dennoch handelt, sei für ihn kein Widerspruch.

„Die Gesundheit der Kinder und Erzieher steht an erster Stelle.“

Für die leitende Erzieherin der Kita „Richard Baumann“ geht mit dem Auszug eine Ära zu Ende. 15 Jahre hat sie in diesem Gebäude gearbeitet. Nun habe sie ein komisches Gefühl beim Abschied. „Es lähmt uns aber nicht in der Arbeit“, sagt Claudia Heinze. Eine Kita sei sowieso viel mehr als nur eine Räumlichkeit. „Das ist nur die äußere Hülle. Was die Kinder brauchen, das ist Herzenswärme und Sicherheit. Das sind wir.“ Und auch in Kassebohm bleiben Team und die Kinder zusammen.

Johanna Hegermann

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