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Die „Undine“ kommt — aber nicht im Original

Warnemünde Die „Undine“ kommt — aber nicht im Original

Neues Fahrgastschiff soll mit bis zu 80 Passagieren in Warnemünde auf Tour gehen.

Warnemünde. Ein Schiffsname mit Tradition kehrt zurück: Die „Undine“ nimmt Kurs auf Rostock. Nicht das legendäre Fahrgastschiff, sondern ein Schiffsneubau gleichen Namens könnte schon in den nächsten Tagen in Warnemünde vor Anker gehen. Doch nur der Name verbindet die beiden Schiffe. Während die Hohe Düne GmbH mit der neuen „Undine“ Gewinne einfahren will, verrottet das mehr als 100 Jahre alte Original in Dresden.

„Besteht das neue Fahrgastschiff die Probefahrt am Donnerstag, könnte es in der nächsten Woche in Warnemünde eintreffen“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Um künftig mit bis zu 80 Passagieren auf privat gebuchten Touren vom Neuen Strom aus in See zu stechen. Und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Knoten. Mit dem ältesten Seebäderschiff „Undine“ hat das neue, 27 Meter lange Wassergefährt mit einem Tiefgang von 1,70 Metern nicht mehr viel gemein. Der Eigner, die Seebestattungsreederei Hohe Düne GmbH, hat die Rostocker Ship Repair- und Trading GmbH (SRT) mit der Umsetzung des Undine-Projekts beauftragt.

Vor anderthalb Jahren ging das Vorhaben an den Start: Nach Plänen der polnischen Firma Navalconsulting wurde das Motorschiff in der Swinemünder Werft Poltramp Yard konstruiert. Etliche Probefahrten auf der Ostsee hat es bereits absolviert. Jetzt stehen Navigationssysteme und Beleuchtung auf dem Prüfstand, muss das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie grünes Licht geben. „Das Schiff wird nach den Vorschriften des Germanischen Lloyds gebaut“, erklärt SRT-Mann Dithmar Wendorf. Um den deutschen und internationalen Sicherheitsstandards zu entsprechen, sei ein immenser Aufwand notwendig.

„Optik und Aufbau der beiden Schiffe sind grundverschieden“, sagt Robert Rosentreter vom früheren „Undine“-Förderverein. Der Name sei „offenbar nur eine Reminiszenz an die traditionsreiche Geschichte“. Begraben hat er unterdessen die Hoffnung, dass der in Dresden lagernde Rumpf des Originals mit Hilfe von Sponsoren wieder aufgebaut werde.

Eine Einschätzung, die Bernd Fischer, Geschäftsführer vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, teilt. „Die Schiffs- und Yachtwerft Dresden GmbH, auf der der Rumpf der alten Undine vor sich hinrottet, ist seit Ostern offiziell pleite. Alle Mitarbeiter sind entlassen, die Reste der Undine sind an Land aufgebockt.“

Fischer hat einen Gutachter zu Rate gezogen. Der kommt zum gleichen Ergebnis. „Millionen von Euro müssten in die Hand genommen werden, um das alte Seebäderschiff wieder flott zu machen“, winkt Fischer ab. Und: „Selbst wenn ein Wiederaufbau gelänge, der Betrieb wäre immer defizitär.“ Alternativen schließt er nicht aus. „Wir müssen dieses Beispiel der Bäderseefahrt erhalten.“ Wenn auch nur in Teilen. „Eine Installation aus Bug und Eckelementen in Rostock könnte eindrucksvoll aussehen.“ 1910 als „Kronprinz Wilhelm“ in der Neptunwerft vom Stapel gelaufen, zu DDR-Zeiten als Undine unterwegs, lief das Schiff im Dezember 1992 auf dem Weg von Rostock nach Barth auf Grund. Pläne eines Fördervereins, es wieder aufzubauen, scheiterten. Seit 2006 rosten die Überbleibsel in Sachsen.

Katrin Starke

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