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Rostock Die blauen Helfer mit den vielen Tausend Werkzeugen
Mecklenburg Rostock Die blauen Helfer mit den vielen Tausend Werkzeugen
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00:00 30.08.2018
Gartenstadt

Wer kennt das nicht: Ein technischer Notfall und das nötige Werkzeug lässt sich einfach nicht auftreiben. Das dürfte Patrick Tessin nicht so schnell passieren. Der 25-Jährige ist Mitglied in der Ortsgruppe Rostock des Technischen Hilfswerks (THW), Fachgruppe Bergung 1. Bohrmaschinen, ABC-Schutzanzüge, Abseil-Technik, Seilwinden, Hydraulikstempel, Bolzenschneider, Spitzhacken, Gummistiefel und noch sehr, sehr viel mehr gehören zu seiner Ausrüstung, verstaut in einem großen Laster, dem Gerätekraftwagen, kurz „GKW“. Wie viele Teile mögen es insgesamt sein? „Wir haben mal versucht, alles zu zählen“, sagt Patrick Tessin. Bis 1000 Werkzeuge sind sie gekommen, dann mussten sie aufhören, aus Zeitmangel. Zehntausend wäre auch möglich, niemand weiß es.

Sebastian Storm und Sven Kraft (re.) sind zur Stelle, wenn der Strom ausfällt. Quelle: Fotos: Gkw
„„Wir haben versucht, die Werkzeuge im Gerätekraftwagen zu zählen, es aber nicht geschafft. Es müssen zwischen tausend und zehntausend Stück sein.“Patrick Tessin THW-Fachgruppe Bergung 1
„„Wenn Meldungen vom Elbe- Hochwasser in Dresden kommen, kannst du schon mal die Tasche packen. Das ist dann bald auch im Norden.“Torsten Holm-Dankert Vize-Ortsgruppenleiter

In ein paar Tagen beginnt beim THW das nächste Ausbildungsjahr. Bislang sechs neue Helfer starten dann mit der Grundausbildung. 80 Mitglieder hat die Gruppe insgesamt. Trotz der Neuen wird sie nicht wachsen. „Ungefähr die gleiche Zahl scheidet aus“, sagt Torsten Holm-Dankert, der stellvertretende Dienststellenleiter. Wie wichtig es sein kann, dass sich Holm-Dankert, Patrick Tessin und 72 weitere Männer und sechs Frauen in ihre Freizeit ehrenamtlich engagieren, zeigte sich vor zwei Wochen beim Einsturz der Morandi-Brücke in Genua. „So einen Einsatz möchtest du nie erleben. Aber wenn es doch passiert, dann sind wir da.“

Vergleichbares wie in Genua, wenn auch von viel kleinerem Ausmaß, erlebten die Rostocker Helfer mit den blauen Uniformen 2004 in Goldberg (Ludwigslust-Parchim). Beim Einsturz einer Schule kamen damals fünf Bauarbeiter ums Leben. Das Rostocker THW half mit seiner speziellen Technik, die keine Feuerwehr hat, bei der Bergung. Manche der Helfer nahmen anschließend psychologische Betreuung in Anspruch.

Holm-Dankert ist seit vier Jahren in der Ortsgruppe. Davor organisierte er bei der Bundeswehr Auslandseinsätze der Luftwaffe. Im Hauptberuf arbeitet er jetzt bei der RSAG als Verkehrsassistent. 20 bis 25 Stunden pro Woche verbringt er beim THW.

Der Anruf zum Einsatz kommt meist dann, wenn es gerade nicht so gut passt. „Meist nachts“, erzählt Sebastian Storm. Der Elektrotechniker gehört zur Fachgruppe Elektroversorgung. Fällt irgendwo der Strom aus, sind er und seine THW-Kollegen zur Stelle. In Stralsund versorgten sie vor ein paar Wochen ein Altenheim, in dem wegen eines technischen Defekts die Lichter ausgegangen waren. Drei Tage lang speiste ihr riesiger Generator elektrische Energie ins Stromnetz, bis der Schaden behoben war. Ebenfalls in Stralsund mussten die Helfer bei einem Einsatz Kühlräume eines Real-Warenhauses mit Strom versorgen. Tonnenweise Lebensmittel hätten sonst wahrscheinlich weggeschmissen werden müssen. Im Frühjahr bewahrten die Elektro-Experten vom THW Häuser in der Gemeinde Reddelich (Landkreis Rostock) vor der Überflutung. In der Schneeschmelze war ein Pumpwerk ausgefallen, Wassermassen drohten Ortschaften und Felder zu überschwemmen.

Hochwasser-Einsätze haben aus Helfersicht einen Vorteile: Sie sind planbar. „Wenn Meldungen vom Elbe-Hochwasser in Dresden kommen, kannst du schon mal die Tasche packen“, sagt Torsten Holm-Dankert.

Ziemlich sicher ist das Hochwasser dann bald auch im Norden. Auf Wasser jeder Art ist das Rostocker THW eingestellt. Zwei acht Meter lange „Mehrzweckarbeitsboote“ stehen neben den Einsatzfahrzeugen in der riesigen Halle im Alsterweg. Daneben ein eigenhändig geländegängig umgebauter DDR-Lkw IFA L60. „Das dürfte der einzige in Deutschland sein“, meint Holm-Dankert.

Mitmachen: Das THW sucht noch Mitstrei-

ter für den Ausbildungsstart am 15. Sep-

tember. Infos unter ☎ 0160 / 7 42 72 79.

Gerald Kleine Wördemann

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