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Rostock Die großen Gewinner und Verlierer des Sommers
Mecklenburg Rostock Die großen Gewinner und Verlierer des Sommers
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06:39 05.11.2018
Volle Strände: Großen Andrang wie hier am Ostseestrand von Zinnowitz auf der Insel Usedom gab es in diesem Sommer überall im Land. MV steuert auf einen neuen Übernachtungsrekord zu. Quelle: Stefan Sauer/ dpa
Rostock

Monatelanger Sonnenschein und wenig Regen hat in Mecklenburg-Vorpommern 2018 bei den einen für Jubel und bei den anderen für Schwierigkeiten gesorgt. Hier kommen die fünf größten Profiteure und die fünf größten Verlierer des Traumsommers.

Fünf Gewinner:

1. Tourismus-Branche im Dauer-Hoch: Durch das seit Monaten anhaltende gute Wetter steuert Mecklenburg-Vorpommern auf einen neuen Gäste-Rekord zu. „Das wird ein sehr gutes Jahr. Die Tendenz geht in Richtung Rekord“, sagt Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV. Die bisherige Bestmarke stammt aus dem Jahr 2016 mit 30,3 Millionen Übernachtungen.

2. Schlange stehen für Eis: Die Eisdielen, Cafés und Hersteller profitieren von dem Wahnsinns-Wetter. Umsatz schnellte in ungeahnte Höhen, wie viele Inhaber auf Anfrage berichten. Seit Mai floriert das Geschäft, teilweise bildeten sich lange Schlangen vor den Ständen. Für seine fünf „Coco Eismilchbars“ produzierte Michael Kirchhoff in Kröpelin beispielsweise täglich 1000 Liter Frucht- und Milcheiscremes. Die Saison sei gerade fürs Personal heftig gewesen. Auch das Café „Moritz“ in Koserow auf Usedom konnte sich vor Gästen kaum noch retten. Es sei die längste Eissaison seit der Eröffnung vor 14 Jahren gewesen. Mitunter hatten Chefin Doreen Grambow-Knuth und ihr Team abends bis nach 22 Uhr geöffnet.

Sonne ohne Ende: Auch jetzt, Anfang November, ist noch kein richtiger Herbst- oder Wintereinbruch in Sicht. Monatelanger Sonnenschein und wenig Regen hat in Mecklenburg-Vorpommern 2018 für Jubel und Leid gleichermaßen gesorgt. Das sind die fünf großen Verlierer und Gewinner in Bildern.

3. Reißender Absatz auch bei den Getränkeherstellern: Die Umsätze bei Getränkeherstellern und Bierbrauern stiegen steil an. In der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund war das „sonnige Wetter das i-Tüpfelchen auf der generell sehr guten Entwicklung“, sagt Unternehmens-Sprecherin Elisa Raus. „Generell war die Nachfrage nach den alkoholfreien Spezialitäten der Braumanufaktur sehr groß: Bei Temperaturen um die 30°C gab es einen regelrechten Run auf das Frei-Bier Alkoholfrei und das Bernstein-Weizen Alkoholfrei, die seit Januar deutlich zweistellig gewachsen sind. 2017 haben wir insgesamt 200 000 Hektoliter Störtebeker Brauspezialitäten produziert und abgesetzt. Bei der guten Entwicklung in den letzten Monaten rechnen wir in diesem Jahr mit einem zweistelligen Plus bei den Absatzzahlen.“

Zeitweise war die Nachfrage so groß, dass das Leergut zum Wiederbefüllen knapp wurde – wie fast überall. „Gutes Wetter ist immer noch der beste Bierverkäufer“, freute sich in diesem Sommer Peter Christian Gliem, Chef der Rostocker Brauerei. Bereits im Juni stellte Axel Heidebrecht, Chef der Getränkemarktkette Getränkeland, fest: „Unser Absatz ist gigantisch gut.“ Die Kette betreibt in MV rund 90 Filialen.

4. Freibäder platzten aus allen Nähten: Rekorde verzeichneten sehr viele Bäder im Land. Eines davon ist das Flussbad in Rostock – mehr als doppelt so viele Menschen als noch 2017 sprangen hier ins kühle Nass, nämlich 34 000 (2017: 16 000)! Der bisherige Rekord lag laut Uwe Richter, Vorsitzender des Wassersportvereins Warnow Rostock (WSW) Rostock, bei 24 000 Besuchern. Das Freibad in Grevesmühlen am Ploggensee hatte mit 18 500 Besuchern ebenfalls „den besten Sommer überhaupt. 15 000 Besucher kamen nach Grimmen und Kirch Baggendorf. Auch hier deutlich mehr als im Vorjahr.

5. Spitzenernte bei vielen Obstbauern: Die Obstbauern und auch viele Kleingärtner aus MV haben trotz der Dürre in diesem Jahr eine sehr gute Ernte eingefahren. Bei Erdbeeren, Kirschen und Äpfeln spricht Agrarminister Till Backhaus (SPD) sogar von einer Spitzenernte. So seien 7548 Tonnen Freilanderdbeeren gepflückt worden – fast 1400 Tonnen mehr als 2017. Auch viele Äpfelbäume bogen sich unter Last ihrer Früchte: Laut Umweltministerium wurden 43 616 Tonnen Äpfel geerntet. Die Sauerkirschernte 2018 erbrachte knapp 190 Tonnen, die der Süßkirschen 83,4 Tonnen.

Fünf Verlierer:

1. Des Obstbauern Freud ist des Ackerbauern Leid: Den Landwirten im Ackerbau hat die Dürre enorm zugesetzt. Laut Statistischem Landesamt in Schwerin sind die Erträge insgesamt um mehr als ein Viertel eingebrochen. Die Feldfrucht-Ernte 2018 blieb insgesamt um 27 Prozent hinter dem bundesweiten Durchschnittswert der Jahre 2012 bis 2017 zurück.

Weil die Ernte auf den Feldern durch die Trockenheit deutlich geringer ausgefallen ist also sonst, haben die auch Bauern mit Vieh große Probleme, genug Futter für ihre Tiere im Winter bereitzustellen. Christian Ehlers vom Bauernverband Nordvorpommern glaubt, dass die Zahl der tierhaltenden Betriebe noch weiter abnehmen wird.

531 Millionen Euro Ernteschäden wegen Dürre hat Agrarminister Till Backhaus (SPD) in diesem Sommer landesweit errechnen lassen. Rund ein Drittel der ­Ernte in MV ist verdorrt. Durch die lange Trockenheit haben Betriebe bis zu 450 Euro weniger Einnahmen je Hektar, teilweise sogar Totalverluste. Land und Bund wollen mit jeweils 25 Millionen Euro helfen. Allerdings müssen mindestens 30 Prozent ­Ernteverlust gegenüber Vorjahren nachgewiesen werden.

2. Gemüse wird teurer: Probleme bei den Landwirten wirken sich auch auf die Preise, und damit auf den Verbraucher, aus: Vor allem Freilandgemüse hat unter der Dürre gelitten. „Bei den Kartoffeln fällt die Ernte geringer aus als 2017“, sagt Experte Martin Umhau von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Er rechnet mit einem Preisanstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Salate: Schon im August mussten die Verbraucher gut 70 Prozent mehr für Eisbergsalat zahlen. Auch bei Möhren und Zwiebeln hat die Dürre auf die Erträge gedrückt. Bei den Zwiebeln fällt die Ernte gut ein Viertel kleiner aus als im Durchschnitt. Salatgurken waren Anfang September so teuer wie lange nicht mehr. Kurzzeitig lagen sie im Schnitt bei mehr als einem Euro je Stück. Bei den feineren Kohlarten war das Angebot knapp. Auch bei Kohlrabi und Brokkoli zogen laut DLG die Preise an.

3. Bescheidener Sommer für die Museen: Die Gewinner des Regensommers 2017 sind die Verlierer des Super-Sonnen-Sommers 2018. Den meisten Museen, Kunsthäusern und Schlössern blieben die Gästescharen fern. Im Ozeaneum und Meeresmuseum Stralsund habe der ungewöhnlich lange und heiße Sommer für weniger Einnahmen in der Museumskasse sorgt, hieß es jüngst aus der Marketingabteilung. Auch die Besucherzahlen der Kunsthalle Rostock seien niedriger als 2017. Allerdings gibt es dort auch Bauarbeiten. Auch im Kunstmuseum Ahrenshoop, dem Phantechnikum in Wismar und in den landeseigenen Schlössern war es ruhiger als im vergangenen Sommer. Letztere hatten einen Besucherrückgang von elf Prozent zu verzeichnen, wie Heidemarie Otto von den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen MV berichtete.

4. Enorme Waldschäden: Stadtparks und Wälder in MV haben durch die Hitze stark gelitten. Viele Bäume sind geschwächt und haben teils große Äste verloren. 40 500 Kubikmeter Schadholz durch Borkenkäferbefall lautet das bisherige Fazit des Landesverbandes vom Bund Deutscher Forstleute (BDF). Hinzu kommen 387 Hektar Dürreschäden im Kultur- und Jungwuchsbereich. Die Folgen durch Stürme und die vielen Waldbrände noch nicht miteingerechnet. „Allerdings ist das noch nicht alles, erst im Frühjahr werden wir die tatsächlichen Schäden sehen und welche Bäume es nicht geschafft haben“, sagt Peter Rabe, Landesvorsitzender des BDF. Die größten Sorgen machen den Forstleuten die Fichten im Land, die als Flachwurzler besonders stark unter der Dürre gelitten haben. Die extreme Trockenheit hat zudem dafür gesorgt, dass die Borkenkäfer sich in Massen vermehren und die Bäume zusätzlich stressen. Es fehle das Wasser, um das Harz für die Käferabwehr zu produzieren. Rabe spricht vom „schlechtesten Jahr“ für den Wald in MV, seit mindestens 2002.

5. Fischen und Kranichen geht das Wasser aus: Durch die Trockenheit sind die Wasserstände der Seen und Flüsse bedrohlich gesunken. Das ist nicht nur schlecht für die Binnenschifffahrt, sondern vor allem für die tierischen Bewohner. Es fehlten im Schnitt 50 bis 70 Zentimeter Wasserstand, mitunter auch deutlich mehr als ein Meter, heißt es vom Landesanglerverband. Angler befürchten Fischsterben in flachen Gewässern, sobald im Winter starke Eisbedeckung eintritt. Außerdem litten die Kraniche unter den Folgen des trockenen Sommers. Viele Moore und andere Gewässer, an denen Kranichen ihre Schlafplätze suchen, sind ausgetrocknet. Andere, noch mit Wasser bedeckten Flächen sind damit besser besucht. Die Tiere schlafen nachts stehend in Flachwassergebieten. Ob es Auswirkungen auf die Jungtiere hat, ist noch nicht klar. Möglich ist, dass in ausgetrockneten Feuchtgebieten der Nachwuchs durch Füchse geholt wurde.

Virginie Wolfram

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