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Die wahrscheinlich größte Familie Rostocks

Steintor-Vorstadt Die wahrscheinlich größte Familie Rostocks

Die Bewohner der II. Sankt- Jürgen-Straße sind wie eine große Familie. Gemeinsame Feste haben sie zusammengeschweißt. Straßenältester Herbert Sponholz (73) erzählt, wie es dazu kam.

Steintor-Vorstadt. Als das Ehepaar Ursula und Herbert Sponholz vor vier Jahren in sein neues Haus in der II. St.-Jürgen-Straße 23 eingezogen ist, hatte es ein schlechtes Gewissen. „Wir haben ganz schön viel Lärm gemacht bei der Sanierung des Hauses“, erinnert sich der pensionierte Professor für Zahntechnik: „Allein hätten wir die Arbeit am Haus nie geschafft. Unsere Freunde konnten nur am Wochenende helfen.“ So kam es, dass die Nachbarn jeden Sonnabend und Sonntag dem Baulärm der ihnen damals noch unbekannten neuen Nachbarn ausgesetzt waren. Die Sponholzens waren überrascht, dass sich zu keiner Zeit jemand beschwert hatte. Aus Dankbarkeit entschloss sich das Rentnerehepaar spontan für einen kleinen Umtrunk, eine Begrüßungsfeier für die neuen Nachbarn, die sich als so tolerant erwiesen hatten. „Das war die perfekte Gelegenheit, die Leute in unserem neuen Wohnumfeld besser kennen zu lernen“, sagt Ursel, wie Herbert Sponholz seine Frau liebevoll nennt. Im Jahr darauf gab es zwei weitere Begrüßungsfeten von Familie Sommerfeld und Familie Drawe. Die gemeinsamen Parties müssen den Anwohnern so viel Freude bereitet haben, dass nun jedes Jahr ein Straßenfest in der

II. St.-Jürgen-Straße steigt.

Im vergangenen Jahr habe die Familie Schrank das erste Straßenfest organisiert. Alle haben mitgeholfen. „Das war richtig schön“, schwärmt Ursula: „Nachmittags haben die jungen Leute mit den Kindern gespielt und abends kümmerten sie sich um uns.“ Als es am späten Nachmittag anfing zu regnen, stellten alle gemeinsam fix ein Zelt für die Grillparty am Abend auf. In diesem Jahr hat Familie Drawe, die übrigens das älteste Haus der Straße bewohnt, das Zepter der Organisation für das zweite Fest der II. St.-Jürgen-Straße am 30. Juni übernommen.

Ursula und Herbert Sponholz sind überaus glücklich, in dieser Straße zu wohnen. „Es ist ein bisschen wie in einem Dorf hier“, so der 73-Jährige: „Schön ruhig, wundervolle alte Häuser und die Kinder können auf der Straße spielen. Wo gibt es das schon noch in Rostock?“

Die Sponholzens zeigen sich überaus belesen zur Historie der Straße. Der Professor holt ein Buch über die Geschichte Rostocks aus seinem Schrank und schlägt eine Seite mit einer 260 Jahre alten Karte der Hansestadt auf. Zacharia Vogt hatte sie 1745/46 gemalt. Die Karte zeigt einen kleinen Teil Rostocks, den heutigen Kern der Stadt. Rundherum sind Wiesen und Felder eingezeichnet, am Rand des Bildes sieht man eine kleine Häuserreihe: die II. St.-Jürgen-Straße. Ihre Häuser stammen zum Teil aus dem Mittelalter, berichten Ursel und Herbert Sponholz. „Man nannte dies früher das Lepraviertel, die Gebäude hießen Bagendehäuser“, fachsimpelt Prof. Dr. Sponholz. Außerdem hieß die Straße früher St.-Georg-Straße. Als die heutige den Namen bekam, wurde die alte auf St.-Jürgen-Straße umgetauft.

Um 1990 begannen die ersten Renovierungsarbeiten an den zum Teil schon verfallenen Häusern. „Bis vor ein paar Jahren wohnten hier nur ältere Menschen“, weiß der Straßenälteste. Er und seine Frau finden es gut, dass sich nun auch junge Familien mit Kindern den alten Gebäuden angenommen haben.



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