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Rostock Rostocker Experte: Diesel-Deal ist fauler Kompromiss
Mecklenburg Rostock Rostocker Experte: Diesel-Deal ist fauler Kompromiss
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07:00 08.10.2018
Dieselabgase enthalten neben Stickoxiden noch viele weitere Schadstoffe. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Rostock

Ein renommierter Rostocker Mediziner schlägt Alarm: Die Einigung der Großen Koalition in Berlin in der Diesel-Affäre reiche nicht aus, um die Gesundheitsgefahren durch Autoabgase wirksam zu bekämpfen. Prof. Marek Lommatzsch, Lungenfacharzt an der Uniklinik und Vorsitzender des Deutschen Lungentages, warnt: „Ziel muss sein, dass kein Auto mehr zu viele Schadstoffe ausstößt – und das darf nicht auf Dieselfahrzeuge beschränkt bleiben.“ In der aktuellen Debatte gehe es vor allem um Stickoxide, aber alleine durch Feinstaub würden Berechnungen zufolge 66 000 Menschen pro Jahr in Deutschland sterben. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Belastungen fast immer unter den gesetzlichen Richtwerten bleiben, seien Risiken nicht zu unterschätzen.

Der Lungentag hatte gerade erst einen Forderungskatalog zu dem Thema vorgelegt: „Alle Autos, die über den Grenzwerten liegen, müssen nachgerüstet werden – meiner Ansicht nach auf Kosten der Hersteller“, sagt der international renommierte Experte. „Der Nahverkehr in den Städten muss attraktiver gemacht werden, idealerweise, indem er kostenlos wird.“ Auch die Elektromobilität müsse stärker gefördert werden, meint Lommatzsch.

Stickoxide können Lungenerkrankungen dramatisch verschlimmern

Die Gefährlichkeit von Stickoxiden sei kaum statistisch zu belegen, da sie in der Umwelt nicht in reiner Form vorkommen: „Wo Stickoxide nachgewiesen werden, ist das immer ein Hinweis darauf, dass auch andere Schadstoffe in der Luft sind, etwa Ozon, Kohlenmonoxid oder Schwefeldioxid.“ Klar sei jedoch, dass Stickoxide Lungen- und Atemwegserkrankungen dramatisch verschlimmern können. „Sie wirken bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Bronchitis oder Asthma wie Brandbeschleuniger“, erklärt der Experte. Dies könne schon ausgelöst werden, wenn sich Risikopatienten zu lange an besonders belasteten Straßen oder Kreuzungen aufhalten. Die Folgen reichten bis zu schweren Asthmaanfällen oder Lungenentzündungen.

Der höchste Jahresmittelwert für Feinstaub wurde 2017 in Rostock an der viel befahrenen Straße „Am Strande“ gemessen. Mit 22 Mikrogramm pro Kubikmeter lag er nach Zahlen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie deutlich unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im gleichen Jahr wurde jedoch der erlaubte Tageswert 16 Mal überschritten – zehn Mal häufiger als im Jahr davor.

Grenzwerte seien von Politik willkürlich festgelegt

Doch auch wenn in MV die Werte größtenteils stimmen: Die Grenzwerte für Stickoxide, aber auch für Feinstaub sind aus Sicht von Professor Lommatzsch von der Politik rein willkürlich festgelegt. „Bei Feinstaub steigt die Todesrate, sobald der Wert Null übersteigt“, warnt Lommatzsch. Feinstaub lagere sich in Blutgefäßen an und könne zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs führen. „Dennoch wären wir erstmal zufrieden, wenn wenigstens die Grenzwerte eingehalten würden.“ In Hafenstädten wie Rostock sorgen außerdem vor allem die Abgase von Schiffen für hohe Schadstoffwerte.

Axel Büssem

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