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Rostock Dieser Arzt brachte halb Rostock auf die Welt
Mecklenburg Rostock Dieser Arzt brachte halb Rostock auf die Welt
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15:20 13.02.2019
Der Rostocker Gynäkologe Dr. Albrecht Ibrügger wäre am 13. Februar 2019 100 Jahre alt geworden. Quelle: Atelier Eggers
Rostock

Ursula Rosentreter (85) wird diese Episode wohl nie vergessen. „1956 wurde mein erster Sohn geboren. Ich habe ihn im damaligen Städtischen Entbindungsheim in der August-Bebel-Straße 1b zur Welt gebracht. Dessen Leiter war Dr. Albrecht Ibrügger, ein über Rostock weit hinaus bekannter Gynäkologe und Geburtshelfer. Neben seinem hohen medizinischen Können zeichnete ihn ein sehr einfühlsamer Umgang mit seinen Patientinnen aus“, denkt die Hansestädterin zurück. Der Arzt überraschte sie damit, dass er sie angesichts eines fehlenden Fahrstuhls behutsam auf seinen Armen in den Kreißsaal brachte, der eine Etage tiefer lag. Eine Hilfe, die er, wie sich die Seniorin erinnert, auch anderen angedeihen ließ. In einem anderen Fall brachte Ibrügger sie sogar nach einem kleinen operativen Eingriff „bis vor die Haustür nach Reutershagen, um sicher zu sein, dass ich wohlbehalten ankomme.“

Albrecht möchte wie sein Vater Arzt werden und Menschen helfen

Dr. Albrecht Ibrügger wäre am 13. Februar 100 Jahre alt geworden. Er gehört zu den Rostocker Medizinern, die aufgrund besonderer menschlicher Eigenschaften und herausragender fachlicher Fähigkeiten bis heute einen Platz im kollektiven Gedächtnis der Hansestädter behalten haben. Seine Wiege steht in der Nähe von Stargard in Hinterpommern. Hineingeboren in die schwere Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Sein Vater ist Landarzt. Er hat Mühe, seine Familie mit vier Kindern durchzubringen. Der große Einsatz des Vaters für seine meist armen Patienten, entgeht Albrecht nicht. Die Not jener Jahre, verbunden mit Krankheit und Elend, lässt seinen Wunsch reifen, Menschen ebenso zu helfen. Deshalb steht es für ihn fest: „Ich will Arzt werden!“

1944, mitten im Krieg, er hat den Einberufungsbefehl schon in der Tasche, l

Dr. Nikolaus Ibrügger ist der Sohn des bekannten Arztes. Quelle: Werner Geske

egt er sein Staatsexamen ab. Als Truppenarzt erlebt er alle Gräuel des Krieges. Er selbst kommt gerade noch davon. Doch die Heimat ist verloren. Das Jahr 1946 sieht den jungen Arzt in Rostock. Dorthin folgen ihm auch die Eltern, die in Gehlsdorf ein neues Zuhause finden. Der Vater kann hier wieder praktizieren. Auch für den Sohn gibt es genug zu tun. „Er wurde in das Flüchtlingslager im Rossewitzer Herrenhaus bei Laage geschickt, um dort eine Fleckfieberepidemie einzudämmen. Für die meisten Kranken kam leider jeder Hilfe zu spät. Auch mein Vater erkrankte schwer. Doch er hatte Glück und überlebte“, erzählt Dr. Nikolaus Ibrügger (70), Sohn des unvergessenen Mediziners und selbst lange als Radiologe tätig.

Kampf gegen hohe Säuglingssterberate

In Rostock herrschen nach dem Krieg Hunger, Not und Obdachlosigkeit. Krankheiten grassieren. Auch die Säuglingssterblichkeit ist hoch. Jedes siebte Baby stirbt in den ersten Monaten nach der Geburt. Albrecht Ibrügger will etwas dagegegen tun. Er bewirbt sich an der Universitätsfrauenklinik. Dort übernimmt er eine Stelle als Assistenzarzt, lässt sich zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe ausbilden. Schon bald können sich er und seine Kollegen über Fortschritte im Kampf gegen das Säuglingssterben freuen. 1952 - in Rostock praktizieren damals nur drei niedergelassene Gynäkologen - wird ihm die Leitung des neuen Städtischen Entbindungsheims in der August-Bebel-Straße 1a übertragen, gleich neben seiner eigenen gynäkologische Praxis in der Bebelstraße 1b. Das Heim erhält später in der Rosa-Luxemburg-Straße 6 ein neues Domizil. Mit 20 Betten und zwei Kreißsälen gibt es ab 1952 gute Voraussetzungen dafür, dass noch mehr Frauen fürsorglich betreut in einer Klinik entbinden können. 16 Jahre leitet Dr. Ibrügger diese Einrichtung. „Fast 16 000 Kinder, das waren bis zu 1000 pro Jahr, kamen mit Hilfe meines Vater in dieser Zeit auf die Welt“, nennt Sohn Nikolaus erstaunliche Zahlen. Der legendäre Mediziner, einmal auf seine Verdienste angesprochen, wehrte nur bescheiden ab: „Es waren einfach keine Ärzte da und die Kliniken hoffnungslos überlastet! Da war solch großer Einsatz unabdingbar.“

1968, die Situation hat sich längst verbessert, übernimmt das Bezirkskrankenhaus in der Südstadt die Geburtshilfe. Der Gynäkologe ist nun ausschließlich in seiner eigenen Niederlassung in der Stephanstraße tätig. Von dort wechselt er noch einmal in die Baleckestraße, wo er ebenfalls in Praxisgemeinschaft mit seiner Frau, Dr. Juliane Ibrügger, ebenfalls niedergelassene Frauenärztin, arbeitet. Nebenamtlich leitet Dr. Albrecht Ibrügger die sogenannte Abrechnungsstelle für niedergelassene Ärzte und Zahnärzte in den drei Nordbezirken der DDR.

Ibrügger verbringt Ruhestand mit seiner Familie

Der Mediziner setzt sich im Alter von 72 am 1. April 1991 nach 47 Dienstjahren eher widerwillig zur Ruhe. „Mir graut vor dem Ruhestand“, gibt er zuvor immer wieder zu. Doch noch sind ihm fast neun Lebensjahre vergönnt. Eine Zeit, in der sich gerne seiner Familie widmet, zu der drei Söhne, eine Tochter und sieben Enkelkinder gehören. „Unser Vater war ein Familienmensch. Er hatte es gerne, wenn wir alle um ihn waren“, denkt Nikolaus Ibrügger zurück. Als Dr. Albrecht Ibrügger am 28. Februar 2000 verstirbt, trauert mit der Familie eine große Zahl von Patientinnen, Berufskollegen und Menschen, denen er auf die Welt verholfen hatte.

Werner Geske

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