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Rostock DGB Neujahrsempfang: Diskussionen um Tarifverträge und Wohnraum
Mecklenburg Rostock DGB Neujahrsempfang: Diskussionen um Tarifverträge und Wohnraum
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06:11 13.02.2019
Fabian Scheller (r.), Regionsgeschäftsführer des DGB, lud zum Neujahrsempfang. Dort wurde unter anderem die Gedenkausstellung des Historikers Dr. Günter Morsch eröffnet. Quelle: Flemming Goldbecher
Rostock

Wie gerecht ist Rostock für seine Bürger? Das war eines der zentralen Themen, über die Politiker und Gewerkschafter beim Politischen Neujahrsempfang des Deutschen Gewerkschaftsbundes Rostock-Schwerin (DGB) am vergangenen Montag diskutierten. Mit Nachdruck formulierte Bürgerschaftspräsident Dr. Wolfgang Nitzsche sein Hauptanliegen in seiner Grußrede zu Beginn der Veranstaltung: “Nie wieder dürfen sich Gewerkschaften und Politik so weit voneinander entfernen, wie in den vergangenen Jahren.“ Vor zahlreichen Mitgliedern der Rostocker Bürgerschaft sowie Vertretern von Gewerkschaften und Unternehmen der Region sprach er von seiner Hoffnung auf einen „demokratischen Schulterschluss“ zwischen politischen Parteien und Gewerkschaften, damit „gute Arbeit, Solidarität und Gerechtigkeit“ wieder bei den Menschen ankämen.

DGB-Geschäftsführer Fabian Scheller begrüßte auf der Veranstaltung neben Nitzsche und Sozialsenator Steffen Bockhahn (beide Linke) auch Politiker der Grünen und der SPD. Er sprach sich vor den Gästen vor allem für mehr Tarifverträge für die Beschäftigten aus. „Unternehmen müssen sich stärker zu einheitlicher Bezahlung ihrer Angestellten bekennen“, betonte er. Gerade einmal 23 Prozent der Arbeitnehmer in Rostock verfügten laut Scheller derzeit über einen Tarifvertrag. Das müsse sich drastisch ändern.

Thema Gerechtigkeit: Viel Luft nach oben

In die gleiche Kerbe haute auch Stefan Schad, Geschäftsführer der IG Metall Rostock-Schwerin. Zwar gebe es Großbetriebe mit guten Verträgen für die Arbeitnehmer, aber vor allem kleine und mittelständische Unternehmen hätten keine zufriedenstellenden Regelungen im Sinne ihrer Angestellten getroffen. „Die Betriebe tun zu wenig, um die Einkommensunterschiede zwischen den Menschen zu verringern“, monierte Schad.

Bei der Frage nach Gerechtigkeit in Rostocks Gesellschaft ist sich DGB-Chef Scheller sicher: „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Gerade wenn es um die Wohnsituation und die Lebenskosten für die Bürger gehe, sei Rostock absolut ungerecht. „Der soziale Wohnungsbau muss vorangetrieben werden, die Attraktivität einiger Stadtviertel muss steigen“, meinte Scheller. Auch beim Thema Infrastruktur bekämen die Leute zunehmend die Defizite in der Stadtplanung vor Augen geführt: „Überfüllte Straßen und öffentliche Verkehrsmittel zu den Stoßzeiten zeigen, dass neue Pläne zur Kapazitätserweiterung her müssen.“

„Ghettoisierung der Gesellschaft“

Zum Thema Wohnraum äußerte sich auch Elke Watzema, Personalratsvorsitzende der Stadtverwaltung. „Wohnen muss in allen Stadtteilen bezahlbar sein. Sonst wird sich die Gesellschaft noch mehr spalten.“ Jessica Raue vom Bezirksvorstand Verdi sprach in diesem Zusammenhang gar von einer „Ghettoisierung der Gesellschaft“, von der die Bevölkerung Rostocks zunehmend erfasst werde. Rainer Albrecht, Landtagsabgeordneter der SPD, plädierte vor allem für mehr Engagement bei den Bürgern: „Um Veränderungen zu erwirken, müssen sich die Menschen besser organisieren, zum Beispiel in Gewerkschaften.“ Seine Tischnachbarinnen Watzema und Raue hingegen sehen eher Parteien in der Pflicht, die Gewerkschaften stärker zu unterstützen und verwickelten den Politiker in eine Debatte.

Der DGB nutze den Neujahrsempfang zudem für die feierliche Eröffnung der Ausstellung „Seid wachsam, dass in Deutschland nie wieder die Nacht hereinbricht – Gewerkschafter in Konzentrationslagern 1933-1945“, die der Historiker und Politikwissenschaftler Dr. Günter Morsch ins Leben gerufen hatte. Die Ausstellung erinnert an den Widerstand von Gewerkschaftern zur Zeit des Nationalsozialismus, den viele von ihnen mit der Inhaftierung und dem Leben bezahlen mussten. „Der Umfang gewerkschaftlichen Widerstands zur NS-Zeit wird bis heute deutlich unterschätzt“, erklärte Morsch die Motivation zur Wanderausstellung, die noch bis zum 18.02.2019 im Rathaus zu sehen sein wird.

Flemming Goldbecher

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