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Rostock Doberans Ämter vor dem K.o.: Güstrow setzt zum Tiefschlag an
Mecklenburg Rostock Doberans Ämter vor dem K.o.: Güstrow setzt zum Tiefschlag an
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00:00 11.03.2013
Arne Schuldt (Güstrow, l.) gegen Thorsten Semrau. Montage: Arno Zill Quelle: imago sportfotodienst
Bad Doberan

Für die Münsterstadt wäre das der wirtschaftliche K.o.-Schlag: Die neue Kreisstadt Güstrow will den Doberanern die letzten verbliebenen Ämter der Kreisverwaltung wegnehmen. Arne Schuldt, parteiloser Bürgermeister der 30 000-Seelen-Stadt, bot dem Landkreis bereits zusätzliche Büro-Gebäude an — damit der seine Außenstelle am Kamp komplett aufgibt. In Doberan reagieren Politik und Verwaltung sauer auf den Überraschungsangriff: „Das wäre ein Tiefschlag. Dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren“, sagt Schuldts Kontrahent im Kampf um die Ämter, Doberans Verwaltungschef Thorsten Semrau (parteilos).

„Ja, Güstrows Bürgermeister ist an uns herangetreten mit dem Wunsch, noch mehr Ämter in der Stadt anzusiedeln“, bestätigt Vize- Landrat Rainer Boldt (SPD). Die Attacke aus Güstrow hat sogar Aussicht auf Erfolg. Denn am Standort Doberan muss der Landkreis ab 2016 richtig Geld in die Hand nehmen. Nur die alten Verwaltungsgebäude am Kamp gehören dem Landkreis. Der Neubau hingegen ist nur gemietet. „2016 endet der bisherige Vertrag für die Immobilie. Dann müssen wir uns entscheiden, ob wir weiterhin mieten wollen, kaufen oder ausziehen“, so Boldt. Noch sei keine Entscheidung gefallen. Angeblich wären für einen Kauf des Hauses mehrere Millionen Euro nötig.

Erst vor wenigen Tagen hatte Boldt Bürgermeister Semrau informiert. „Ich habe etwas gegen feindliche Übernahme. Die beiden alten Kreisstädte sollten sich auf Augenhöhe begegnen”, so Semrau. Er fürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen in seiner Stadt: „Die Polizeiinspektion haben sie uns genommen, dann den Kreissitz. Jetzt sollen das Amtsgericht und die letzten Ämter abwandern. Doberan bleibt auf der Strecke.” Bereits zur nächsten Stadtvertreter-Sitzung im März will er eine Resolution für den Erhalt der Außenstelle Doberan einbringen.

Unterstützung ist ihm gewiss: „Man kann uns doch nicht alles wegnehmen. Der Kreis muss vor Ort präsent bleiben”, sagte Gerlinde Heimann (Linke), designierte Stadtpräsidentin. „Ältere Mitbürger aus Kühlungsborn oder Rerik sind den ganzen Tag unterwegs, nur um einmal die Verwaltung in Güstrow aufzusuchen.” Schon jetzt sei Doberans Innenstadt tagsüber wie leer gefegt. „Viele Mitarbeiter des Landkreises werden nach Güstrow ziehen. Dann ist die Stadt tot.” Das fürchtet auch CDU-Fraktionschef Stephan Krauleidis: „Weitere Verluste an Kaufkraft und Steuereinnahmen können wir nicht verkraften.”

Mögliche Rettungsidee: Die stadteigene Wohnungsgesellschaft WIG könnte das Verwaltungshaus kaufen und für eine geringe Miete weiter an den Landkreis vermieten. „Das wäre denkbar”, so Krauleidis. Und SPD-Frontfau Birgit Mersjann sagt: „Wir müssen gemeinsam alles tun, damit die Außenstelle des Landratsamtes erhalten bleibt.”

Das Gesetz hat die Stadt nicht auf ihrer Seite, erklärt Marion Schlender, Sprecherin im Innenministerium. „Im Gesetz sind lediglich die Kreisstädte festgeschrieben. Dort soll der Landrat den Sitz haben. Ob ein Landkreis aber Außenstellen unterhält, muss er allein entscheiden.” Einziger Hoffnungsschimmer: Ein Ausbau der Kreisverwaltung am bisherigen Standort in Güstrow sei nicht möglich, sagt Vize-Landrat Boldt. Und Geld für eine teure Sanierung von Gebäuden in Güstrow werde der Landkreis auch nicht ausgeben. Außerdem: „Der Altbau in Doberan gehört uns. Er ließe sich nur schwer für andere Aufgaben nutzen”, sagt Boldt. Güstrows Stadtverwaltung äußerte sich bislang nicht.

Die beiden alten Kreisstädte sollten sich auf Augenhöhe begegnen.”Thorsten Semrau, Bürgermeister Bad Doberan

Andreas Meyer

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