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Rostock Doppelter Einsatz für die Feuerwehren
Mecklenburg Rostock Doppelter Einsatz für die Feuerwehren
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00:00 26.09.2018
Bad Doberan

Nicht nur ein heißer Sommer liegt hinter den Kameraden der Feuerwehren im Landkreis Rostock. „Es war bisher ein heißes Einsatzjahr“, blickt Kreisbrandmeister Mayk Tessin zurück. Die Einsatzzahlen der Wehren hätten sich seit Jahresbeginn bis zum 31. August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt. Sind sie bis Ende August 2017 noch 938 Mal ausgerückt, waren es nun 1707 Mal.

Kreisbrandmeister Mayk Tessin blickt auf einen heißen Sommer der Feuerwehren im Kreis zurück. Quelle: Foto: Doris Deutsch

Wie verteilen sich die Einsätze der freiwilligen Feuerwehren?

Mayk Tessin: In 1067 Fällen, und das sind tatsächlich knapp doppelt soviele wie im Vorjahr, sind die Kameraden zu technischen Hilfeleistungen ausgerückt. Also zu Verkehrsunfällen, Öl oder Bäumen auf der Straße, oder zur Beseitigung von Schneebruch zu Ostern beispielsweise. 640 Mal hat es gebrannt – Folge des heißen, trockenen Sommers. In 150 Fällen standen Felder, Ödland oder Mähdrescher in Flammen. Und dann gab es die großen Deponiebrände in Hinrichsdorf und Parkentin.

Doppelt soviele Einsätze bei annähernd gleichbleibendem Personal. Wie stecken die Kameraden das weg?

Die Belastung ist schon sehr hoch. Wir haben 164 Feuerwehren im Landkreis mit 4129 Aktiven, ein leichter Anstieg. Wir sind froh, dass die Arbeitgeber in der Regel die Feuerwehrleute freistellen, auch wenn es für manch kleinen Handwerksbetrieb in diesem Jahr eine Herausforderung ist. Die Gemeinden übernehmen die Lohnfortzahlung. So gab es den Fall, dass wir nicht ausrücken und helfen können, noch nicht.

Wie werden die Kameraden motiviert, zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzklar zu sein? Was ist ihr Lohn?

Ich würde sagen, jeder Kamerad hat ein kleines Helfersyndrom. Ein Feuerwehrmann darf und kann Hilfe leisten, das spornt an. Und ab und zu gibt es den Dank derer, denen geholfen wurde. Die meisten Einwohner allerdings sehen das Engagement der Frauen und Männer als selbstverständlich an.

Und lösen auch schon mal einen Fehlalarm aus?

Manchmal liegt keine Notsituation vor. So manches Baumhindernis entpuppt sich als Bäumchen oder Ast, den der Melder mit wenigen Handgriffen selbst hätte aus dem Weg räumen können. Die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung sinkt, der Gedanke vom Staat, der es schon richten wird, verbreitet sich zunehmend. So wird bei Wasser im Keller sofort die Feuerwehr gerufen. Doch wir hatten schon Einsatzstellen, wo wir wieder abgerückt sind und der Eigentümer selbst mit dem Feudel aufwischen musste.

Wie könnte dieses doch besondere Ehrenamt in den freiwilligen Feuerwehren besser gewürdigt werden?

Ich bin gegen Einsatzpauschalen, das sogenannte Stiefelgeld, das spaltet die Kameradschaft. Aber mit zusätzlichen Rentenpunkten für Kameraden könnte der Gesetzgeber etwas erreichen. Es gibt Gemeinden, die haben für ihre Feuerwehr-Mitglieder Versicherungen abgeschlossen, die zur Rente ausgezahlt werden.

Wie steht es um den Nachwuchs?

Wir haben 103 Jugendfeuerwehren, in denen sich 1432 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren einbringen. Hier generieren wir den Nachwuchs für unsere Feuerwehren. Die Freiwilligen stecken hier viel Zeit, Energie und Kraft in die Nachwuchsarbeit. Der Bedarf für die Kinderwehren ist groß. In Nienhagen wurde im Frühjahr eine aufgemacht, mit 20 Kindern als Obergrenze. Nun stehen noch 20 Kinder auf der Warteliste.

Wie gut sind die Wehren im Kreis ausgestattet?

388 Feuerwehrfahrzeuge stehen kreisweit in den Gerätehäusern, davon sind 129 älter als 25 Jahre. Hier offenbart sich in den nächsten Jahren ein riesiger Investitionsbedarf. In der Verantwortung sind zuerst die Gemeinden, die den örtlichen Brandschutz sicherstellen müssen. Der Einsatzort muss innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung erreicht sein. Die Strukturen im Landkreis Rostock sind gut. Allerdings dürfen die Gemeinden nicht über Schließungen nachdenken, dann haben wir weiße Flecken.

Neue Technik ist teuer. Die Gemeinden listen derzeit ihre Feuerwehrbedarfsplanung auf.

Ja, die Bedarfe wurden aufgeschrieben, nun müssen Konzepte zur Umsetzung erarbeitet werden. Das geht alles deutlich in den Millionenbereich. Ein HLF 20 kostet heute rund 450000 Euro, ein TLF mit 4000 Litern um die 350000 Euro, eine Drehleiter etwa 650000 Euro. Dazu kommen Gerätehäuser und die Bereitstellung von Löschwasser, wo die Gemeinden noch Nachholbedarf haben.

Wer soll das bezahlen?

Zuerst die Gemeinden, dann gibt der Landkreis Fördergelder, denn er muss den überörtlichen Einsatz sicherstellen. Das Land fördert, um dieses System für den Katastrophenschutz zu erhalten.

Feuerwehren ohne Sonderaufgaben kommen allerdings selten in den Genuss von Fördermitteln. Da müssen Gemeinden auch mal unkonventionelle Wege gehen. So konnten wir zum Beispiel in Bernitt oder auch Behren-Lübchin neue Gerätehäuser mit Geldern unterschiedlicher Fördertöpfe bauen.

Das Land weist den Kreisen Gelder aus der Feuerschutzsteuer zu, das sind 8,4 Millionen Euro im Jahr. Ihr Amtskollege von Vorpommern-Rügen erhebt den Vorwurf, dass das Land den Feuerwehren dieses Geld vorenthält. Stimmen Sie dem zu?

Das Geld ist laut Finanzausgleichsgesetz, FAG, für den Brandschutz gedacht und zudem für die Unterhaltung der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz in Malchow. Das ist der Haken: Der Ausbildungsbedarf bei 950 Feuerwehren im Land für Führungskräfte und Spezialkurse kann derzeit in Malchow nur zu 40 Prozent abgedeckt werden. Es wurde also zusätzliches Personal eingestellt und 2018 noch zwei Fahrzeuge gekauft. Bedeutet: Weniger Förderung für die Landkreise. Hat der Kreis Rostock 2017 noch 860000 Euro an die Feuerwehren weitergereicht, sind es in diesem Jahr 216000 Euro weniger. Das haben wir so nicht gewusst. Das Geld fehlt nun für Investitionen in Fahrzeuge, Gerätehäuser, Löschwasserteiche. Ich plädiere dafür, die Landesschule aus dem FAG herauszunehmen, die Kosten in den normalen Haushalt einzustellen und die Mittel aus der Steuer für die Landkreise zu erhöhen.

Für die Ausbildung des Kreises wird eine neue Feuerwehrtechnische Zentrale in Beselin gebaut.

Ja, damit ziehen wir die Ausbildung der Kameraden in unseren 164 Wehren und die Geräteprüfung an einem Standort zusammen. Bislang gibt es zwei Zentralen in Güstrow und Kägsdorf bei Kühlungsborn. Die Lage am Autobahnkreuz zwischen A 19 und A 20 ist sehr gut.

Doris Deutsch

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