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Rostock Wunderkammer am Rande des Neubauviertels
Mecklenburg Rostock Wunderkammer am Rande des Neubauviertels
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Pastor Martin Rautenkranz in der Dorfkirche Toitenwinkel. Quelle: Gerald Kleine Wördemann
Toitenwinkel

Michael Berger und Günter Hartwig waren begeistert und entsetzt zugleich. Am Tag des Offenen Denkmals besichtigten sie die Dorfkirche in Toitenwinkel. 24 Jahre ist das jetzt her. Das Bauwerk aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts befand sich in akuter Not. Dabei gleicht die Backsteinkirche im Dorf Toitenwinkel, das große Neubauwohngebiete in Sichtweite, einer Wunderkammer: Wände und Decken sind mit bunten Bemalungen verziert, die Bibelszenen zeigen und aus dem Mittelalter stammen. Unter einem bunten Fenster steht der mächtiger Altar mit zwei Flügeln und gemalten Szenen der Passionsgeschichte. Er enthält unzählige Figuren, sie wurden vermutlich um das 1500 in einer Rostocker Werkstatt geschnitzt. Diese teilweise bereits angegriffenen Kunsthandwerksschätze befanden sich in großer Not: Durch die Mauern drang Feuchtigkeit ins Bauwerk. Die mittelalterliche Backsteinkirche mitsamt ihrer gesamten Pracht drohte zu vergammeln.

„Wir müssen etwas tun“, sagten sich Berger und Hartwig damals. Sie fanden weitere Mitstreiter, gründeten eine Förderverein. Hartwig, zu jener Zeit Chef der Rostocker Wirtschaftsförderung und heute Rentner, organisierte ABM-Kräfte. Das Ergebnis, knapp ein Vierteljahrhundert später: Das Mauerwerk ist trocken, die Kirche ist gerettet, die mittelalterlichen Wandmalereien wurden restauriert. Aber die Sanierung ist längst nicht abgeschlossen.

Am Dienstag bekam Pastor Martin Rautenkranz von der evangelischen Gemeinde Toitenwinkel, zu der die Kirche gehört, einen Spendenscheck über knapp 51 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das Geld stammt aus Spenden und aus Lottomitteln. Das Bauen und Sanieren kann weitergehen. Als nächstes sind die Anbauten an der Reihe, die Gotthilf Ludwig Möckel, einer der wichtigsten Kirchenbaumeister seiner Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts an das Hauptgebäude baute. Er ersetzte auch den originalen, hölzernen Turm durch einen aus Stein und restaurierte den Innenraum. Es war der größte Umbau in der Geschichte der fast 700 Jahre alten Kirche.

Doch der Zahn der Zeit nagt weiter. „Am besten wäre es, alles auf einmal zu sanieren“, sagt Restaurator Michael Lange aus Sachsen, dessen Firma seit September in der Dorfkirche arbeitet. Finanzierbar sind nur Teilarbeiten. Langes Mitarbeiter bauen gerade Gerüste im Mittelschiff ab, Hammerschläge und andere Baulärm hallen durch die Dorfkirche. Sie haben in den vergangenen Monaten die Decken-Holzverkleidung von Schimmel befreit und gereinigt. Bis Februar sind die Restauratoren aus Sachsen nun an den Anbauten von Baumeister Möckel zugange.

Das Kirchenschiff wird Heiligabend wieder so schön aussehen wie gewohnt. Zu drei Gottesdiensten lädt die Kirchgemeinde Toitenwinkel, die 1000 Mitglieder zählt, an diesem Tag an. „Die Kirche ist bei allen drei Gottesdiensten voll“, sagt Pastor Rautenkranz. Sein Lieblingsplatz in dem Gebäude ist die verzierte Kanzel aus dem 17. Jahrhundert an der Seitenwand. Aus ihr predigten seine Vorgänger in den Zeiten nach der Reformation, um besser von ihrer Gemeinde gehört zu werden.

Der Förderverein hat sich gründlich mit der Geschichte der Kirche beschäftigt. „Sie gehört zu den ältesten in Rostock“, sagt Michael Berger. Sie war die Patronatskirche der weit verzweigten Adelsfamilie von Moltke, die in Toitenwinkel das Gutshaus betrieb und Kirche und den Pfarrer finanzierte. An einer Seitenwand befinden sich die Grabplatten der Familie. Zum Beispiel die von Carin von Moltke. Der wurde 1564 von seinem eigenen Mitarbeiter, einem Müller, erschlagen.

Die Dorfkirche Toitenwinkel ist eine der ältesten Kirchen in Rostock. Das prächtige Gebäude entging nur knapp dem Verfall.

Gerald Kleine Wördemann

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