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Rostock Dreck an allen Ecken: Kein Aushängeschild für Rostock
Mecklenburg Rostock Dreck an allen Ecken: Kein Aushängeschild für Rostock
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00:00 15.04.2013
Stadtmitte

Fleckige Sofas auf Grünflächen. Ausrangierte Spülmaschinen auf Bürgersteigen. Wahllos verstreute leere Verpackungen neben, nicht in den Abfalltonnen. „Urlauber, die das bemerken sprechen uns an, schimpfen über den Müll“, sagt Hannelore Dolinga, Chefin des Rostocker Regionalbüros des Hotel- und Gaststättenverbandes MV und Betreiberin eines Restaurants in der Eselföterstraße. „Sobald jemand etwas illegal wegwirft, legt der nächste nach.“ Was die Gastronomin besonders wütend macht: „Wir haben den Eindruck, dass sich niemand um die Dreckecken kümmert.

Obwohl wir das Umweltamt informieren, kommt keine Reaktion.“ Thomas Schmidt von der Rostocker Umweltaufsicht kontert. Werde illegaler Müll gemeldet, fahre man den mit dem Kleintransporter des Umweltamtes „in der Regel innerhalb einer Woche“ ab. Die Stadtentsorgung arbeite Sperrmüll- und Elektroschrottmeldungen innerhalb von zwei Wochen ab, ergänzt er.

Dolinga schüttelt den Kopf: „Es ist doch kein Zustand, wenn montagsmorgens die ersten Besuchergruppen den Speicher anschauen wollen und an den immer gleichen Schandflecken vorbei müssen.“

Offensichtlich sei es vielen Hansestädtern egal, wie es in ihrer Straße aussehe. „Ständig sind hier Politessen unterwegs, warum werfen die nicht mal einen Blick nach rechts und links und alarmieren das Umweltamt?“, wettert sie. „Rostock ist eine Urlauberstadt. Da ist es doch unser aller Aufgabe, die Stadt sauber zu halten.“

Manchmal dauere es mehr als einen Monat, bis wilder Müll verschwinde, beklagt auch Diana-Elisabeth Meyer (50) aus der Steintor-Vorstadt. Das kann Annett Prassl bestätigen. Die 46-Jährige arbeitet in der Bäckerei am Goetheplatz. „Ein Dutzend blauer Säcke hat wochenlang hier um die Ecke gestanden“, sagt sie. Kein Einzelfall. Müllberge. Immer und immer wieder. „Bei uns in Schmarl sieht das nie so schlimm aus wie hier. Dabei ist die Steintor-Vorstadt eine nette Gegend“, wundert sie sich. Brennpunkte innerhalb der Stadt macht das Umweltamt nicht aus. Allerdings: „Mietwohnungsgegenden im Nordwesten und Nordosten der Stadt und die KTV sind stärker betroffen als Siedlungen mit Einfamilienhäusern“, sagt Schmidt.

Wer beim heimlichen Müllabladen erwischt wird, muss zahlen. „Die Abfallsatzung sieht bis 1000 Euro vor“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Doch nur selten wird ein Frevler ertappt: Für 2012 verzeichnet die Umweltaufsicht 27 Ordnungswidrigkeitsanzeigen, 2011 waren es ganze 15.

131,5 Tonnen illegalen Müll ließ das Umweltamt 2012 mit seinem Transporter, dem „Klarschiff“-Mobil, beräumen. 263 Fuhren waren nötig. Die Kosten trägt der Steuerzahler: 19 419 Euro belasteten 2012 den Amtshaushalt, informiert Schmidt. Ohne Personalkosten. Zum großen Teil würden die wilden Müllberge von eigenen Leuten ermittelt — von den Kräften im Bundesfreiwilligendienst und den Kontrolleuren im neuen kommunalen Ordnungsdienst. Auch Bürger würden Dreckecken melden: 296 Rostocker wählten im vorigen Jahr die Nummer des Umwelt-Telefons, 671 Meldungen gingen übers Bürgerportal klarschiff-hro.de ein. Insgesamt registrierte das Umweltamt weit mehr als 2000 Meldungen. Hausmüll, Bauabfälle, auch Sondermüll transportierten Freiwillige mit dem „Klarschiff“-Mobil ab. Sperriges und Elektroschrott holte die Stadtentsorgung.

„Rostocker können unbegrenzt Sperrmüll abholen lassen oder auf den vier Recyclinghöfen abgeben“, sagt Steffen Böhme, Bereichsleiter bei der Stadtentsorgung. Kosten entstünden dafür nicht. Die Entsorgung sei mit der Abfallgebühr abgedeckt. Für ihn unerklärlich, warum Leute Müll illegal wegschmissen. „Gedankenlosigkeit“, vermutet Kunze. Die Lösung des Problems? Böhme setzt auf „weitere intensive Aufklärung über die sehr guten Rahmenbedingungen und Entsorgungsmöglichkeiten“.

Wo kann man entsorgen?
Rostocker können Sperrmüll, Grünschnitt und Elektroschrott kostenlos abholen lassen. Die Abfuhr ist beim Kundendienst der Stadtentsorgung Rostock GmbH unter 4593100 oder www.stadtentsorgung-rostock.de anzumelden. Auch die vier Recyclinghöfe nehmen den Sperrmüll der Hansestädter kostenlos an. Müllecken können Bürger übers Umwelt-Telefon 381-7303 melden oder über das Bürgerportal www.klarschiff-hro.de. Schwerpunkte der wilden Müllablagerungen sind rund um die Stellplätze der Papier- und Glascontainer. 1270 Mal haben Freiwillige im Auftrag des Umweltamtes 2012 diese Wertstoffsammelplätze gereinigt.

Katrin Starke

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