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Rostock Druckerei-Chef Adam macht in Bruchsal weiter
Mecklenburg Rostock Druckerei-Chef Adam macht in Bruchsal weiter
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00:00 12.09.2013
Laage

„Bruchsaler Großdruckerei Adam gerettet — Gründerfamilie übernimmt Geschäftsbetrieb aus Insolvenz“ ist die Mitteilung überschrieben, die der alte und neue Chef Walter Adam gestern verbreitete. Die gekündigten Mitarbeiter der Druckerei in Laage, wie auch Kunden, Lieferanten und andere Druckbetriebe sind sprachlos.

Wie geht das? Zwei Adam-Druckereien im badischen Bruchsal und in Laage sind insolvent (die OZ berichtete). Millionen-Verluste sind zu beklagen vor allem in Laage, der „Lohndruckerei“ für Bruchsal, für die das Süd-Unternehmen aber mit rund 15 Millionen Euro haftet (Darlehen und Mietkaufverträge). Mindestens 14,6 Millionen Euro Fördermittel flossen in den Neubau Laage — für das meiste Steuergeld ist die Zweckbindung abgelaufen, das Land hofft noch auf die letzte Rate, 2,2 Millionen Euro Rückzahlung — notfalls von Adam persönlich. Der aber hat nun „im Wege eines Asset Deals den gesamten Geschäftsbetrieb und 73 der 75 Beschäftigten“ in eine neue Gesellschaft namens Adam NG GmbH übernommen. Somit wohl auch die Schulden von drei Millionen Euro in Bruchsal. Woher hat die Gründerfamilie das Geld für den „Asset Deal“? Auch wenn Adam sein Flugzeug aus einer anderen Adam-Firma als Pfandbrief hinterlegt haben soll — dürfte dies nicht reichen.

Seit langem schon schaut die Branche misstrauisch auf das Konstrukt, das seit Jahren mit Dumpingpreisen und Billiglöhnen am Markt agiert. „Druckereien verloren an Adam Aufträge und teils langjährige Kunden, die dieser zu Konditionen holte, die er selbst nicht darstellen konnte. Durch diese Dumping-Strategie verunsicherte er Kunden, denen er unrealistische Marktpreise vorspielte“, heißt es in einem Schreiben mehrerer Marktteilnehmer, das der OZ vorliegt. Sie gehen zudem von Insolvenzverschleppung aus. Spätestens Mitte 2012, als der Finanzierer MFI nach Aussetzung der Tilgungsraten durch Adam den kompletten Millionen-Rest fordert, hätten die Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Doch dies geschah erst im Januar 2013. „Weil es noch Zweckbindungen für Fördergelder gab“, vermuten Druckerei-Chefs. Insolvenzverwalter Andreas Fischer sieht die Insolvenz in Bruchsal als Folge „der engen finanziellen Verflechtung mit der Schwestergesellschaft in Laage“. Er habe Angebote potenzieller Käufer geprüft. Das Angebot der Gründerfamilie sei das „Beste im Sinne der Gläubiger, Kunden und Beschäftigten“ gewesen.

Doris Kesselring