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Ein Anruf – und der Bus kommt

Reutershagen Ein Anruf – und der Bus kommt

Flexible Fahrpläne, grüne Antriebe und fairere Tarife: Die RSAG plant den Nahverkehr 2030

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Der Bus kommt nach Anruf – und dennoch soll Theresa Wilken (25) nie länger als zehn Minuten auf den Nahverkehr in Rostock warten müssen. So stellt sich die Straßenbahn AG die Zukunft an der Warnow vor (Symbolbild).

Quelle: Fotos: Ove Arscholl

Reutershagen. Bezahlt wird nur noch pro gefahrenen Kilometer, die Fahrzeuge stoßen keine Schadstoffe mehr aus und nachts kommt der Bus auf Anruf – komplett autonom, ohne Fahrer: So könnte die Zukunft des Nahverkehrs in Rostock aussehen. Jedenfalls, wenn es nach den Fachleuten der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) geht. Monatelang haben Vorstand und Führungsmannschaft an einer Strategie für die Zukunft gearbeitet. Jetzt ist das Papier „RSAG 2030“ fertig.

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Flexible Fahrpläne, grüne Antriebe und fairere Tarife: Die RSAG plant den Nahverkehr 2030

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Unser Ziel ist es, dass kein Fahrgast in Rostock länger als zehn Minuten auf den Nahverkehr warten muss.

Yvette Hartmann Vorstand Rostocker Straßenbahn AG

Die RSAG in Zahlen

130000 Fahrgäste nutzen im Schnitt pro Tag die Busse und

Straßenbahnen in Rostock.

550 Haltestellen bedient die Straßenbahn AG im gesamten Stadtgebiet. Insgesamt gibt es mehr als 20 Bus- und sechs Straßenbahnlinien. Das Liniennetz ist zusammengerechnet um die 200 Kilometer lang.

700 Mitarbeiter sind bei der RSAG beschäftigt.

Mehr Komfort für die Rostocker

Mehr Hightech, mehr Komfort – und flexible Preise: So lässt sich das Strategiepapier, das erst vor wenigen Tagen dem Aufsichtsrat der städtischen Verkehrsbetriebe überreicht wurde – in Kurzform zusammenfassen. Und: Es ist ein Gemeinschaftswerk. „Die Inhalte haben in erster Linie unsere Mitarbeiter erarbeitet. In vielen gemeinsamen Sitzungen und Arbeitsgruppen“, sagt Yvette Hartmann, kaufmännische Chefin der RSAG. Ihr Vorstandskollege, Technik-Chef Jan Bleis, ergänzt: „Unsere Team- und Abteilungsleiter sind schließlich die wahren Experten: Sie kennen die Technik, aber auch die Wünsche der Kunden.“ Ganz vorne an steht in der Strategie ein ehrgeiziges Ziel: Schon jetzt nutzen mehr als 130000 Menschen pro Tag die Straßenbahnen und Busse der RSAG. Bis 2030 sollen noch mehr Menschen vom Auto auf den Nahverkehr umsteigen. „Wir haben derzeit rund 40 Millionen Fahrgäste pro Jahr. 2030 sollen es 47 Millionen sein“, sagt Bleis.

Außerdem will die RSAG vom Wachstum der Stadt profitieren – und von dem der Region: In dem Zusammenhang haben die Mitarbeiter einen weiteren Schwerpunkt ausgemacht: Die Vernetzung mit dem Umland.

„Aber da sind wir ja bereits in Gesprächen mit unserem Partner Rebus im Landkreis Rostock“, so Hartmann.

Bezahlen nur noch pro Kilometer?

Wie das gelingen kann – dafür haben die mehr als 700 Mitarbeiter der Straßenbahn AG klare Vorstellungen: „Zum Beispiel soll das Kaufen eines Tickets zukünftig einfacher werden“, sagt Hartmann.

Handytickets etwa soll es noch im Laufe des Jahres im Verkehrsverbund Warnow geben. Damit aber nicht genug: „Wir überlegen, ob und wie man zukünftig ,nutzungsabhängige‘ Tarife anbieten kann.“ Was das bedeutet? „Dass der Fahrgast nur für die Strecke zahlen muss, die er auch tatsächlich gefahren ist. Er zahlt quasi pro Kilometer oder pro Haltestelle“, ergänzt Bleis. Die bisherigen Tickets seien ein Stück weit ungerecht: „Wer zum Beispiel fünf Haltestellen weit fährt, muss so viel bezahlen, wie jemand, der quer durch Rostock mit uns fährt.“ Künftig sollen neue digitale Techniken fairere Tarife ermöglichen. Denkbar sei zum Beispiel, dass sich das Handy des Fahrgastes beim Ein- und Aussteigen automatisch mit der Bahn oder Bus verbindet. „So ließe sich die tatsächlich gefahrene Strecke beim Aussteigen exakt abrechnen.“ Kurze Fahrten könnten so billiger werden. Auch für die wachsende Zahl von Touristen könnte das attraktiv sein – um die Hansestadt mit dem öffentlichen Nahverkehr kostengünstig erkunden zu können.

Neue Technologien für eine grünere Stadt

Die RSAG will zudem moderner werden – auch technologisch: Dominieren auf der Straße bisher noch dieselbetriebene Busse, soll bis 2030 mindestens die Hälfte der Flotte auf Elektro-Antriebe umgestellt werden. Auch anderen Hightech-Themen will sich die Straßenbahn AG stellen – selbstfahrenden, sogenannten „autonomen“ Fahrzeugen zum Beispiel. In vielen europäischen Großstädten sind die bereits seit Jahren im Einsatz. Vor allem in U-Bahnen, in Paris, Kopenhagen und auch Rom zum Beispiel. In China arbeiten Ingenieure nun auch an autonomen Straßenbahnen. Die sollen sogar ohne Gleis auskommen. „Natürlich sind diese Entwicklungen für uns spannend“, so Bleis. Die neue Technik könnte beispielsweise helfen, kostengünstig neue Linien zu erschließen. Die RSAG denkt zudem über ein Angebot nach, das es in vielen ländlichen Gegenden bereits gibt – dort aber aus der (finanziellen) Not der Verkehrsbetriebe heraus geboren: „Wir wollen das Geschäftsfeld ,bedarfsgerechte Verkehre‘ aufbauen“, sagt Vorstand Hartmann. Gemeint sind Angebote wie die sogenannten Anrufbusse. Auf bestimmten Strecken, zu bestimmten Uhrzeiten und auch in bestimmten Gegenden will die RSAG künftig nicht mehr nach Fahrplan fahren, sondern nur, wenn Fahrgäste sie brauchen. Ein Anruf – und der Bus kommt. In schwach bevölkerten Teilen der Hansestadt, der Rostocker Heide zum Beispiel, sei ein Fahrplan wirtschaftlich kaum darstellbar. „Unser Ziel ist es, dass kein Fahrgast in Rostock länger als zehn Minuten auf den Nahverkehr warten muss“, gibt Hartmann das Ziel vor.

Andreas Meyer

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