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Ein Reeder steuert den Ruhestand an

Warnemünde Ein Reeder steuert den Ruhestand an

Die Fahrgastreederei Käpp’n Brass geht an die nächste Generation. Für sie kann es aber schwerer werden als bisher, sagt Chef Rainer Möller.

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Rainer Möller vor dem Modell eines seiner Schiffe. Der Reeder hat stets auf moderne Technik geachtet.

Quelle: Fotos: Michael Schissler

Warnemünde. Bei der Fahrgastreederei Käpp'n Brass GmbH steht der Generationswechsel bevor. Inhaber Rainer Möller will noch die kommenden zwei Jahre im Geschäft aktiv sein „und 2020 ziehe ich mich dann in den Ruhestand zurück“. Das Unternehmen bleibt jedoch in Familienhand und damit dem Seebad Warnemünde und dem Tourismus erhalten. „Meine beiden älteren Söhne und meine Frau werden die Reederei weiterführen, später tritt mein nun 13 Jahre alter und damit jüngster Sohn voraussichtlich in den Betrieb ein“, sagt der Reeder, der die Entwicklung des Tourismus vor und nach der Wende in Warnemünde erlebt hat.

OZ-Bild

Die Fahrgastreederei Käpp’n Brass geht an die nächste Generation. Für sie kann es aber schwerer werden als bisher, sagt Chef Rainer Möller.

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Von Hause aus ist Rainer Möller Dreher, den Beruf hat er auf der Warnow-Werft gelernt. Auf der Käpp'n Brass „war ich ab 1979 Decksmann“, erzählt Möller, der die Reederei Ende des Jahres 1982 übernahm und damit der einzige private Fahrgastreeder im Bereich Warnemünde war. Warnow aufwärts gab es den Fährbetrieb Schütt. „Die alte ,Käpp’n Brass’ war ein geklinkertes Holzschiff“, erinnert sich Möller, der das Schiff umbauen und modernisieren ließ. Letztlich jedoch verlor er seine alte Käpp’n Brass bei einem Brand in einer Werft. Das war 1989.

Über seine Schiffe kann Rainer Möller viel berichten, zumal seine Reederei stets eine der ersten war, die in neue Fahrgastschiffe investiert hat. „Ich war immer daran interessiert, die modernsten Schiffe zu haben und damit auch den Gästen etwas zu bieten“, erzählt Möller, der nicht nur als Schiffsführer, sondern auch gleichzeitig als Reiseführer arbeitet. „So habe ich als erster Fahrgastreeder 1990 das erste Fahrgastschiff bei einer Werft in Köpenick bei Berlin in Auftrag gegeben“, sagt der 63-Jährige. Durch seine Hände sind viele Schiffe gegangen, die heute teils auf dem Rhein, teils auf Binnenseen oder bei anderen Reedereien im Einsatz sind. „Ich habe sie zehn Jahre oder weniger gefahren“, sagt Möller, „und sie dann verkauft.“ Insgesamt hat Möller bislang acht Schiffe neu bauen lassen.

Derzeit hat die Reederei drei Schiffe: die „Käpp’n Brass“, „Min Herzing“ und die „Ostseebad Warnemünde“. Damit hat sich der Betrieb gut entwickelt. Mittlerweile geht die Reederei in das 36. Jahr ihres Bestehens. Rainer Möller selbst ist seit 39 Jahren im Revier unterwegs. „Es dürften wohl ein paar Millionen Touristen gewesen sein, die ich auf meine Runden mitgenommen habe“, erinnert sich der Warnemünder. „Zu DDR-Zeiten waren die Schiffe bei jeder Tour voll, das hat sich geändert. Wir müssen unser Geld im Sommer verdienen“, sagt Möller. „Dabei helfen uns die Begleitfahrten für die Aida-Kreuzfahrtschiffe und auch die Portpartys, die wir auch finanziell unterstützen.“

Doch die Fahrgastschiffer haben auch Sorgen. „Uns fehlt es mittlerweile an Personal“, sagt Silvia Grahl, die im Büro der Reederei arbeitet. Es mangelt an Schiffsführern wie auch an Kellnerinnen.

„Aber die Leute wollen auch eben Urlaub machen, wenn auf den Fahrgastschiffen gearbeitet werden muss“, erläutert sie.

Unterdessen wird die Kundschaft anspruchsvoller, „und verlangt immer nach Rabatten“, sagt Silvia Grahl. Bei den Fahrgastschiffern trifft das auf wenig Verständnis: „Mit zehn Euro für die Fahrt hier bei uns und in Stralsund liegen wir am günstigsten“, sagt Rainer Möller. Auch das ist zu bedenken, wenn Möller nun seinen Betrieb an die Nachfolge-Generation übergibt: „Investieren wird nicht mehr so einfach sein, weil die Schiffspreise auch gestiegen sind.“ Der Reeder macht das an einem Beispiel deutlich: „Der Neubau der ,Ostseebad Warnemünde’ hat 3,1 Millionen Euro gekostet, heute wären 3,5 Millionen nötig.“ Dazu hätten auch die Werftkosten angezogen. „Die Zeit, die ich erlebt habe, werden meine Söhne so nicht mehr erleben“, fügt er hinzu. Das Geschäft im Tourismus sei härter geworden.

Weitergehen wird es aber auf jeden Fall, sagt Möller. Attraktionen im Hafen werde es auch künftig geben, auch wenn der nicht mehr so lebhaft sei wie früher. „Es gab immer etwas zu sehen“, sagt Rainer Möller, der seit 39 Jahren im Revier unterwegs ist.

Michael Schißler

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