Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Ein Schulhaus feiert 100. Geburtstag
Mecklenburg Rostock Ein Schulhaus feiert 100. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.03.2013
Herbert Höbler (v.l.), Günther Zander, Ute Adam und Nils Ibendorf vor dem hundertjährigen Schulhaus. Quelle: Jürgen Falkenberg
Lichtenhagen

Dorf — Ein Schulhaus wird 100. Das wollen die Schüler, Lehrer und Einwohner von Lichtenhagen-Dorf bis September feiern.

Schulunterricht gibt es im Ort allerdings noch viel länger — schon seit 1681. Eine Stube der Küsterei stand dafür zur Verfügung. Heute hat die Grundschule fünf Gebäude für 128 Schüler der Klassen eins bis vier, die von sieben Lehrkräften unterrichtet werden. „Unsere Schule ist eine zukunftsorientierte Einrichtung in historischem Umfeld“, betont die Leiterin Ute Adam.

Inmitten des denkmalgeschützten Ortskerns von Lichtenhagen, unmittelbar der Kirche gegenüber gelegen, vereint der Schulkomplex das ehemalige Schulhaus von 1798, die Schulscheune (um 1800), den Schulpavillon von 1994, das neueste Schulgebäude von 2009 — und das Geburtstags-Gebäude, das große Schulhaus von 1913. Die alten Schulgebäude haben den Denkmalstatus und werden sorgfältig gehütet und gepflegt.

Zwischen den Jahrhunderten gab es immer wieder bauliche Veränderungen, die zu Verbesserungen des Schulbetriebes führten. Auch das 100 Jahre alte Hauptgebäude erfuhr An- und Umbauten.

Neben einer Festveranstaltung und den schulischen Initiativen soll am Tag des offenen Denkmals am 8. September in der Kirche mit den Kindern „Das Schulmeisterlein“ aufgeführt werden. Die Schule öffnet an diesem Tag für alle Interessierten ihre Türen, unter anderem wird eine historische Klassenstube eingerichtet. Einstige Schüler werden ihre alte Schule besuchen und über vergangene Schulstreiche plaudern. Herbert Höbler (88), von 1950 bis 1969 Direktor der Schule, will dabei sein. „Zeitweise waren in den 60er Jahren über 60 Schülerinnen im Internat unserer Schule. Da ging es ganz schön lebhaft zu“, erinnert sich Herbert Höbler.

Zur Zeit des Schulneubaus 1913 war Friedrich Meyer Lehrer, Kantor und Organist. Er hatte 1893 die Nachfolge des Kantors Rühe angetreten, der als eifriger Heimatforscher Richard Wossidlo vieles zuarbeitete. Für 1906 wird im Jahrbuch der Volksschullehrer zur Schule Lichtenhagen vermerkt, dass das Schulhaus alt sei, eine Scheune dazu gehöre und dass in der zweiklassigen Schule 70 Schüler unterrichtet würden. Als Lehrer sind die Herren Mayer und Henningschmidt genannt.

Diese und andere historische Fakten werden in einer Broschüre „Die Schule Lichtenhagen Dorf“erscheinen. Ortschronist Günther Zander (74) und Nils Ibendorf, beide engagiert im Förderverein Denkmale, trugen aus Archiven und von Zeitzeugen nicht nur Jahreszahlen und Namen zusammen. Die Broschüre wird auch die Geschichte der mecklenburgischen Volksschule über drei Jahrhunderte und die Entwicklung der Lehrerbildung spiegeln. „Wir haben schon viel Zeit in dieses Werk gesteckt“, sagt Nils Ibendorf.

Lange Geschichte
Als einklassige Winterschule begann die Geschichte der Lichtenhäger Bildungseinrichtung 1681. Ein neues Küsterhaus wurde 1798 gebaut. 1874 kam ein zweiter Lehrer. Nach dem Krieg im Juli 1945 wurde der Unterricht mit 106 Schülern wieder aufgenommen. Die Schule wurde fünfklassig. 1956 wurde aus der Zentralschule eine Mittelschule bis Klasse 10. Der polytechnische Unterricht in den Betrieben des Ortes wurde eingeführt.

Mit dem Schulneubau im neuen Stadtteil Lichtenhagen wurde nur bis zur Klasse acht unterrichtet. Seit 1993 gibt es die vierklassige Grundschule, deren Leiterin seit 1992 Ute Adam ist.

Jürgen Falkenberg

Anzeige